Anne Winterer

Anne Emilie Winterer (* 21. September 1894 in Konstanz; † 17. August 1938 in Berlin) war eine deutsche Fotografin.

Leben

Die Eltern von Anne Winterer waren der Kunstgärtner Heinrich Winterer und seine Frau Anna Rosina, geborene Reiser. Anne war das dritte von fünf Kindern.

Nach ihrer Schulzeit begann sie 1912 eine Lehre bei dem Konstanzer Fotografen Hübner, die sie am 14. April 1915 mit der Gesellenprüfung abschloss. Im August 1915 ging sie nach Düsseldorf. In Emil Lichtenbergs „Atelier für photographische Bildnisse“ spezialisierte sie sich auf technische, industrielle und Architekturaufnahmen. 1917 wechselte sie ins „Photographische Atelier Constantin Luck“, wo sie sämtliche Porträtaufnahmen, besonders von Kindern, machte.

1924 lernte Winterer die elf Jahre jüngere Erna Hehmke aus Breslau kennen. Ein Jahr später zog Hehmke nach Düsseldorf. In der gemeinsamen neu gegründeten „Lichtbildwerkstatt Hehmke-Winterer“ bildete Winterer Hehmke als Fotografin aus. Anlässlich der „Großen Ausstellung Düsseldorf 1926 für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen“ (GeSoLei) wurde „Hehmke-Winterer“ in der Kategorie wissenschaftliche Aussteller mit einer Goldenen Medaille der Stadt Düsseldorf ausgezeichnet. 1935 verließ Anne Winterer Düsseldorf und die gemeinsame Lichtbildwerkstatt und richtete in Konstanz ein neues Atelier ein. Die nunmehr verheiratete Erna Wagner-Hehmke führte das Atelier unter dem eingeführten Namen Hehmke-Winterer weiter.

In den drei Jahren bis zu ihrem Tod unternahm Winterer mehrere Fotoreisen und lieferte die Unternehmensfotos für Firmenfestschriften ihrer Auftraggeber.

Winterer starb am 17. August 1938 in einem Krankenhaus in Berlin an Krebs.

Anne Winterer während der Zeit des Nationalsozialismus

Anfang der 1930er Jahre wurden Fotografien von Anne Winterer regelmäßig veröffentlicht. Um weiterhin als Pressefotografin tätig sein zu können, trat Anne Winterer 1933 dem Reichsverband Deutscher Bildberichterstatter bei. Im Zuge der nationalsozialistischen Indienstnahme der Industrie wie auch der Pressefotografie wurden die Fotografien der Lichtbildwerkstatt Hehmke-Winterer auch zu propagandistischen Zwecken eingesetzt. Eine Charakterisierung der NS-Fotografie im Sinne einer stilistischen Einheit ist nicht möglich. Vielmehr wurde auf diverse fotografische Darstellungsformen und Sujets zurückgegriffen und diese in den Dienst nationalsozialistischer Bildpolitik gestellt. Dementsprechend wird auch bei Anne Winterer nicht von nationalsozialistischer Fotografie gesprochen, sondern auf ihrem Gebrauch in nationalsozialistischen Kontexten hingewiesen: In dem 1935 erschienenen Buch „Industrievolk an der Ruhr. Aus der Werkstatt von Kohle und Eisen“ wird die Leistungskraft der rheinisch-westfälischen Industriegebiete unter nationalsozialistischer Flagge dargestellt. Einundsiebzig der rund einhundert vom Herausgeber ausgewählten Fotografien stammen aus der Lichtbildwerkstatt Hehmke-Winterer. Stilistisch entsprechen die Publikation und die in ihr veröffentlichten Fotografien weitgehend einer modernen Fotobuchgestaltung im Sinne des Neues Sehens. Neben Industrieaufnahmen mit monumentaler Wirkung finden sich idyllische Heimatmotive. Eine Aufnahme von Anne Winterer wurde nach ihrem Tod für die SS-Schrift Der Untermensch verwendet. Ob die Fotografien von der Familie verkauft wurden oder ob frühere verkaufte Nutzungsrechte dies ermöglichten, bleibt ungeklärt.

