Anita Winter

Anita Winter (* 1962 in Zürich) ist eine Schweizer Unternehmerin, Menschenrechtsaktivistin sowie Gründerin und Präsidentin der Gamaraal Foundation.

Leben

Anita Winter wuchs in Baden AG auf, sie ist Tochter zweier Holocaust‑Überlebender. Ihre Mutter, Margit Fern (geb. 1934 in Nürnberg), überlebte die Verfolgung, indem sie unter falschem Namen in einem französischen Kloster untertauchte. Ihr Vater, Walter Strauss (geb. 1922 in Heilbronn), entkam nach der Reichspogromnacht 1938 aus Berlin und floh in die Schweiz. Anita Winter ist mit dem Rechtsanwalt und ehemaligen Präsidenten des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds Herbert Winter verheiratet. Gemeinsam haben sie vier erwachsene Kinder.

Beruflicher Werdegang

Anita Winter begann ihre Laufbahn als Modeunternehmerin. Sie betrieb in Europa unter dem Label „Anita S.“ eine Bekleidungsmarke und war zudem Vertreterin für Disney-Babybekleidung und andere Labels. Im Jahr 2014 gründete sie die Gamaraal Foundation.

Gamaraal Foundation

Im Jahr 2014 gründete Anita Winter die Gamaraal Foundation mit dem Ziel, das Leben bedürftiger Holocaust-Überlebender zu erleichtern und die Erinnerung an den Holocaust lebendig zu halten. Die Stiftung hat ihren Sitz in Zürich und wird von Anita Winter als Präsidentin geleitet.

2016 initiierte die Gamaraal Foundation die Wanderausstellung The Last Swiss Holocaust Survivors, die Porträts und Geschichten von Holocaust-Überlebenden zeigt. Diese wurde international gezeigt – unter anderem im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York, im Schweizerischen Nationalmuseum, in der Holocaust-Gedenkstätte in Mailand sowie in Singapur, Schweden, Israel und anderen Ländern. Die Ausstellung wurde in insgesamt 26 Sprachen präsentiert.

Ein Teil der Ausstellung wurde in die Dauerausstellung «Geschichte Schweiz» des Landesmuseums Zürich, das zum Schweizerischen Nationalmuseum gehört, integriert. Dort werden unter anderem vier Videointerviews mit Holocaust-Überlebenden aus der Schweiz gezeigt.

Weitere Engagements auf nationaler & internationaler Ebene

Anita Winter ist offizielle Repräsentantin von B’nai B’rith International bei den Vereinten Nationen in Genf. In dieser Funktion engagiert sie sich unter anderem beim UN-Menschenrechtsrat (UNHRC) öffentlich gegen Antisemitismus und für Holocaust-Erinnerung.

Darüber hinaus gehört sie der Begleitgruppe des Schweizer Aussenministeriums zur International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) an. Dort arbeitet sie mit internationalen Expertengremien zusammen, um Bildungsprojekte zu fördern, Gedenkinitiativen zu koordinieren und die Einhaltung der IHRA-Arbeitsdefinition von Antisemitismus zu unterstützen.

Zudem ist Anita Winter als Hauptvertreterin (Main Representative) des Coordinating Board of Jewish Organizations (CBJO) beim Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen in Genf tätig.

Anerkennung und Preise

Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland (2021)

Im Februar 2021 wurde Anita Winter das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Diese Auszeichnung erhielt sie vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in Anerkennung ihres langjährigen Engagements für Holocaust-Bildung und die Unterstützung Überlebender durch die Gamaraal Foundation. In der Laudatio wurde ihr unermüdliches Wirken als zweite Generation von Holocaust-Überlebenden besonders gewürdigt, ebenso wie ihr Einsatz für das Erinnern an den Holocaust und die Partizipation in internationalen Gremien.

Dr. Kurt Bigler-Preis für Holocaust Education (2018)

Im März 2018 wurde die Gamaraal Foundation gemeinsam mit dem Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich mit dem Dr. Kurt Bigler‑Preis ausgezeichnet. Die Ehrung würdigt herausragende Projekte im Bereich Holocaust-Bildung, insbesondere die Wanderausstellung The Last Swiss Holocaust Survivors, deren wissenschaftliche Begleitung und pädagogische Wirkung als besonders bedeutend hervorgehoben wurden.

Simon-Wiesenthal-Preis (2024)

Im Jahr 2025 wurde die Gamaraal Foundation mit dem Simon-Wiesenthal-Preis 2024 ausgezeichnet. Der mit 15.000 Euro dotierte Hauptpreis wurde am 18. September 2025 im österreichischen Parlament in Wien verliehen und würdigt zivilgesellschaftliches Engagement gegen Antisemitismus sowie die Aufklärung über den Holocaust.

