Anthophilie

Anthophilie von altgriechisch ἄνθος anthos für „Blume“, altgriechisch φιλία philia für „Freundschaft“ bezeichnet in der Zoologie das regelmäßige Aufsuchen von Blüten durch Tiere zur Nahrungsaufnahme. Anthophile Tiere ernähren sich dabei vor allem von Nektar oder Pollen; teilweise werden auch andere Blütenbestandteile genutzt. Der Begriff beschreibt ein Verhaltensmuster und ist nicht zwingend mit einer engen ökologischen Spezialisierung verbunden.

Vorkommen

Hosenbienen Männchen
Gefleckter Blütenbock

Die Anthophilie ist unter Insekten am häufigsten zu treffen. Insbesondere Bienen, die als Gruppe auch Anthophila genannt werden, zählen zu den bedeutendsten Vertretern. Anthophilie kommt jedoch bei einer ganzen Reihe Ordnungen der Insekten vor, so haben die Schmetterlinge eine hohe dichte anthophiler Arten. Unter den Zweiflüglern ist die Anthophilie bei den Schwebfliegen besonders häufig, aber es gibt eine Vielzahl weiterer anthophiler Arten in diversen Familien. Unter den Käfern sind die Weichkäfer und die Bockkäfer besonders anthophile Familien, auch die Blatthornkäfer stellen auffällige anthophile Arten.

Unter den Vögeln sind die Kolibris die ikonischste Gruppe, es gibt jedoch auch hier weitere Arten, wie zum Beispiel unter den Nektarvögeln, den Honigfressern oder den Türkisvögeln.

Annakolibri

Sogar unter den Säugetieren gibt es anthophile Arten. Diese sind hauptsächlich unter den Fledermäusen zu finden, von denen es zahlreiche nektar- und pollenfressende Arten wie zum Beispiel den Zwerg-Langzungenflughund gibt. Es gibt jedoch weitere anthophile Arten in anderen Ordnungen wie den Honigbeutler.

Anpassung der Pflanzen

Das pflanzenökologische Gegenstück zur Anthophilie sind zoophile Pflanzen. Man unterscheidet unter anderem Entomophilie (Bestäubung durch Insekten), Ornithophilie (durch Vögel) und Chiropterophilie (durch Fledermäuse).

Viele zoogame Pflanzen bieten Nektar oder Pollen als Belohnung für Blütenbesucher an. Der Blütenbesuch ermöglicht dabei die Übertragung von Pollen und somit die sexuelle Fortpflanzung der Pflanze.

Daneben existieren auch Täuschsysteme. In solchen Fällen werden durch Geruchs-, Farb- oder Formsignale angeborene Such- oder Brutverhaltensmuster von Tieren ausgelöst, ohne dass eine entsprechende Ressource bereitgestellt wird. Evolutiv wurden Merkmale begünstigt, die bestehende sensorische Prädispositionen der Tiere aktivieren und dadurch dennoch zur Bestäubung führen. Ein bekanntes Beispiel sind Aasblumen, die Gerüche von Aas oder Kot imitieren und saprophage Insekten anziehen. Solche Systeme werden in der Bestäubungsbiologie als Täuschblumen bezeichnet. Somit halten sich hier regelmäßig Tiere auf den Blüten auf, die nicht anthophil sind, da sie dort keine Blütenressourcen nutzen können.

Einzelnachweise

  1. ↑ Anthophilie. In: Spektrum.de. Abgerufen am 20. Februar 2026.
  2. ↑ Larson, B. M. H.; Kevan, P. G.; Inouye, D. W. (2001): Flies and flowers: taxonomic diversity of anthophiles and pollinators. The Canadian Entomologist 133(4): 439–465. doi:10.4039/Ent133439-4.
  3. ↑ Willmer, P.: Pollination and floral ecology. Princeton University Press, Princeton, N.J 2011, ISBN 978-0-691-12861-0.
  4. ↑ Cronk, Q.; Ojeda, I.: Bird-pollinated flowers in an evolutionary and molecular context. In: Journal of Experimental Botany. Band 59, Nr. 4, 7. März 2008, doi:10.1093/jxb/ern009.
  5. ↑ Fleming, T. H.; Geiselman, C.; Kress, W. J.: The evolution of bat pollination: a phylogenetic perspective. In: Annals of Botany. Band 104, Nr. 6, November 2009, S. 1017–1043, doi:10.1093/aob/mcp197, PMID 19789175, PMC 2766192 (freier Volltext).