
Ann A. Kiessling (* 29. März 1942 in Baker City, USA) ist eine US-amerikanische Chemikerin und Hochschullehrerin. Sie war bis 2012 als außerordentliche Professorin an der Harvard Medical School tätig und gründete die Bedford Stem Cell Research Foundation. Kiessling gilt international als führende Expertin in der Reproduktionsbiologie und Stammzellenforschung. Sie ist bekannt für die Entdeckung der Reversen Transkriptase in normalen menschlichen Zellen.
Kiessling ist die Tochter von William Charles Anderson, der im Zweiten Weltkrieg Staffelkapitän der US-Luftwaffe war. Sie besuchte die High School in Klamath Falls. Von 1960 bis 1962 studierte sie an der Georgetown University und anschließend bis 1964 an der University of Virginia, wo sie einen Abschluss in Krankenpflege erwarb. Mit ihrer Ausbildung finanzierte sie ihr weiteres Studium, das sie 1967 an der Central Washington University mit einem Bachelor- und einem Masterabschluss in Chemie abschloss. Im selben Jahr begann sie ihr Promotionsstudium an der Oregon State University. Sie forschte bei George Beaudreau, der eine Virusfamilie untersuchte, die Leukämie bei Hühnern verursacht. Als Mitglied von Beaudreaus Labor gehörte sie zu den ersten Wissenschaftlern, die die Existenz eines reversen Enzyms in dieser Virusfamilie nachwiesen. Sie promovierte 1971 mit der Dissertation: Nucleic Acid Polymerases Associated with Neoplasms.
Als Postdoktorandin forschte sie 1971 an der Associate School of Medicine, Division of Oncology der University of Washington in Seattle, von 1971 bis 1973 am Memorial Sloan-Kettering Institute for Cancer Research und anschließend bis 1976 am Department of Medicine der University of California in San Diego. Ab 1977 forschte sie als Assistenzprofessorin an der Oregon Health Sciences University und war dort von 1983 bis 1985 außerordentliche Professorin für Geburtshilfe und Gynäkologie. Danach war sie bis 1990 außerordentliche Professorin für Geburtshilfe, Gynäkologie und Reproduktionsbiologie an der Harvard Medical School und wurde dort 1990 außerordentliche Professorin für Chirurgie. 1996 gründete sie die Bedford Stem Cell Research Foundation.
Als Postdoktorandin forschte Kiessling weiter zum Zusammenhang zwischen Viren und Krebs und entdeckte 1979, dass Reverse-Viren in normalen menschlichen Zellen vorkommen, während man zuvor angenommen hatte, dass sie nur in Retroviren existieren. In dieser Forschungsrichtung vertiefte Kiessling ihr Interesse und begann, menschliche Eizellen und Embryonen im frühen Entwicklungsstadium zu untersuchen. Dieses Interesse führte sie schließlich zur Arbeit mit menschlichen Stammzellen.
Anfang der 1990er-Jahre leistete Kiessling Pionierarbeit auf dem Gebiet der reproduktionsmedizinischen Möglichkeiten für HIV-positive Paare. Diese Techniken führten 1996 zur Gründung der Bedford Research Foundation, heute Bedford Stem Cell Research Foundation. 2000 begann die Bedford Stem Cell Research Foundation mit der Stammzellenforschung mit aktivierten, unbefruchteten menschlichen Eizellen. Als privat finanzierte Einrichtung kann die Bedford Stem Cell Research Foundation (BSCRF) neue Forschungsergebnisse schnell nutzen und Experimente durchführen, die mit öffentlichen Geldern nicht möglich wären. Die Forschung der BSCRF wird von einem Ethikbeirat, einem Prüfungsausschuss für Forschung am Menschen und einem Aufsichtsausschuss für embryonale Stammzellforschung überwacht. 2007 wurde das HIV-Programm mit dem Preis der American Society for Reproductive Medicine ausgezeichnet.
Kiessling gilt als international führende Expertin sowohl in der Reproduktionsbiologie als auch in der Stammzellenforschung. Zu den Forschungsschwerpunkten der Stiftung gehören unter anderem Experimente mit Stammzellen im Hinblick auf deren Potenzial zur Heilung von HIV und Rückenmarksverletzungen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kiessling, Ann |
| ALTERNATIVNAMEN | Kiessling, Ann A. |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanische Chemikerin und Hochschullehrerin |
| GEBURTSDATUM | 29. März 1942 |
| GEBURTSORT | Baker City, USA |