Die Auszeichnung wurde von Peter Haubner, Zweitem Präsidenten des österreichischen Nationalrates und Vorsitzendem des Kuratoriums des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus, sowie von Katharina von Schnurbein, EU-Koordinatorin zur Bekämpfung von Antisemitismus und Vorsitzender der Simon-Wiesenthal-Preis-Jury, überreicht. In ihren Ansprachen hoben sie die Bedeutung der Erinnerungsarbeit und des Engagements der Stiftung gegen Antisemitismus hervor.

Einzelnachweise

  1. ↑ Robert Sarner: Swiss woman helps Holocaust survivors weather pandemic’s 2nd trauma – loneliness. In: The Times of Israel. 20. Juni 2021, ISSN 0040-7909 (timesofisrael.com [abgerufen am 15. August 2025]).
  2. ↑ Peter Bollag: Arm in einem reichen Land: Die Gamaraal-Stiftung unterstützt bedürftige Shoa-Überlebende. In: Jüdische Allgemeine, 29. Februar 2016, abegrufewn am 26. September 2026.
  3. ↑ Keeping The Memory Of The Holocaust Alive | Drooms. 10. Januar 2025, abgerufen am 15. August 2025 (amerikanisches Englisch).
  4. ↑ A successful fashion designer started a family and changed her life. After taking a career break, she made a new start by creating a foundation. – Executive School of Management, Technology and Law (ES-HSG). Abgerufen am 15. August 2025 (amerikanisches Englisch).
  5. ↑ A successful fashion designer started a family and changed her life. After taking a career break, she made a new start by creating a foundation. – Executive School of Management, Technology and Law (ES-HSG). Abgerufen am 15. August 2025 (amerikanisches Englisch).
  6. ↑ World Jewish Congress: World Jewish Congress. Abgerufen am 15. August 2025 (englisch).
  7. ↑ Keeping The Memory Of The Holocaust Alive. In: Drooms. 10. Januar 2025, abgerufen am 15. August 2025 (englisch).
  8. ↑ Susanne Sugimoto: Countering hatred with memory. In: The Philanthropist. 23. November 2022, abgerufen am 15. August 2025.
  9. ↑ The Last Swiss Holocaust Survivors – eine Ausstellung gegen das Vergessen. In: infoclio.ch. Abgerufen am 13. Oktober 2026.
  10. ↑ Erika Hebeisen: Stimmen von Holocaust-Überlebenden in der Schweiz. In: Schweizerisches Nationalmuseum. 22. November 2021, abgerufen am 13. Oktober 2026.
  11. ↑ Robert Sarner: Swiss woman helps Holocaust survivors weather pandemic’s 2nd trauma – loneliness. In: The Times of Israel. 20. Juni 2021, ISSN 0040-7909 (timesofisrael.com [abgerufen am 15. August 2025]).
  12. ↑ Faculty of Jewish Studies | Bar-Ilan University: Forum Switzerland: List of Members. 2. November 2020, abgerufen am 26. September 2026 (englisch).
  13. ↑ Faculty of Jewish Studies | Bar-Ilan University: Forum Switzerland: List of Members. 2. November 2020, abgerufen am 26. September 2026 (englisch).
  14. ↑ Anita und Herbert Winter – Unser Leben im Einsatz für jüdische Anliegen. In: Gedenkstätte Riehen. Abgerufen am 13. Oktober 2026.
  15. ↑ Steinmeier ehrt Jüdin mit Heilbronner Wurzeln mit Orden – STIMME.de. 1. März 2021, abgerufen am 15. August 2025.
  16. ↑ Robert Sarner: Swiss woman helps Holocaust survivors weather pandemic’s 2nd trauma – loneliness. In: The Times of Israel. 20. Juni 2021, ISSN 0040-7909 (timesofisrael.com [abgerufen am 15. August 2025]).
  17. ↑ Simon-Wiesenthal-Preis 2024: Hauptpreis geht an Schweizer „Gamaraal Foundation“. In: Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus. 18. September 2025, abgerufen am 25. September 2026.
  18. ↑ Die Gamaraal Foundation erhält Simon-Wiesenthal-Preis 2024. In: Österreichisches Parlament. Abgerufen am 25. September 2026.
Personendaten
NAME Winter, Anita
KURZBESCHREIBUNG Schweizer Unternehmerin, Menschenrechtsaktivistin sowie Stifterin und Präsidentin der Gamaraal Foundation
GEBURTSDATUM 1962
GEBURTSORT Zürich