Anja Luithle

Anja Luithle (* 31. Mai 1968 in Offenbach am Main) ist eine deutsche Künstlerin.

Leben

Jugend und Ausbildung

Luithle studierte von 1988 bis 1995 an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste Stuttgart bei den Professoren Dieter Groß, Sotirios Michou und Joseph Kosuth. Sie schloss dort mit dem ersten Staatsexamen in Kunstpädagogik ab. 1990 war sie Gaststudentin an der Facultad de Bellas Artes der Universidad de Barcelona bei Joan Hernández Pijuan.

Die Wegweiserin, Eislingen
Die Springerin, Fellbach

Künstlerische Entwicklung

Früh gelang es Luithle in Einzel- und Gruppenausstellungen an die Öffentlichkeit zu treten. Sie zeichnet und malt. Bekannt wurde sie jedoch durch ihre kinetischen Skulpturen, von denen einige im öffentlichen Raum dauerhaft ihren Platz gefunden haben. Meist sind es überlebensgroße Frauenkleider, denen der Körper abhandengekommen ist und die sich dennoch bewegen: wie etwa ein weißes Kleid, das über einen See schwebt (Ein Vielleicht auf der Welle, 2017), Röcke, die ein Händeklatschen zu einem Hüftschwung bewegt (Broadway, 2008), die Gratwanderin, die seit 2002 am First des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg hin- und herwandelt. Auch bei kleineren Objekten hat Luithle Vergnügen daran, mit sich bewegenden Objekten Schocksituationen hervorzurufen: So fällt etwas das Ölgemälde China moves immer wieder 20 cm in die Tiefe, um anschließend wieder an den angestammten Platz gezogen zu werden.

Luithle möchte mit ihrer Kunst überraschen, Denkanstöße geben, neue Perspektiven ermöglichen, kommunizieren. Durch die mechanische Bewegung von Kleidern, Schuhen und Handtaschen soll der Betrachter emotional angesprochen werden. Häufig setzt Luithle die Farbe rot ein, mit der sie Erotik, Liebe, Schmerz, Passion verbindet, aber auch eine Signalwirkung hervorrufen möchte.

Ihre bewegten Kleider baut sie auf, indem sie zunächst das Stahlgerüst vorbereitet. Es wird ein Kleid aus Stoff darüber geworfen, mit Farbe getränkt und schließlich mit Epoxidharz versteift. Für die komplexe elektronische Steuerung arbeitet sie mit Hanns-Martin Wagner und seiner Firma zusammen, der eine zuverlässige nachhaltige Beweglichkeit gewährleisten kann.

Seit 2019 unterrichtet Anja Luithle an der Freien Kunstakademie Nürtingen. Sie lebt in Wendlingen am Neckar.

Engagement

Luithle ist seit 2013 Mitglied im Künstlerbund Baden-Württemberg.

Werke

In öffentlichen Sammlungen

Anja Luithles Werke sind in folgenden öffentlichen Sammlungen vertreten: Artima der Mannheimer Versicherungen, Musée d'art moderne e contemporain de Saint-Etienne in Frankreich, Kunstsammlung der Stadt Ehingen, Städtische Museen Heilbronn, Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen, Städtische Galerie Donzdorf, Stadt Hattingen (Essen), Galerie der Stadt Veszprém, Ungarn, Sammlung der Stadt Lodz, Polen, Sammlung der Stadt Fellbach, Kunsthalle Mannheim, Staatsgalerie Stuttgart, Kunsthalle Göppingen, Kunstsammlung der Stadt Nürtingen, Hörsaal Lehrerseminar Nürtingen, Stadt Essen, Borbeck, Kunstsammlung der Stadt Tuttlingen.

Die Reisende, Bahnhof Wendlingen
Gratwanderin, Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart

Im öffentlichen Raum

Dauerausstellungen

Für Museen entwickelte Luithle einige spielerische Szenarien.

Ausstellungen (Auswahl)

Die Auswahl der aufgelisteten Ausstellungen ist nach dem Jahr der Ausstellung sortiert.

Gruppenausstellungen

Einzelausstellungen

Auszeichnungen

Stipendien

Luithle erhielt bisher eine Reihe von Stipendien.

