Anohni and the Johnsons

Anohni (2008, damals Antony Hegarty)

Anohni and the Johnsons (vormals Antony and the Johnsons) ist eine US-amerikanische Band aus New York, bekannt geworden durch die transgeschlechtliche Sängerin, Liederschreiberin und Pianistin Anohni. Anohni, die künstlerisch mit verschiedenen Medien arbeitet und sich außerdem für die Rechte von Minderheiten engagiert, wurde zu einem Vorbild der Trans-Bewegung.

Geschichte

Anohni Hegarty ist transgeschlechtlich, sie wurde 1971 in Chichester, Sussex (England) geboren. Sie zog mit ihren Eltern 1977 nach Amsterdam, bevor sich die Familie im darauffolgenden Jahr in Kalifornien niederließ. Als Teenager begeisterte sie sich für den zeitgenössischen britischen Synthiepop, insbesondere für so gefühlsgeladene Torch-Song-Interpreten wie Marc Almond und Boy George. Im Jahre 1990 zog sie nach Manhattan, wo sie mit Partnerin Johanna Constantine den künstlerischen Zusammenschluss der Blacklips gründete.

Als der britische Neofolk-Musiker David Tibet von Current 93 ein Demo zu hören bekam, bot er an, Hegartys Musik auf seinem Label Durtro zu veröffentlichen. Die erste Veröffentlichung war 2000 eine Split-CD mit je einem Song von Current 93 (Immortal Bird) und dem Track Cripple And The Starfish von Antony And The Johnsons. Kurz darauf erschien das Debüt-Album Antony and the Johnsons. Den Bandnamen bezog sie auf die New Yorker Trans-Aktivistin Marsha P. Johnson. 2001 folgte die EP I Fell in Love with a Dead Boy, die zusätzlich zum Titel-Track die Cover-Version eines Songs von David Lynch/Angelo Badalamenti und einen Song von Current 93 enthält.

Nachdem der Produzent Hal Willner die EP hörte und sie Lou Reed präsentierte, rekrutierte dieser Hegarty umgehend für sein Projekt The Raven. Im Zuge der fortan wachsenden Aufmerksamkeit verpflichtete Anohni sich bei dem US-amerikanischen Label Secretly Canadian. Dort erschien mit The Lake eine weitere EP, bei der Lou Reed auf einem der Tracks als Gast mitwirkt. Zudem veröffentlichte Secretly Canadian das Debüt-Album 2004 erneut, womit es ein breiteres Publikum erreichte. Das zweite Album mit voller Länge – I Am a Bird Now (2005) – wurde von Kritikern hochgelobt und unter anderem mit dem britischen Mercury Music Prize ausgezeichnet.

Im Jahr 2007 wurde der sentimentale Song Cripple and the Starfish in der ARD-Tatortfolge Dornröschens Rache verwendet.

Hegartys Stimme wurde mit der von Sängern und Sängerinnen wie Billie Holiday, Nina Simone und Otis Redding verglichen. Zahlreiche prominente Kollegen schätzen Anohnis Werk, darunter Philip Glass, Marc Almond, Lou Reed, Devendra Banhart und die auf I Am a Bird Now auftretenden Gastsänger Boy George und Rufus Wainwright.

Hegarty ist auf dem Album Volta (2007) von Björk als Gastsängerin zu hören. In zwei Liedern (The Dull Flame of Desire; My Juvenile) singen beide im Duett. 2008 sang Hegarty zusammen mit Herbert Grönemeyer den Song Will I Ever Learn? für dessen Best-of-Album Was muss muss ein. Außerdem wirkte sie 2008 beim Musik-Projekt Hercules and Love Affair mit. Am 19. Januar 2009 erschien das Album The Crying Light. Die erste Single Another World war vorab am 10. Oktober 2008 veröffentlicht worden. Das bereits Monate zuvor angekündigte Swanlights mit elf neuen Songs erschien am 10. Oktober 2010. Mit Fletta enthält es wiederum ein Duett mit Björk. Bereits im August 2010 erschien eine Vorläufer-EP, die vom aktuellen Album nur den Song Thank You for Your Love (auch als Video erhältlich) enthielt, außerdem eine Coverversion von Imagine. Der schwedische DJ Avicii produzierte für sein Debüt-Album True eine House-Version von Hope There's Someone. Den Text steuerte die schwedische Idol-Teilnehmerin Linnea Henriksson bei.

Seit 2015 nennt sie sich Anohni und produziert seitdem Musik unter diesem Namen. Am 6. Mai 2016 veröffentlichte Anohni das Album Hopelessness.

2016 wurde Anohni als erste Trans-Person für den renommierten Academy Award (Oscar) vorgeschlagen. Sie lehnte die Auszeichnung ab, unter anderem, weil ihr Song über den Klimawandel nicht akzeptiert wurde, und nahm nicht an der Preisverleihung teil.

