Antarcticit

Antarcticit
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1965-015

IMA-Symbol

Atc

Andere Namen

Antarkticit

Chemische Formel
  • CaCl2(H2O)6
  • CaCl2·6H2O
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Halogenide
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

III/A.09
III/A.12-080

3.BB.30
09.02.06.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem trigonal
Kristallklasse; Symbol Pba2Vorlage:Raumgruppe/32
Raumgruppe P321 (Nr. 150)Vorlage:Raumgruppe/150
Gitterparameter a = 7,88 Å; c = 3,95 Å
Formeleinheiten Z = 1
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2 bis 3
Dichte (g/cm3) gemessen: 1,715; berechnet: 1,700
Spaltbarkeit nach {0001} vollkommen
Bruch; Tenazität spröde
Farbe farblos
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nω = 1,55
nε = 1,49 bis 1,5
Doppelbrechung δ = 0,050 bis 0,060
Optischer Charakter einachsig negativ
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten gut wasserlöslich

Antarcticit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Halogenide“. Es kristallisiert im trigonalen Kristallsystem mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung CaCl2(H2O)6 und damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Calciumchlorid.

Antarcticit entwickelt Aggregate aus farblosen, nadelförmigen, bis zu 15 cm großen Kristallen mit meist unregelmäßigen Enden.

Etymologie und Geschichte

Satellitenfoto der Typlokalität

Das Mineral wurde erstmals am 30. Dezember 1963 von Tetsuri Torii in der Typlokalität, dem Don-Juan-See, einem 100 × 300 Meter großen, aber nur 10 cm tiefen, stark salzhaltigen See im Wright Valley im Viktorialand in der Antarktis gefunden (77° 34′ 0″ S, 161° 10′ 0″ O).

Analysiert und erstbeschrieben wurde das Mineral von Tetsuya Torii und Joyo Ossaka, die es nach dem Kontinent Antarktis benannten, auf dem die Typlokalität liegt. Ihre Analyse-Ergebnisse und den gewählten Namen sandten die beiden Forscher 1965 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1965-015), die den Antarcticit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde noch im gleichen Jahr im Fachmagazin Science veröffentlicht.

Typmaterial für Antarcticit ist nicht definiert.

Klassifikation

In der zuletzt 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Antarcticit zur Mineralklasse der „Halogenide“ und dort zur Abteilung „Einfache Halogenide“, wo er zusammen mit Eriochalcit, Hydrohalit und Nickelbischofit die „Hydrohalit-Bischofit-Gruppe“ mit der Systemnummer III/A.09 bildete.

n der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer III/A.12-080. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Einfache Halogenide“, wo Antarcticit zusammen mit Bischofit, Eriochalcit, Ghiarait, Hydrohalit, Nickelbischofit, Rokühnit und Sinjarit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer III/A.12 bildet.

Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Antarcticit in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Einfache Halogenide mit H2O“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach dem Stoffmengenverhältnis der Metallionen zum jeweiligen Halogenid. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M : X = 1 : 2“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 3.BB.30 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 herausgegebenen Systematik der Minerale nach Dana hat Antarcticit die System- und Mineralnummer 09.02.06.01. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Halogenide“ und dort der Abteilung „Wasserfreie und hydratisierte Halogenide“, wo das Mineral als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 09.02.06 zu finden ist.

Kristallstruktur

Antarcticit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem in der Raumgruppe P321 (Raumgruppen-Nr. 150)Vorlage:Raumgruppe/150 mit den Gitterparametern a = 7,88 Å und c = 3,95 Å sowie einer Formeleinheit pro Elementarzelle.

Eigenschaften

Das Mineral ist sehr hygroskopisch und löst sich leicht in Wasser.

Bildung und Fundorte

Antarcticit kristallisiert nur unter sehr trockenen Bedingungen aus stark salzhaltigen Lösungen aus. Entsprechend der Zusammensetzung des Minerals ist vor allem ein hoher Calcium- und Chloridanteil wichtig. So ist das Wasser des Don-Juan-Sees so stark salzhaltig, dass dieses auch im antarktischen Winter nicht gefriert. Weiterhin kann das Mineral im Übergang von Salz- zu Süßwasser in Blue Holes und als Einschluss in Quarz in mafischen Pegmatiten entstehen. Kristallisiert Antarcticit aus stark salzhaltigem Wasser aus, ist es mit Halit, Gips und Cölestin vergesellschaftet.

Vom sehr seltenen Mineral sind nur wenige Fundorte bekannt. Neben der Typlokalität fand man Antarcticit nur noch in der Mary Kathleen-Mine in Mount Isa (Australien), der zu den Bahamas gehörenden Insel North Andros Island, Preissac in der kanadischen Provinz Québec, Schelesnogorsk-Ilimski in Russland, der Driekop-Mine im Bushveld-Komplex (Südafrika) sowie dem Bristol Lake, einer Salztonebene im US-Bundesstaat Kalifornien.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: September 2026. (PDF; 3,1 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, September 2026, abgerufen am 31. Oktober 2026 (englisch).
  2. ↑ Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 351 kB; abgerufen am 31. Oktober 2026]).
  3. ↑ Antarcticit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 3. November 2026.
  4. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Antarcticite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 56 kB; abgerufen am 31. Oktober 2026]).
  5. 1 2 3 4 5 Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 157 (englisch).
  6. 1 2 3 Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
  7. 1 2 3 4 Antarcticite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 31. Oktober 2026 (englisch).
  8. 1 2 Tetsuya Torii, Joyo Ossaka: Antarcticite: A New Mineral, Calcium Chloride Hexahydrate, Discovered in Antarctica. In: Science. Band 149, 1965, S. 975–977, doi:10.1126/science.149.3687.975, PMID 17832579 (englisch).
  9. ↑ Catalogue of Type Mineral Specimens – A. (PDF 357 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 3. November 2026 (Gesamtkatalog der IMA).
  10. ↑ Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Original am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
  11. ↑ Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig: Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York u. a. 1997, ISBN 0-471-19310-0, S. 385–386 (englisch).
  12. ↑ Fundortliste für Antarcticit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 31. Oktober 2026.