Werk

Veröffentlichungen von Hehmke-Winterer mit Fotografien, die Anne Winterer zugerechnet werden können

Veröffentlichungen von Anne Winterer

Veröffentlichungen mit Fotografien von Anne Winterer, erschienen nach ihrem Tod

Fotografien in öffentlichen Sammlungen

Zahlreiche Fotografien von Anne Winterer gelangten zu Beginn der 2000er Jahre auf Vermittlung des Dortmunder Historikers Matthias Dudde in das Rheinische Industriemuseum (heute LVR-Industriemuseum). Die heute über 900 Fotografien umfassen hauptsächlich den Teil des Werkes, der im Rheinland und im Ruhrgebiet entstanden ist. Hauptsächlich handelt es sich dabei um Positivabzüge in einem leicht rechteckigen Hoch- oder Querformat von ungefähr 18 × 20 cm sowie um einige wenige Negative und Glasplatten. Ein weiterer Teil ihres Fotoarchivs mit anderen Schwerpunkten sowie persönlichen Dokumente befinden sich im Stadtarchiv Konstanz.

Fotografien aus dem Nachlass Anne Winterer im LVR-Industriemuseum

Ausstellungen

Literatur

Commons: Anne Winterer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Fotografinnen der frühen Moderne im Rheinland Anne Winterer (1894-1938). In: Frauen-Kultur-Archiv. Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, abgerufen am 28. März 2026.
  2. ↑ Matthias Dudde: Die Fotografin Anne Winterer (1894–1938). Von Düsseldorf an den Bodensee. In: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. Band 135, 2017, S. 237–257, hier S. 243.
  3. ↑ Rolf Sachsse: Kontinuitäten, Brüche und Mißverständnisse. Bauhaus-Photographie in den dreißiger Jahren. In: Nerdinger, Winfried (Hrsg.): Bauhaus-Moderne im Nationalsozialismus. Zwischen Anbiederung und Verfolgung. München 1993, S. 64–84.
  4. ↑ Nathalie Dimic: Chronistin des Rheinlands und des Ruhrgebiets. In: LVR-Industriemuseum (Hrsg.): Anne Winterer: Rheinland und Ruhrgebiet im Blick. Fotografie der 1920er und 1930er Jahre. Katalog zur Sonderausstellung, 28.06.2024 – 22.06.2025. LVR-Industriemuseum St. Antony-Hütte. Oberhausen 2024, ISBN 978-3-945060-13-1, S. 18–25.
  5. ↑ Der Untermensch. (PDF) Abgerufen am 30. Oktober 2021.
  6. ↑ Matthias Dudde: Die Lichtbildnerin Anne Winterer aus Konstanz. In: LVR-Industriemuseum (Hrsg.): Anne Winterer: Rheinland und Ruhrgebiet im Blick. Fotografie der 1920er und 1930er Jahre. Katalog zur Sonderausstellung, 28.06.2024 – 22.06.2025. LVR-Industriemuseum St. Antony-Hütte. Oberhausen 2024, ISBN 978-3-945060-13-1, S. 10–17, hier S. 13.
  7. ↑ LVR-Industriemuseum (Hrsg.): Anne Winterer: Rheinland und Ruhrgebiet im Blick. Fotografie der 1920er und 1930er Jahre. Katalog zur Sonderausstellung, 28.06.2024 - 22.06.2025. LVR-Industriemuseum St. Antony-Hütte, Oberhausen 2024, ISBN 978-3-945060-13-1, S. 8.
  8. ↑ LVR-Industriemuseum: Ausstellung "Anne Winterer – Rheinland und Ruhrgebiet im Blick. Fotografie der 1920er und 1930er Jahre ". Archiviert vom Original am 30. März 2026; abgerufen am 30. März 2026.
Personendaten
NAME Winterer, Anne
ALTERNATIVNAMEN Winterer, Anne Emilie (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutsche Fotografin
GEBURTSDATUM 21. September 1894
GEBURTSORT Konstanz
STERBEDATUM 17. August 1938
STERBEORT Berlin