2016 wurde Anohnis bildnerisches, malerisches und zeichnerisches Werk in der Kunsthalle Bielefeld erstmals ausgestellt.

Sie arbeitet auch mit Daniel Lopatin alias Oneohtrix Point Never zusammen.

Stil

Anohni 2008

Die Songs von Anohni and the Johnsons sind Balladen, die zumeist in kammermusikalischer Besetzung mit Klavier, Cello, Geigen und akustischen Gitarren eingespielt sind, wobei hin und wieder auch Schlagzeug und elektrischer Bass hinzukommen. Dominiert werden die Songs durch Anohnis Stimme mit fast kontinuierlich präsentem Vibrato. Die Songs sind durchgehend sehr melancholisch, erzählen von der Fremdheit in der Welt, von sehnsuchtsvollen Momenten der Liebe und von dem Wunsch, eine Andere und somit frei zu sein. Indirekt thematisiert Anohni hierin auch ihre Lebenssituation als transgeschlechtliche Person.

Diskografie

Studioalben

Jahr Titel
Musiklabel
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen
(Jahr, Titel, Musiklabel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmer­kungen
 DE  AT  CH  UK  US
2000 Antony and the Johnsons
Durtro / Cargo Records
— — — — —
Erstveröffentlichung: 8. Februar 2000
2005 I Am a Bird Now
Secretly Canadian / Rough Trade Records
— AT71
(1 Wo.)AT
— UK16
Gold
Gold

(17 Wo.)UK
—
Erstveröffentlichung: 1. Februar 2005
2009 The Crying Light
Secretly Canadian / Rough Trade Records
DE15
(5 Wo.)DE
AT21
(6 Wo.)AT
CH7
(7 Wo.)CH
UK18
(3 Wo.)UK
US65
(3 Wo.)US
Erstveröffentlichung: 19. Januar 2009
2010 Swanlights
Secretly Canadian / Rough Trade Records
DE29
(2 Wo.)DE
AT30
(3 Wo.)AT
CH32
(3 Wo.)CH
UK28
(2 Wo.)UK
US122
(1 Wo.)US
Erstveröffentlichung: 11. Oktober 2010
2016 Hopelessness
Secretly Canadian / Rough Trade Records
DE29
(2 Wo.)DE
AT28
(2 Wo.)AT
CH17
(3 Wo.)CH
UK26
(2 Wo.)UK
US121
(1 Wo.)US
Erstveröffentlichung: 6. Mai 2016
als Anohni
2023 My Back Was a Bridge for You to Cross
Secretly Canadian / Rough Trade Records
DE52
(1 Wo.)DE
— CH49
(2 Wo.)CH
— —
Erstveröffentlichung: 7. Juli 2023

Livealben

Jahr Titel
Musiklabel
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungenTemplate:Charttabelle/Wartung/ohne Quellen
(Jahr, Titel, Musiklabel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmer­kungen
 DE  AT  CH  UK
2012 Cut the World
Rough Trade
DE27
(2 Wo.)DE
AT24
(2 Wo.)AT
CH27
(3 Wo.)CH
UK41
(1 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: 7. August 2012

Weitere Livealben

Soundtracks

EPs

Jahr Titel
Musiklabel
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartsChartplatzierungenTemplate:Charttabelle/Wartung/ohne Quellen
(Jahr, Titel, Musiklabel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmer­kungen
 UK
2005 Hope There’s Someone
Secretly Canadian / Rough Trade Records
UK44
(5 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: 7. Juni 2005
You Are My Sister
Secretly Canadian / Rough Trade Records
UK39
(4 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: 25. Oktober 2005

Weitere EPs

Singles

Musikvideos

Gastauftritte

Auszeichnungen für Musikverkäufe

Goldene Schallplatte

  •  Norwegen
    • 2007: für das Album I Am a Bird Now

Anmerkung: Auszeichnungen in Ländern aus den Charttabellen bzw. Chartboxen sind in ebendiesen zu finden.

Land/RegionAus­zeich­nung­en für Mu­sik­ver­käu­fe
(Land/Region, Aus­zeich­nungen, Ver­käu­fe, Quel­len)
Gold Platin Ver­käu­fe Quel­len
 Norwegen (IFPI) Gold10! P—15.000ifpi.no
 Vereinigtes Königreich (BPI) Gold10! P—100.000bpi.co.uk
Insgesamt  2× Gold2 —

