Anki

Anki
Screenshot
Anki im Lernmodus unter Linux Mint
Basisdaten
Entwickler Damien Elmes
Erscheinungsjahr 5. Oktober 2006
Aktuelle Version 26.09.3
(23. September 2026)
Betriebssystem Windows, Linux, macOS, iOS und iPadOS
Programmier­sprache Rust, Python, u. a. (Desktop-Version)
Kategorie Lernkartei
Lizenz AGPL v3 (Desktop-Version), proprietär (iOS, iPadOS)
deutschsprachig ja
ankiweb.net

Anki (vom japanischen Wort 暗記 anki für „Auswendiglernen“) ist eine quelloffene Lernkartei-Software, ursprünglich vorrangig gedacht zum Erlernen von Fremdsprachen, wegen ihrer vielfältigen Einstellmöglichkeiten allerdings für das Memorisierung unterschiedlichster Lerninhalte geeignet. Lerninhalte werden gemäß eines Algorithmus präsentiert, dessen Wiederholungsintervall gezielt für die Memorisierung im Langzeitgedächtnis konzipiert ist.

Funktionsweise

Hinzufügen von Inhalten

Lerninhalte sind auf Karten abgelegt, die in thematischen Stapeln organisiert sind. Neben dem Import öffentlich zugänglicher oder eigener Dateien mit Kartenstapeln können auch Stapel selbst angelegt oder bestehende erweitert werden. Hierzu werden keine Karten angelegt, sondern Datenfelder ausgefüllt. In Anki werden verwandten, zusammengehörigen Informationen eine Notiz genannt und jeder Informationsteil ein Feld. Anki formatiert Lerninhalte anhand des Notiztyps und erstellt Karten, mit welchen anschließend gelernt werden kann. Dadurch ist es möglich, mehrere Karten mit den gleichen Feldern zu verbinden. Die Karten können außerdem mit Schlagwörtern markiert werden, um später nur einen Teil des Stapels wiederholen zu müssen.

Zum Sprachenlernen können die Lerninhalte (Fakten) z. B. wie folgt eingegeben werden:

Anschließend wird basierend auf einem Notiz-Typ eine Karte erstellt. Die Kartenvorlage arbeitet mit Platzhaltern und kann folgendermaßen aussehen:

Die Platzhalter werden danach durch die eingegebenen Inhalte ersetzt, wodurch eine Karte erzeugt wird. Diese hat nun das folgende Format:

gâteau
Kuchen
[Audio-Datei]

Es lassen sich gleichzeitig mehrere Notiz-Typen erstellen, um sofort mehrere Karten zu erstellen. Beispielsweise kann in einem anderen Modell das französische Wort oder nur die Audio-Datei auf der Vorderseite erscheinen.

Lernen und Abfragen

Im Lernmodus werden, wie bei vergleichbaren Programmen auch, Karten mit dem zu lernenden Begriff und der Erklärung gleichzeitig angezeigt. Bei der Abfrage von Wissen wird nur das zu beantwortende Muster angezeigt. Die Antwort kann aufgedeckt oder auf Wunsch auch eingegeben werden, sodass Anki diese mit der korrekten vergleichen kann. Bei beiden Modi kommt der spezielle Wiederholungsalgorithmus von Anki zum Einsatz. Bearbeitete Karten können markiert werden, um sie innerhalb der gleichen Sitzung oder nach einem bestimmten Intervall wiederholen zu lassen. Das Intervall richtet sich nach dem Schwierigkeitsgrad, mit dem sich der Benutzer den zu lernenden Fakt einprägen kann. Leicht einzuprägende Notizen werden nach einem längeren Zeitraum wiederholt, schwere nach einem kürzeren. Allerdings können mit Schlagwörtern markierte Themenbereiche ausgewählt werden (im obigen Beispiel „Essen“), um so mit einem Auswahlstapel gesondert zu lernen, oder bestimmte Themenbereiche kurzzeitig auszublenden. Beim Lernen oder Abfragen kann immer nur ein Stapel gleichzeitig genutzt werden. Der Nutzer kann für diesen aber unter anderem die pro Tag abzuarbeitende Menge an Karten bzw. die dafür zur Verfügung stehende Zeit selbst einstellen.

