Anna Kim

Anna Kim (2022)
Anna Kim liest aus Die gefrorene Zeit (Wien, 2008)

Anna Kim (* 10. September 1977 in Daejeon/Südkorea) ist eine österreichische Schriftstellerin.

Leben

Anna Kim kam 1979 nach Westdeutschland. Zunächst lebte sie in Braunschweig und Gießen, ab 1984 in Wien, wo sie das Gymnasium Wenzgasse besuchte. Von 1995 bis 2000 studierte sie an der Universität Wien Philosophie und Theaterwissenschaft; dieses Studium schloss sie mit dem Magistergrad ab. Von 2000 bis 2002 lebte sie in London und Cambridge, danach kehrte sie nach Wien zurück.

Kim ist Verfasserin von erzählender Prosa und Gedichten. Sie veröffentlichte ihre Arbeiten ab 1999 in verschiedenen Literaturzeitschriften wie unter anderem manuskripte, Zwischenwelt und VOLLTEXT. Ihr erster Roman, Die Bilderspur, erschien 2004.

Seit 2000 ist sie Mitglied der Grazer Autorenversammlung. 2004 erhielt sie ein Wiener Autorenstipendium. 2005 nahm sie am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil.

Mit Die gefrorene Zeit erschien 2008 ihr zweiter Roman. Vor dem Hintergrund des ungeklärten Schicksals der rund 30.000 nach den Jugoslawienkriegen als vermisst registrierten Menschen erzählt sie darin die Geschichte der Suche eines Kosovaren nach seiner verschwundenen Frau. Dabei schildert sie auch einerseits den Alltag in der immer noch konfliktreichen Region des albanisch-kosovarisch-serbischen Grenzgebietes, anderseits gibt sie auch Einblick in die Arbeit der Archäologen und Forensiker, die sich um die Identifizierung der gefundenen Toten bemühen, und der Mitarbeiter des Roten Kreuzes, die mit ihren Fragebögen die „Ante-Mortem-Daten“ der Verschwundenen zusammentragen.

Im Rahmen des von elf österreichischen literarischen Einrichtungen organisierten Projektes mitSprache unterwegs bereiste Anna Kim 2009/2010 Grönland und verfasste die literarische Reportage Die Invasion des Privaten um den Themenkreis Postkolonialismus und Identität in Grönland. 2012 erschien der Roman Anatomie einer Nacht, der ebenfalls die Lebenssituation der Menschen in Grönland aufgreift.

Anfang 2017 erschien ihr Roman Die große Heimkehr. Im gleichen Jahr folgte ihr Prosaband Fingerpflanzen, der in Zusammenarbeit mit dem norwegischen Künstler Kristian Evju entstand.

Mit ihrem Roman Geschichte eines Kindes wurde sie 2022 sowohl für den Deutschen Buchpreis als auch für den Österreichischen Buchpreis nominiert.

Im Oktober 2024 erschien im Rahmen einer literaturwissenschaftlichen Analyse der Wirksamkeit von Literatur in der Gesellschaft eine Habilitationsschrift von Privatdozentin Wiebke Sievers (Europa-Universität Viadrina). Am Beispiel von Vladimir Vertlib, Dimitré Dinev, Julya Rabinowich und Anna Kim wird gezeigt, wie Literatur als Medium der Ausgrenzung und zugleich des Widerstands dagegen gesellschaftliche Entwicklungen beeinflussen kann.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

Commons: Anna Kim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Anna Kim: Die große Heimkehr. Berlin 2017, Klappentext hinten und suhrkamp.de abgerufen am 29. Juni 2017.
  2. ↑ mitSprache unterwegs: Reiseprojekt Anna Kim: Kolonialismus und Identität – Kolonialismus in Grönland (Memento vom 1. Juli 2011 im Internet Archive)
  3. ↑ Der Standard: Interview: „Wir lassen uns gerne täuschen“. 7. September 2012.
  4. 1 2 Daniela Strigl: Der Hase, der kein Hasenkostüm braucht. In: Falter. Nr. 11, 2017, S. 21.
  5. 1 2 Drei österreichische Chancen auf den Deutschen Buchpreis. In: Salzburger Nachrichten/APA. 23. August 2022, abgerufen am 23. August 2022.
  6. 1 2 Die Shortlist 2022. In: Österreichischer Buchpreis. 11. Oktober 2022, abgerufen am 23. April 2025.
  7. ↑ Wiebke Sievers: Postmigrantische Literaturgeschichte - von der Ausgrenzung bis zum Kampf um gesellschaftliche Veränderung (Open-Access-Zugang), transcript Verlag, 31. Oktober 2024, ISBN 978-3837672435, abgerufen am 1. April 2025
  8. ↑ droschl.com abgerufen am 29. Juni 2017.
  9. ↑ «Für mich gibt es Geschichten, die einfach erzählt werden müssen». In: Tagesanzeiger. Der Landbote, 10. September 2017, abgerufen am 23. April 2025 (Bezahlartikel).
  10. ↑ Veza-Canetti-Preis 2023 geht an Wiener Autorin Anna Kim. In: buecher.at. Hauptverband des österreichischen Buchhandels, 24. Juli 2023, abgerufen am 23. April 2025.
  11. ↑ Carsten Hueck: Anna Kim: „Geschichte eines Kindes“ - Ein Leben lang fremd. In: deutschlandfunkkultur.de. Deutschlandradio, 15. August 2022, abgerufen am 2. Januar 2026.
Personendaten
NAME Kim, Anna
KURZBESCHREIBUNG österreichische Schriftstellerin
GEBURTSDATUM 10. September 1977
GEBURTSORT Daejeon, Südkorea