Schloss Mühlau

Schloss Mühlau vom neuen Friedhof aus gesehen
Innenhof mit Ansitz Grabenstein (links) und Ansitz Rizol (rechts)
Verbindungsbau zwischen den ehemals getrennten Ansitzen

Das Schloss Mühlau, auch Sternbachschlössl oder Schloss Sternbach genannt, ist ein Gebäudekomplex im Innsbrucker Stadtteil Mühlau. Es entstand Anfang des 18. Jahrhunderts aus der Vereinigung der benachbarten Ansitze Rizol und Grabenstein.

Geschichte

Die Wasserkraft des Mühlauer Baches führte schon früh zur Ansiedlung von Mühlen und Hammerwerken. Im 15. Jahrhundert war Mühlau ein Zentrum der Harnischproduktion, dessen Turnier- und Prunkharnische in ganz Europa gefragt waren. Die Harnischmeister gelangten zu erheblichem Wohlstand und ließen repräsentative Ansitze errichten. Mit dem Niedergang des Turnierwesens in der Renaissance verschwand auch deren Bedeutung. Zu den wenigen Ansitzen in Mühlau, die sich erhielten, gehörten Rizol und Grabenstein.

Grabenstein war Ende des 15. Jahrhunderts als landesfürstliches Zinslehen im Besitz Peter Enndrisers. Von ihm gelangte der Ansitz an das Ehepaar Pankraz und Dorothea Has, die ihn vor dem 16. Jänner 1504 an den Augsburger Handelsmann Benedikt Katzenloer, einen vermögenden Finanzier Maximilians I. verkauften. Danach wechselte Grabenstein häufig den Besitzer, es gehörte unter anderem Christoph Graber, dem Tirolischen Kanzler Leomann Schiller von Herdern und dessen Sohn Leo Marquard.

Ansitz Rizol ist seit 1469 nachweisbar und kam 1543 in den Besitz des kaiserlichen Rates Ulrich Schmatzer, der im Jahr 1555 mit dem Prädikat „Rizol“ in den Adelsstand erhoben wurde.

Franz Andreas von Sternbach aus dem Adelsgeschlecht der Sternbach zum Stock und Luttach, der als Berg- und Gewerksherr zu einem beträchtlichen Vermögen gelangt war, plante zu Beginn des 18. Jahrhunderts im Gebiet von Wilten ein Barockschloss mit großer Gartenanlage zu errichten. Das scheiterte jedoch am Widerstand des mächtigen Stiftes Wilten. Daher erwarb er 1706 die beiden benachbarten Ansitze Rizol und Grabenstein und in weiterer Folge auch die umliegenden Grundstücke. Die beiden Ansitze wurden über die trennende Gasse hinweg miteinander verbunden. Die beengte Lage am Hang erlaubte keine weitläufige barocke Anlage, umso größerer Wert wurde auf eine aufwändige Innengestaltung mit einem repräsentativen Stiegenhaus, Fresken und Stuck sowie die Gartenanlage gelegt. 1720 waren die Bauarbeiten abgeschlossen. Franz Andreas von Sternbach, der Herrschaft und Gericht Thaur als Lehen innehatte, ließ 1706 den Gerichtssitz nach Schloss Mühlau verlegen.

Die schrittweise Grundentlastung und die Aufhebung der privaten Gerichtsbarkeit sowie die Napoleonischen Kriege, in denen das Schloss geplündert wurde, führten zu einem allmählichen Niedergang. Im Jahr 1931 starb der Mühlauer Zweig der Familie Sternbach aus, das Schloss ging an die baltische Familie der Liphart.

Anlage

Die Westseite der Anlage bildet der ehemalige Ansitz Grabenstein, an den südwestlich ein Wirtschaftsgebäude entlang des Mühlauer Baches anschließt. An der Ostseite erstreckt sich Ansitz Rizol über zwei Flügel, daran schließt sich die 1720 errichtete Parkanlage an. Die beiden Teile sind über die Straße hinweg mit einem Torbau verbunden. Der durch die beiden schräg zueinander stehenden Gebäude gebildete dreieckige Innenhof wird im Süden von der Mariahilfkapelle abgeschlossen. Die beiden Ansitze und die Kapelle stehen unter Denkmalschutz (Listeneinträge).