Merkmale

Erweiterungen (Add-ons)

Die Funktionalität des Programms kann durch Erweiterungen (Add-ons) angepasst werden. Diese werden durch Dritte programmiert und größtenteils kostenlos zur Verfügung gestellt. Mittlerweile existieren hunderte Erweiterungen. Populäre Add-ons ändern etwa das Erscheinungsbild des Programmes, generieren Lernkarten aus Bildern, bei denen einzelne Bildbestandteile erkannt werden müssen („image occlusion“), oder binden externe Dienste für maschinelle Übersetzung oder Sprachsynthese ein.

Wiederholungsmethode

Sinn der von Anki verwendeten Methode der verteilten Wiederholung (spaced repetition) ist es, Informationen aus dem Gedächtnis kurz vor deren Vergessen abzurufen und somit eine maximale Wirkung beim Training des Langzeitgedächtnisses zu erreichen. Anki nutzte ursprünglich den SuperMemo-5-Algorithmus (SM5), um die Wiederholungsintervalle für die Abfragen zu berechnen. Dieser Algorithmus erwies sich aber – laut den Angaben des Anki-Autors – als problematisch, da die Wiederholungsintervalle nicht unabhängig für jede einzelne Karte erzeugt werden. Stattdessen berücksichtigen die SuperMemo-Algorithmen ab Version SM3 Ähnlichkeiten zu anderen Lernkarten, was teilweise zu Ungereimtheiten führen kann (besonders wenn die Lernkarten unterschiedlich schwierig sind und nur unregelmäßig gelernt wird). Der Entwickler hat sich deshalb für einen verbesserten SM2-Algorithmus entschieden, der für SuperMemo in den späten 1980er Jahren implementiert wurde, welcher eine größere Flexibilität ermöglicht.

Mit der Version 23.10 (Oktober 2023) wurde mit dem Free Spaced Repetition Scheduler (FSRS) ein alternativer, optional nutzbarer Algorithmus in Anki integriert, mit dem die Anzeige von Lernkarten effizienter geplant wird.

Mobile Versionen

Es existieren mittlerweile mehrere Smartphone-Clients, mit denen Anki-Stapel auch unterwegs gelernt werden können.

Hierbei können die Lernkarten und Lernfortschritte in beide Richtungen über AnkiWeb mit Anki synchronisiert werden.

Mehrere namensähnliche Programme, darunter AnkiApp und AnkiPro, sind nicht mit Anki kompatibel.

AnkiDroid

AnkiDroid
Screenshot
AnkiDroid im Lernmodus
Basisdaten
Entwickler Nicolas Raoul
Erscheinungsjahr 5. Oktober 2006
Aktuelle Version 2.16.5
(6. September 2023)
Betriebssystem Android
Programmier­sprache Java
Kategorie Lernkartei
Lizenz GPL v3
deutschsprachig ja
github.com/ankidroid/Anki-Android

AnkiDroid ist eine kostenlose und quelloffene-Implementierung von Anki für das mobile Betriebssystem Android. Sie unterstützt die von Anki erstellten Dateien, die entweder mit AnkiWeb oder durch einfaches Kopieren der Anki-Datei auf das Smartphone synchronisiert werden können.

Die Software zeigt die Karten mit Bilder- und Audio-Unterstützung an und bietet auch die grundlegenden Funktionen zum Erstellen und Bearbeiten von Karten. Beim Hinzufügen neuer Notizen besteht die Möglichkeit, Bilder aus der Galerie einzufügen, sowie mit der Kamera Fotos aufzunehmen. Zudem lässt sich eine mithilfe des internen Mikrofons des Smartphones aufgezeichnete Aussprache direkt der Karte anfügen. Über einen erweiterten Editor lassen sich Wörter direkt übersetzen und die Aussprache eines Wortes als Audiodatei hinzufügen. Formatierungen werden angezeigt, können aber nicht bearbeitet werden (mit Ausnahme von direkter HTML-Schreibung).