Preise

In Hinblick auf Preise war Luithle bisher nicht sehr erfolgreich. 2017 kam sie jedoch in die engere Wahl für sehr renommierte Preise.

Literatur

Commons: Anja Luithle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Biografie. Anja Luithle, abgerufen am 22. Januar 2024.
  2. ↑ Germaid Ruck: Luithle, Anja. In: Andreas Beyer, Bénédicte Savoy, Wolf Tegethoff (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon - Internationale Künstlerdatenbank. Band LXXXV. K. G. Saur, Berlin, New York 2015, S. 491.
  3. ↑ Jürgen Linde: Abgründig rot – über Anja Luithle. Kunstportal Baden-Württemberg, Juni 2021, abgerufen am 23. Januar 2024.
  4. ↑ art Karlsruhe: Anja Luithle zeigt bewegte und bewegende Kunst am ARTIMA-Messestand. Mannheimer Versicherungen, 9. Februar 2016, abgerufen am 23. Januar 2024.
  5. 1 2 3 Isabelle Haupt: ARTIMA trifft... Anja Luithle und ihre bewegende bewegte Kunst. (PDF) Artima, abgerufen am 23. Januar 2024.
  6. ↑ Vera Bender: Kunstmuseum Albstadt: Alles dreht sich um die Textilindustrie – und um die „Kreisläuferin“. Schwarzwälder Bote, 26. Februar 2023, abgerufen am 23. Januar 2024.
  7. 1 2 Anja Luithle: Neue Kunst Gallery. Michael Oess: Neue Kunst, abgerufen am 23. Januar 2024.
  8. ↑ Anja Luithle. Abgerufen am 23. Januar 2024.
  9. ↑ Worte und Schuhe für Ruit. Anja Luithle, abgerufen am 22. Januar 2024.
  10. ↑ Gratwanderin. Anja Luithle, abgerufen am 22. Januar 2024.
  11. ↑ Stefanie Lucci: Eislinger Kreiselkunst. Stadt Eislingen, 2009, abgerufen am 27. September 2026.
  12. ↑ Dieter Frey: „Irreparable Schäden“: „Die Rote Dame“ist zerstört. Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 24. September 2026, abgerufen am 27. September 2026.
  13. ↑ Die Springerin. Anja Luithle, abgerufen am 22. Januar 2024.
  14. ↑ Ein Vielleicht auf der Welle. Anja Luithle, abgerufen am 22. Januar 2024.
  15. ↑ Die Kreisläuferin. Anja Luithle, abgerufen am 22. Januar 2024.
  16. ↑ Die Reisende. Anja Luithle, 2023, abgerufen am 22. Januar 2024.
  17. ↑ Kerstin Dannath: Skulptur von Anja Luithle: „Die Reisende“ empfängt in Wendlingen die Reisenden. Stuttgarter Zeitung, 26. September 2023, abgerufen am 24. August 2024.
  18. 1 2 3 Ausstellungen. Anja Luithle, abgerufen am 23. Januar 2024.
  19. ↑ Ausstellung „Blickwechsel: Neue Frauenbilder“. Abgerufen am 22. Januar 2024.
  20. ↑ A Palazzo Fruscione “Il sangue delle donne” - Le Cronache. 12. September 2021, abgerufen am 23. Januar 2024 (italienisch).
  21. ↑ Dietrich Heißenbüttel: Der lange Weg zur Gleichberechtigung. 18. Dezember 2019, abgerufen am 23. Januar 2024 (deutsch).
  22. ↑ Momentaner Standpunkt – Anja Luithle in der Buergy de ruijter gallery. Kunstportal Baden-Württemberg, abgerufen am 23. Januar 2024 (deutsch).
  23. ↑ Ausstellung: „SpielART“. Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, abgerufen am 23. Januar 2024.
  24. ↑ Exhibitions since 1987. MAMC, Musée d'art moderne et contemporain, Saint-Étienne Métropole, abgerufen am 23. Januar 2024.
  25. ↑ Künstlerinnen 2017. Gabriele Münter Preis, abgerufen am 23. Januar 2024 (deutsch).
Personendaten
NAME Luithle, Anja
KURZBESCHREIBUNG deutsche Bildende Künstlerin
GEBURTSDATUM 31. Mai 1968
GEBURTSORT Offenbach am Main