
Anna Felnhofer (* 1984 in Wien) ist eine österreichische Psychologin und Schriftstellerin.
Anna Felnhofer studierte ab 2003 Psychologie an der Universität Wien, das Studium schloss sie 2011 mit einer Diplomarbeit zum Thema Informed Consent bei Demenz als Magistra ab. Im Rahmen des Erasmus-Programmes verbrachte sie das Studienjahr 2007/08 an der Universität Warschau. 2015 promovierte sie an der Universität Wien mit der Dissertation Presence in virtual environments: examining the role of gender and emotion im Fach Klinische Psychologie zur Doktorin.
An der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der Medizinischen Universität Wien ist sie als Wissenschaftlerin und Klinische Psychologin tätig. 2019 gründete sie das Pediatric Virtual Reality Laboratory (PedVR-Lab), das sich mit der Erforschung des Erlebens und Verhaltens in virtuellen Realitäten (VR) beschäftigt und VR-basierte Interventionen für den Einsatz im klinischen Umfeld entwickelt, etwa zur Schmerz- und Stressreduktion bei Operationen und für die Therapie stressassoziierter Störungen. Außerdem beschäftigt sie sich mit der Prävention und Therapie problematischer Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen. 2026 habilitierte sie sich im Fach Medizinische Psychologie an der Medizinischen Universität Wien und erhielt die Venia legendi.
Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit veröffentlichte sie Erzählungen und Kurzprosa in literarischen Zeitschriften wie Podium, Sterz, Am Erker, Konzepte und Lichtungen. 2018 gelangte ihr Text Parallaxe auf die Shortlist des FM4-Wortlaut-Kurzgeschichtenwettbewerbs, 2020 belegte sie beim Emil-Breisach-Literaturpreis der Akademie Graz mit der Erzählung Quantenschaum den zweiten Platz. 2021 erhielt sie den mit 8.000 Euro dotierten Franz-Tumler-Literaturpreis für ihren im Luftschacht-Verlag veröffentlichten Debütroman Schnittbild, der sich mit Grenzüberschreitungen in der psychologischen Therapie beschäftigt. Schnittbild erhielt außerdem die Buchprämie der Stadt Wien und wurde für den Debütpreis des Österreichischen Buchpreises 2021 nominiert.
Auf Einladung von Brigitte Schwens-Harrant las sie 2023 im Rahmen der 47. Tage der deutschsprachigen Literatur ihren Text Fische fangen, für den sie mit dem Deutschlandfunkpreis ausgezeichnet wurde. Der Wettbewerbstext war ein Ausschnitt aus ihrem 2026 veröffentlichten Roman Prosopon.
Prosopon befasst sich mit dem Unfalltod eines siebenjährigen Kindes und der Schuld, Trauer und Verzweiflung seiner Eltern. Im Zentrum der Handlung stehen der von Prosopagnosie betroffene Vater Johann, sein Sohn Finn und die Mutter des Kindes, die während dessen langem Krankenhausaufenthalt das Kinderzimmer räumt und dabei die Lebensgeschichte ihres Mannes sowie die Vorgeschichte des Unfalls zu rekonstruieren versucht. Die kurze Erzählgegenwart ist dabei mit Johanns über mehrere Jahrzehnte reichender Lebensgeschichte verschachtelt, wobei die Vermutungen und alternativen Deutungen der Mutter die Grenzen ihrer Kenntnis kenntlich machen. Der griechische Titel bezeichnet sowohl Antlitz als auch Maske und verweist auf die zentralen Motive des Erkennens, Wiedererkennens und Gesehenwerdens. Kirsten Voigt hob in der taz insbesondere die Spiegelstruktur des Romans, den Wechsel zwischen Nah- und Überblicksperspektiven sowie die Kombination psychologischer Analyse mit lyrischer Bildsprache hervor.
Der Roman gelangte im Mai 2026 auf Platz zehn der ORF-Bestenliste und auf Platz vier der SWR-Bestenliste. Im Juni und Juli 2026 wurde er auf Platz eins der ORF-Bestenliste gewählt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Felnhofer, Anna |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichische Psychologin und Schriftstellerin |
| GEBURTSDATUM | 1984 |
| GEBURTSORT | Wien |