
Das Anschlussdenkmal ist ein in der Zeit des Nationalsozialismus errichtetes Bauwerk in der Gemeinde Oberschützen im Südburgenland. Es wurde 1938/39 zur Ehrung des „Anschlusses“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich errichtet.
Der erhaltene Baukörper ohne die nationalsozialistische Ausstattung wurde und wird zunehmend kontextualisiert und als Erinnerungsort gestaltet.
Oberschützen war Anfang der 1930er Jahre das Zentrum der „Alten Kämpfer“ der illegalen NSDAP des Burgenlandes. Bereits 1930 wurde hier eine Ortsgruppe der Hitlerjugend gegründet, 1931 eine Ortsgruppe der NSDAP.
1931 wurde in Oberschützen bereits ein deutschnationales „kleines“ Anschlussdenkmal errichtet. Es wurde am 21. Juni 1931 zum zehnjährigen Jubiläum der Landnahme des Burgenlandes enthüllt. Das Denkmal war als „altgermanischer Opferstein“ mit dem Schriftzug „Deutsch allezeit“ gestaltet und sollte auch dem Wunsch Ausdruck verleihen, „dieses deutsche Land mit seinem Mutterlande zu einem mächtigen grossen Deutschen Reich vereinigt zu sehen“. Das kleine Anschlussdenkmal steht an der Straße nach Jormannsdorf.
Ähnliche Denkmäler wurden zur selben Zeit im ganzen Burgenland errichtet, etwa in Kobersdorf, St. Margarethen, Heiligenkreuz im Lafnitztal und Eisenstadt.
Das neue Anschlussdenkmal wurde auf einer Anhöhe südlich von Oberschützen errichtet. Das Areal stellten mehrere Oberschützer zur Verfügung. Der Bau wurde von der NSDAP-Ortsgruppe Oberschützen und den lokalen Schulanstalten forciert. Die Schirmherrschaft darüber hatte der Gauleiterstellvertreter der Steiermark Tobias Portschy (1906–1996).
Der erste Spatenstich erfolgte am 7. Oktober 1938 durch den Oberwarter Kreisleiter Eduard Nicka (1911–1972) in Anwesenheit Portschys. Der Bau geschah unter Mitarbeit der Bevölkerung, insbesondere Jugendlicher. Bei der feierlichen Einweihung durch den Gauleiter Sigfried Uiberreither am 20. Mai 1939 waren zahlreiche hohe NS-Funktionäre anwesend.

Der Entwurf des Denkmals stammte von dem Grazer Architekten Rudolf Hofer (1894–1956), der auch schon am „kleinen Anschlussdenkmal“ mitgewirkt hatte. Er nahm bei der Gestaltung Anlehnung an das deutsche „Tannenberg-Denkmal“.
Das Anschlussdenkmal wurde als viereckiger Säulenhof von acht Metern Höhe und zwölf Metern Breite konzipiert. Im Inneren befanden sich acht Pylonen mit Feuerschalen; in der Mitte des Denkmals thronte ein vergoldeter steinerner Hoheitsadler, gestaltet von Hans Adametz, über einem Hakenkreuz auf einem Sockel. Die Inschrift lautete „Ein Volk! Ein Reich! Ein Führer!“ Das Baumaterial stammte aus Steinbrüchen im Ortsteil Sulzriegel der Gemeinde Bad Tatzmannsdorf. Um das Denkmal wurde ein Aufmarschgelände mit Appellplatz geschaffen.
In der Zeit des Nationalsozialismus fanden verschiedene Bezeichnungen Verwendung: „Grenzlandmal“, „Ehrenmal“, „Mahnmal“, „Anschlussdenkmal“, „Weihestätte“, „Anschlussweihestätte“ u. a.
Im Laufe der Nachkriegszeit und jüngeren Geschichte setzte sich der Begriff „Anschlussdenkmal“ durch.
Nach dem Zusammenbruch der NS-Herrschaft wurde die Ausstattung des Denkmals (Inschrift, Feuerschalen, vergoldeter Adler) entfernt bzw. zerstört.
In den folgenden Jahren wurde regelmäßig diskutiert, das Denkmal abzureißen, was jedoch nie geschah. Konkrete Planungen waren schwierig, weil das Grundstück aus mehreren Parzellen bestand und somit verschiedene private Eigentümer zuständig waren. Der Bau blieb dabei lange in Bezug auf seine Entstehungsgeschichte tabuisiert. Er wurde gelegentlich für etwa Lagerfeuer, Sonnwendfeuer oder Akt-Fotoshootings genutzt.
Ab den 1980er Jahren versuchten engagierte Bürger, vornehmlich aus dem Schul- bzw. künstlerischen Bereich, vor allem der Autor Peter Wagner, öffentlichkeitswirksam eine Auseinandersetzung mit dem Denkmal zu bewirken. 1997 erfolgte durch die Gemeinde eine Umdeutung des Denkmals in ein „Mahnmal gegen Gewalt und Rassismus“, wozu eine Tafel am Denkmal angebracht wurde. Die Inschrift lautet:

Der Umgang mit dem „Anschlussdenkmal“ blieb umstritten; Veranstaltungen zum Thema stießen jedoch auf großes Interesse.
2016 gelang es der Gemeinde Oberschützen durch Vermittlung engagierter Bürger, die Parzellen, auf denen sich das Denkmal befindet, für 30 Jahre zu pachten. Das Bauwerk wurde unter Denkmalschutz gestellt und 2018/19 in Kooperation mit dem Bundesdenkmalamt saniert.
Ebenfalls 2018 wurde in der Gemeinde eine „Arbeitsgruppe Denkmäler“ eingerichtet. Dabei wurde ein umfassendes Projekt entwickelt. Es zielt darauf ab, dass das „Anschlussdenkmal“ Teil des kulturellen Erbes der Region ist, so wie die Geschichte des Nationalsozialismus Teil der Geschichte der Region ist. Der bislang am Bau fehlende Verweis auf die Geschichte des Denkmals soll im Zuge des Projektes gut wahrnehmbar ergänzt werden. Es soll die Bevölkerung einbinden und Bewusstsein für die Widersprüchlichkeit von kulturellem Erbe in der Region schaffen. Geplant ist auch der Aufbau eines Gemeindearchivs, die Erstellung von Unterrichts- und Informationsmaterialien.
Koordinaten: 47° 20′ 36,14″ N, 16° 12′ 44,77″ O