Ansitz Grabenstein

Ansitz Grabenstein von Nordwesten

Ansitz Grabenstein geht in seiner heutigen Form auf Umbauten in den 1470er Jahren zurück, es haben sich aber etliche Bauteile des Vorgängerbaus, der gleich breit, aber nur halb so tief war, erhalten. Der dreigeschoßige Bau mit Satteldach entfaltet seine einheitliche Wirkung durch die vier zweigeschoßigen Eckerker über gestuften Konsolen. Im Erdgeschoß befinden sich quadratische Fenster in abgefasten, gotischen Steinrahmen, an der Straßenfront ein reich gekehltes Spitzbogenportal und an der Hoffront ein Söller über gestuften Konsolen sowie ein rundbogiges Steinportal. Im Inneren haben sich ein breiter, hallenartiger, vierjochiger Flur mit Kreuzgratgewölbe mit abgefasten Wandpfeilern erhalten, westlich daneben ein dreijochiger Raum mit Kreuzgratgewölbe. Im Obergeschoß befindet sich die gewölbte ehemalige Küche. Die Erker sind mit Kreuzgewölben versehen.

Ansitz Rizol

Ansitz Rizol von Nordosten

Der 1469 erstmals urkundlich genannte Ansitz Rizol wurde 1538 in Renaissanceformen um- oder neugebaut. Er erstreckt sich hufeisenförmig mit zwei barocken Flügelbauten gegen den Park. Die fünfachsige Hauptfront weist einen geschwungenen Giebel sowie ein hohes Korbbogenportal auf und ist mit Eckbänderung und Faschen zwischen den Geschoßen gegliedert. Auf der Hofseite befinden sich ein runder Treppenturm und Arkaden. Der Hof wird von einer bogenförmigen Mauer mit gebänderter Portalrahmung abgeschlossen.

Das Innere ist durchgängig barock gestaltet mit qualitätvollen Wandmalereien und Stuckaturen. Die Fürstenzimmer im Südflügel sind mit Fresken Kaspar Waldmanns mit mythologischen Motiven geschmückt. Die Hauskapelle im Dachgeschoß ist mit reicher Stukkatur versehen. An der Flachdecke in einem kräftigen Stuckrahmen befindet sich ein Fresko Waldmanns, das Maria mit Engeln zeigt, von denen einer ihr eine Krone aufsetzt, ein zweiter Reichsapfel und Kreuz hält, ein dritter ein Szepter, ein vierter einen Schlüssel trägt.

Mariahilfkapelle

Mariahilfkapelle

Die Kapelle ließ Franz Andreas von Sternbach 1720 erbauen. An das Langhaus schließt im Süden ein schlanker Turm mit Zwiebelhelm mit Laterne und achteckigem Tambour an. Die Giebelfassade mit einer zweigeschoßigen Portalarchitektur ist durch Pilaster gegliedert. Die Seitenwände sind abgesehen von drei korbbogig geschlossenen Fenstern an der Westseite ungegliedert. Im Inneren ist der mit einem seichten Tonnengewölbe versehene Saalraum mit korinthischen Stuckpilastern und einem hohen Gebälk gegliedert. An der Ostwand befinden sich Stuckrahmenfelder mit einem geschnitzten Oratoriengitter und eingelassenen Gemälden. Die Decke ist mit reichen Laub- und Bandlwerk­stuckaturen und Fresken von Kaspar Waldmann geschmückt. In drei größeren, vierpassförmigen Bildern in der Mittelachse sind die Verkündigung, die Anbetung der Hirten und die Himmelfahrt Mariens dargestellt. Je sechs kleinere Medaillons auf beiden Seiten zeigen die Gleichnisse der lauretanischen Litanei mit Inschriften.

Garten

Von der barocken Gartenanlage haben sich der Brunnen im Hof, das Weiherhäuschen und auf einem Abhang südöstlich des Ansitzes von einem ehemaligen Gartenhaus nur mehr die steile Treppe erhalten.

Literatur

Commons: Schloss Mühlau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Heinrich Hammer: Die Entwicklung der barocken Deckenmalerei in Tirol. Studien zur deutschen Kunstgeschichte, 159. Heft, J. H. Ed. Heitz, Strassburg 1912, S. 169–170 (Digitalisat)

Koordinaten: 47° 16′ 58,2″ N, 11° 24′ 48″ O