Literatur

Commons: Anohni and the Johnsons – Sammlung von Bildern

Quellen

  1. ↑ ANOHNI. MY TRUTH. Ausstellung in der Kunsthalle Bielefeld. Kulturstiftung des Bundes, abgerufen am 30. Oktober 2022.
  2. ↑ deutschlandfunk.de: Anohni alias Antony Hegarty - Transgender, Politik und Pop. Abgerufen am 30. Oktober 2022.
  3. ↑ deutschlandfunkkultur.de: "The Crying Light" von Antony and the Johnsons. Abgerufen am 30. Oktober 2022.
  4. ↑ Anohni, the artist once known as Antony Hegarty, on life beyond the Johnsons. In: The Guardian. 9. April 2016, abgerufen am 30. Oktober 2022 (englisch).
  5. ↑ Interview: Antony and the Johnsons. In: Velle. Abgerufen am 20. September 2016.
  6. ↑ Jon Pareles: Anohni: Embracing a New Name, and Sound. In: The New York Times. 21. April 2016, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 30. Oktober 2022]).
  7. ↑ Musik: Antony & The Johnsons - Bilder & Fotos - WELT. Abgerufen am 30. Oktober 2022.
  8. ↑ Martin Tege: Anohni live in der Elbphilharmonie mit yMusic aus New York: Nymphe in Weiß. In: FINK.HAMBURG. 19. April 2017, abgerufen am 30. Oktober 2022.
  9. ↑ Musik - Aus Antony wurde Anohni – die tieftraurige Stimme blieb. In: SRF - Kultur. 21. September 2016, abgerufen am 30. Oktober 2022.
  10. ↑ Westzeit - ANTONY & THE JOHNSONS. Abgerufen am 30. Oktober 2022.
  11. ↑ Antony & the Johnsons: Turning: A Musical Documentary, PopMatters. In: PopMatters. 12. November 2014, abgerufen am 30. Oktober 2022 (amerikanisches Englisch).
  12. ↑ Anohni, the artist once known as Antony Hegarty, on life beyond the Johnsons. The Guardian, 9. April 2016, abgerufen am 30. Oktober 2022 (englisch).
  13. ↑ deutschlandfunkkultur.de: "Hopelessness" von Anohni - Aggressiver und politischer als Antony. Abgerufen am 30. Oktober 2022.
  14. ↑ Anohni – laut.de – Band. Abgerufen am 30. Oktober 2022.
  15. ↑ Enrico Ippolito: Transgender-Musikerin Anohni: Neues Album "Hopelessness". In: Der Spiegel. 6. Mai 2016, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 30. Oktober 2022]).
  16. ↑ Tamara Marszalkowski: Album der Woche: Ein kuckuckseierlegender Phönix. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 30. Oktober 2022]).
  17. ↑ Oscars 2016: Anohni boycotts 'degrading' ceremony. The Guardian, 26. Februar 2016, abgerufen am 30. Oktober 2022 (englisch).
  18. ↑ David Ehrlich, David Ehrlich: Trans Nominee Anohni on Why She's Boycotting Oscars. In: Rolling Stone. 25. Februar 2016, abgerufen am 30. Oktober 2022 (amerikanisches Englisch).
  19. ↑ Carola Padtberg: "My Truth" von Anohni: Ausstellung in der Kunsthalle Bielefeld. In: Der Spiegel. 22. Juli 2016, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 30. Oktober 2022]).
  20. ↑ Der Himmel ist eine Vagina: Eindrucksvolle Ausstellung von Transgender-Ikone Anohni in Bielefeld. Abgerufen am 30. Oktober 2022.
  21. ↑ Anohni - My Truth. James Elaine - Peter Hujar - Kazuo Ohno. Kunsthalle Bielefeld, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 30. Oktober 2022; abgerufen am 30. Oktober 2022.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  22. ↑ deutschlandfunkkultur.de: Anohni-Ausstellung "My Truth" in Bielefeld - Wenn der Eisbär dreimal stirbt. Abgerufen am 30. Oktober 2022.
  23. ↑ Steffen Greiner: Neues Album von Oneohtrix Point Never: Technik sehnt sich nach Dummheit. In: Die Tageszeitung: taz. 1. Juni 2018, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 1. Juni 2018]).
  24. ↑ Anohni live in Berlin: Nur Frauen können die Welt retten. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 30. Oktober 2022]).
  25. ↑ Ulrich Stock: Anohni: Ihr sollt kein Bild von mir sehen. Zeit Online, 3. April 2017, abgerufen am 30. Oktober 2022.
  26. ↑ Sophie Jung: Neues Album von Anohni: Zerrissene Gegenwart. In: Die Tageszeitung: taz. 18. Mai 2016, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 30. Oktober 2022]).
  27. ↑ Konzertkritik: Antony & The Johnsons: Widerstand ist zwecklos. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 30. Oktober 2022]).
  28. 1 2 Chartquellen: DE AT CH UK US
  29. ↑ Auszeichnungen für Musikverkäufe: UK
  30. ↑ Dean Mayo Davies: Andy Butler & Anohni In Conversation. Anothermag.com, 16. Juni 2022, abgerufen am 22. Juni 2022 (englisch).