Nach einer Keramiklehre von 1964 bis 1966 begann Annette Merkenthaler 1966/67 ihr Studium an der École des Arts Décoratifs in Genf, Schweiz. Von 1968 bis 1970 arbeitete sie in Keramikwerkstätten in Genf und Mexiko. 1978–1983 hatte sie einen Lehrauftrag der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Seit 1978 zeigt sie Ausstellungen mit Skulpturen aus Keramik und Beton, seit 1987 realisiert sie Kunst im öffentlichen Raum und raumgreifende, meist temporäre Installationen in der Landschaft. 1994, nach einem Stipendium in den USA, kam das Medium Fotografie hinzu, zuerst als Mittel zur Dokumentation der Installationen, später als eigenständige, fotografische Arbeit. Künstlerresidenzen und Aufenthaltsstipendien führten sie nach Frankreich, Estland, USA, Kanada und Mexiko.
Annette Merkenthaler engagierte sich im 1975 gegründeten BBK-Künstlerwerkstatt im Haus an der Mehlwaage. 1995–1998 war sie Mitglied in der Kunstkommission (Kunst am Bau) der Oberfinanzdirektion Südbaden, 1998 wurde sie in den Künstlerbund Baden-Württemberg aufgenommen. Sie ist langjähriges, aktives Mitglied im Kunstverein Freiburg und war 2021–2024 im Aufsichtsrat des E-Werk Freiburg. 2022 wurde sie mit dem Reinhold-Schneider-Ehrenpreis für ihr bisheriges Lebenswerk von der Stadt Freiburg ausgezeichnet. Seit 2023 ist sie im Beirat für Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Freiburg. 2025 wurde ihr von dem Freundeskreis des Künstlerbundes Baden-Württemberg der Erich-Heckel-Preis für ihr Lebenswerk verliehen.
Werk
Annette Merkenthalers Praxis vereint Fotografie, Installation, und Objekte aus Keramik und Beton. Ausgangspunkt und Grundthemen ihrer Arbeiten sind die Zeit und in weitem Sinn die Landschaft.
Im Zusammenspiel der unterschiedlichen Medien schuf sie in den letzten Jahrzehnten ein facettenreiches Werk, das von Offenheit und Experimentierlust, wie auch von künstlerischer Stringenz gekennzeichnet ist. Ihre künstlerische Praxis bewegt sich zwischen Natur und Kultur, Wildwuchs und Gestaltung, Illusion und Realität – vermeintliche Gegensätze, deren Polarität in ihrer Arbeit zugleich in Frage gestellt werden.
Der experimenteller Umgang mit Keramik wird durch Fotografie und raumgreifende Installationen erweitert und fortgesetzt. Bevorzugte Orte ihrer Projekte sind der öffentliche Raum in der Stadt und in der Natur-Landschaft. Ein wiederkehrendes Motiv ist der Garten als eine Kulturlandschaft, in der Gemachtes und Gewachsenes aufeinandertreffen und ineinander übergehen. Sie ist Beobachterin von Zeit in den natürlichen Vorgängen wie Tagesabläufen und Jahreszeiten, vom Einfluss des Wetters oder vom Wachstum und Verfall der Vegetation vor Ort in ihren Installationen.
2020 mitten, zusammen, mit Anna Schütten, Installation Fotografie und Malerei, AKKU, Künstlerbund Baden-Württemberg, Stuttgart
2025 zusammen im Raum, mit Martin Pöll, Erich Heckel-Preis 2025, AKKU, Künstlerbund Baden-Württemberg, Stuttgart
2026 Anti Heroes. Jakob Collection, Villa Merkel, Esslingen am Neckar
Literatur
Detrás de los Jardines - Hinter den Gärten, Mexico 1996/2005/2008/2009 mit Texten von Dr. Gudrun Selz, Humberto Chávez Mayol, modo Verlag 2009. ISBN 978-3-86833-034-2
Toujours à nouveau – au bord du Fleuve - Immer wieder aufs Neue – am Strom - Along the Banks – a state of flux, mit Texten von Catherine Bierling, Pierre Bourgault, Daniel Danis, Jean-Pierre Dubé, Natalie Lafortune und Francine Larivée, modo Verlag 2011. ISBN 978-3-86833-087-8
und sehen wie das Gras wächst – and seehow the grass grows, mit Texten von Volker Bauermeister, Manuel Karopka, Michel Métayer, Hanns Zischler, modo Verlag, 2016. ISBN 978-3-86833-184-4
Ortswechsel, Auflage 200, signiert, mit Texten von Helene Bukowski und Julia Galandi-Pascual, modo Verlag 2021.