Annette Wehrmann (* 10. Juni 1961 in Hamburg; † Mai 2010, ebenda) war eine deutsche Konzeptkünstlerin und Autorin.
Annette Wehrmann studierte von 1985 bis 1993 Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und an der Frankfurter Städelschule Frankfurt. Ihr Diplom machte sie bei Stanley Brouwn. Sie erhielt 1994 ein Arbeitsstipendium für Bildende Kunst der Stadt Hamburg, 2007 das Arbeitsstipendium Stiftung Kunstfonds (Bonn) und war 2007 Artist in Residence im Wiener quartier21.
Die „Sprengungen“ (1993), die als Aktionen im öffentlichen Raum in Hamburg stattfanden, gehören zu ihren bekanntesten Arbeiten. Ihre Fotoserie zu diesem Projekt ist nicht nur eine Dokumentation, sondern bildet auch einen eigenen Werkkomplex. Wehrmann nahm in den 1990er Jahren an der Politisierung der Kunst teil, interessierte sich für Formen der Selbstorganisation und betrieb diese auch. Sie arbeitete letztlich als Einzelperson, stand aber immer im Austausch mit vielen Gruppierungen.
Wehrmann starb während der Vorbereitungen für die Ausstellung „Hacking the City“ des Essener Museum Folkwang. Sie wurde am 20. Mai 2010 von Freunden in ihrer Wohnung aufgefunden, das genaue Datum ihres Todes ist nicht bekannt.
Wehrmann entwickelte eine Position zwischen Skulptur und Intervention, die kunsthistorisch unter Konzeptkunst, Aktionskunst und Situationistischer Internationale subsumiert wird.
Für die Bundesgartenschau 2001 in Potsdam transformierte Wehrmann einen sowjetischen Militärwachturm in einen Spiegelpavillon („Der Turm“). „Das Konzept der BUGA sah vor, dass die Geschichte dieses Ortes nicht ganz und gar verleugnet wird. Ich habe einen dieser alten Wachtürme von innen entkernt, also die Aussichtsplattform und die nach oben führende Treppe entfernt, und in eine Art Spiegelkabinett verwandelt. Die Funktion war eigentlich umgekehrt: Ganz klassisch nach Foucault, hab ich den überwachenden Blick umgekehrt. Es entstand ein illusionär unendlicher Raum, wo die Grenzen nicht mehr erkennbar sind, wo vier bzw. fünf Spiegelwände ineinander spiegeln. Das ergab einen endlosen Raum, der eigentlich nur zwei Mal zwei Meter Grundfläche hatte“.
Neben ihren Texten zur Kunst verfasste Wehrmann auch literarische Texte. Mit ihren Lesungen von auf Luftschlangen niedergeschriebenen Texten, in denen sie Alltagsbeobachtungen mit philosophischen und ästhetischen Fragestellungen verknüpft, schuf sie eine Art Visuelle Poesie in der dritten Dimension. Mit dem Projekt „Ort des Gegen“ begab sich die Künstlerin auf die Suche nach Leerstellen im weitgehend definierten öffentlichen Raum, die mit eigenen Versionen eines persönlichen Widerstands aufgeladen werden können. „Der ‘Ort des Gegen’ bezeichnet eine Bruchstelle für zweckfreie Negation, insbesondere für ein zweckfreies Vergehen von Zeit, materialisiert in der Zunahme/Anhäufung von Abfall.“
Ihre Installation „Aaspa“ wurde für die Skulptur Projekte 2007 in Münster konzipiert. Wehrmann sperrte das Ufer des Aasees, um dort eine Baustelle einzurichten.
2011 gründete sich in Hamburg der „Ort des Gegen“ zur Rettung und Bewahrung des künstlerischen Nachlasses von Annette Wehrmann. Die Mitglieder des Vereins sind Künstler und Autoren, die zu ihrem zum Freundeskreis gehörten oder mit ihr zusammengearbeitet haben.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wehrmann, Annette |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Künstlerin und Autorin |
| GEBURTSDATUM | 10. Juni 1961 |
| GEBURTSORT | Hamburg |
| STERBEDATUM | Mai 2010 |
| STERBEORT | Hamburg |