Anny Wothe

Anny Wothe

Anna Auguste Elise Wothe, auch Anny Mahn und Anny Wothe-Mahn (* 30. Januar 1858 in Berlin; † 30. Juli 1919 in Leipzig) war eine deutsche Schriftstellerin, Redakteurin, Herausgeberin und Journalistin.

Leben

Anny Wothe wurde als Tochter des Schuhmachermeisters und Kirchendieners an der Berliner St. Marienkirche Heinrich Rudolph Wilhelm Wothe (* 16. Mai 1830 in Naugard; † 10. November 1890 in Berlin) und dessen Ehefrau Pauline Friederike Charlotte, geborene Strahl (* 12. September 1828 in Neu Zittau; † 30. Dezember 1908 in Berlin), in einfache Verhältnisse hineingeboren. Von ihren Geschwistern erreichte nur ihr Bruder Georg Paul Wothe (* 14. Februar 1859 in Berlin; † 19. September 1914 in Berlin) das Erwachsenenalter.

Nach dem Besuch der königlichen Domschule musste sie, nachdem die Familie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war, durch Näharbeiten und Kinderbetreuung zu deren Erhalt beitragen. Erste Aufsätze entstanden für das von Bethel Henry Strousberg gegründete Das kleine Journal.

1881 übersiedelte Wothe nach Leipzig, wo sie bei einem kaufmännischen Verlag eine Anstellung erhielt und nebenher schriftstellerisch tätig war. 1882 gründete sie die Frauenzeitschrift Deutsche Frauenblätter, die sie bis 1885 redigierte und herausgab.

Nach dem Verkauf ihres erfolgreichen Blattes heiratete sie am 19. Dezember 1885 den Leipziger Verlagsbuchhändler Adolf Mahn (1855–1915). Mit ihrem Ehemann gründete sie 1887 die Wochenzeitung Von Haus zu Haus, deren Redaktion sie, gemeinsam mit ihrer Freundin Elise Neumann, bis 1906 innehatte.

Hauptsächlich war Anny Wothe seit den 1880er Jahren als sehr produktive und erfolgreiche Verfasserin von Unterhaltungsliteratur tätig. Bis 1911 waren bereits 40 Romane und Novellen, die zuvor in annähernd 1200 Zeitungen und Zeitschriften als ganze Serien und in verschiedenen Sprachen veröffentlicht wurden, erschienen. Darüber hinaus gab sie pädagogische Lehrbücher, Reiseführer und Ratgeberliteratur heraus und setzte sich, beispielsweise durch kostenlose Veröffentlichungen von Stellenanzeigen und entsprechende Artikel, in ihrer Wochenzeitung für Frauenbildung und Frauenrechte ein. Sie selbst beschäftigte zeitweise bis zu vier Sekretärinnen. 1886 erschien ihre Schrift Das Gift dieser Zeit, mit der sie die schlechte Entlohnung von Frauen anprangerte.

Anny Wothe und ihr Mann führten in Leipzig einen literarischen Salon, wodurch sie eine bedeutende Rolle im gesellschaftlichen Leben der Stadt spielten.

Während des Ersten Weltkrieges schrieb sie "triviale Durchhalte-Literatur", mit der sie eine beachtliche Auflagenhöhe erzielte.

Anny Wothe starb kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges im 62. Lebensjahr. Sie wurde neben ihrem Mann auf dem Leipziger Südfriedhof bestattet. Das Grab ist nicht erhalten. Die Veröffentlichung ihrer Werke in Nachdrucken setzt sich bis in die Gegenwart fort.

Mitgliedschaften

Werke

Herausgeberschaft

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Sämtliche Personenstandsurkunden digital einsehbar auf Ancestry.
  2. ↑ Der Ehe entstammte eine Tochter: Helga Gusti Pauline Elise Mahn (* 26. Februar 1889 in Leipzig; † 26. Oktober 1953 in Dresden), verheiratet in 1. Ehe mit dem Dresdner Stadtbaudirektor Edmund Andreas Wilhelm Hennig (* 2. Oktober 1864 in Berlin; † 5. Januar 1932 in Dresden), in 2. Ehe am 3. Februar 1934 mit dem Landwirt Martin Donald Raders (* 27. August 1885 in Dresden; † 4. Februar 1946 im Lager Subovo Poljana in russischer Kriegsgefangenschaft).
  3. ↑ Elise Auguste Neumann (* 8. August 1863 in Strasburg) wuchs mit ihren Geschwistern in Rostock auf, wo ihr Vater Gustav Friedrich Neumann als Kaufmann tätig war. Seit den 1880er Jahren war sie engste Freundin Anny Wothes und veröffentlichte in deren Zeitschriften Artikel unter dem Pseudonym Lisa von der Mark. Sie heiratete den Schriftsteller und Bibliothekar Paul Kühn. Ab 1909 bewohnten die Familien Wothe-Mahn und Kühn gemeinsam eine Villa in der Schönbachstraße 10 im Leipziger Stadtteil Stötteritz, in der sich auch die Verlagsräume befanden.
  4. ↑ Arbeiter-Zeitung, Wien, Nr. 108, 18. April 1916 (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) (PDF; 1,4 MB); abgerufen am 27. Januar 2024.
  5. ↑ Nur ein Exemplar nachweisbar im Antiquariatshandel
Personendaten
NAME Wothe, Anny
ALTERNATIVNAMEN Mahn, Anny; Wothe-Mahn, Anny (vollständiger Name); Wothe, Anny Auguste Elise (Geburtsname)
KURZBESCHREIBUNG deutsche Schriftstellerin und Journalistin
GEBURTSDATUM 30. Januar 1858
GEBURTSORT Berlin
STERBEDATUM 30. Juli 1919
STERBEORT Leipzig