Eine Besonderheit ist die Unterstützung von benutzerdefinierten Schriftarten. So muss man sich nicht auf die Android-Schriftarten verlassen, sondern kann auch jede beliebige Schriftart benutzen. Dies ist besonders nützlich, wenn man Sprachen lernen möchte, deren Schrift von Android noch nicht, oder nur unzureichend unterstützt wird.

Durch ein Whiteboard können durch einfaches Schreiben direkt Notizen auf dem Bildschirm gemacht werden. Dies bietet sich beispielsweise beim Erlernen chinesischer Schriftzeichen an. Außerdem kann, wie auch bei Anki, ein Eingabefeld für die Antwort benutzt werden, so dass Ankidroid die Antwort vergleichen kann.

Es besteht auch die Möglichkeit, sich die Karten in verschiedenen Sprachen beim Lernen mittels eines Text-to-Speech-Systems (TTS) vorlesen zu lassen. Hierzu kann die vorhandene Google-TTS-Engine verwendet werden. Sofern eine Sprache nicht vorhanden ist (wie z. B. Russisch in der Android-Version Ice Cream Sandwich), kann auch eine andere Text-To-Speech-Ausgabe wie z. B. SVOX Classic TTS verwendet werden.

Commons: Anki – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Damien Elmes: Happy birthday, Anki! 5. Oktober 2011 (englisch, abgerufen am 11. September 2013): “The oldest records I can find of Anki are from Oct 5 2006, making today Anki's 5th birthday.”
  2. 1 2 ichi2.net. (abgerufen am 22. November 2015).
  3. ↑ Release 26.09.3. 23. September 2026 (abgerufen am 24. September 2026).
  4. ↑ Anki Algorithm (Memento des Originals vom 29. Januar 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  5. ↑ Memory Reminder. (PDF; 1,6 MB) In: Ubuntu Users Magazine. Abgerufen am 24. September 2010 (englisch, Mnemosyne und Anki im Test).
  6. 1 2 Deutsche Anki Dokumentation. Ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 9. November 2014. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)
  7. ↑ Anki Manual. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 29. Januar 2013; abgerufen am 9. November 2014 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  8. 1 2 Anki Review. Abgerufen am 26. Mai 2010 (englisch).
  9. ↑ dsnopek/anki-sync-server. Abgerufen am 9. April 2017 (englisch).
  10. ↑ Ankiweb.net: Writing Anki Add-ons. Abgerufen am 4. September 2021.
  11. ↑ Ankiweb.net: Add-ons für Anki 2.1. Abgerufen am 4. September 2021.
  12. ↑ SM2 Algorithm
  13. ↑ Damien Elmes: Release 23.10 · ankitects/anki. In: github.com. 31. Oktober 2023, abgerufen am 31. Oktober 2023 (englisch).
  14. ↑ Junyao Ye (Jarrett Ye): How did I publish a paper in ACMKDD as an undergraduate? In: medium.com. 25. September 2022, abgerufen am 31. Oktober 2023 (englisch).
  15. ↑ AnkiDroid
  16. ↑ AnkiMobile (Memento des Originals vom 27. Dezember 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  17. ↑ How can I donate? - Frequently Asked Questions. Abgerufen am 20. Februar 2023.
  18. ↑ AnkiWeb
  19. ↑ Anki knockoffs - Frequently Asked Questions. In: faqs.ankiweb.net. Abgerufen am 1. Mai 2024 (englisch).
  20. ↑ AnkiDroid Documentation. Abgerufen am 3. Dezember 2015 (englisch).