Antimachiavellismus ist ein Schlagwort der politischen Philosophie, mit dem die Gegenposition zum Machiavellismus zusammengefasst wird, die sich insbesondere kritisch auf Machiavellis Schrift Il Principe bezieht. Kerngedanke ist die Ablehnung einer Trennung zwischen Politik und Moral, für die Machiavelli steht. Beispielhafte Bedeutung erlangte die Schrift Anti-Machiavel von Friedrich dem Großen.
Das eigentliche politische Ideal Machiavellis war die Republik. In seinem Buch Il Principe behandelt er in der äußeren Form eines Fürstenspiegels die Machtpolitik des Staatenlenkers und entwickelt aus dem Vergleich und der Beobachtung erfolgreichen politischen Handelns pragmatische Handlungsmaximen. Seine analytische Betrachtung beendete die enge Verbindung zwischen Zweck und Mittel, die für das politische Denken bis dahin typisch war, was von Anfang an viele seiner Leser irritierte und provozierte. So stellt Machiavelli Religion als nützlich für den Fürsten dar, solange sie ihm dabei hilft, Macht zu erlangen oder zu behalten. Der Fürst solle nach außen fromm erscheinen und die Religion bei seinen Untertanen fördern, da sie Stabilität und Ordnung im Staat begünstige. Er müsse aber bereit sein, moralische Normen zurückzustellen, wenn ihm dies aus praktischen Gründen notwendig erscheine. Die Antimachiavellisten (Gegner des Machiavellismus) kritisieren unter anderem die Amoralität und Skrupellosigkeit, die Machiavelli nach ihrem Empfinden von dem Fürsten fordert, und die Unterordnung der Religion unter dessen politische Ziele.

Als erste Antimachiavellisten können die Jesuiten verstanden werden, die 1559 für die päpstliche Indizierung der Schriften Il Principe und Discorsi sopra la prima deca di Tito Livio durch Paul IV. sorgten und auch später gegen Machiavelli polemisierten. Einflussreicher erwies sich die Kritik der Protestanten, die Machiavelli im Gefolge des französischen Hugenotten Innocent Gentillet fälschlich für die Bartholomäusnacht von 1572 verantwortlich machten. In den kontroverstheologischen Auseinandersetzungen im 16. und 17. Jahrhundert warfen sich Protestanten und Katholiken gegenseitig vor, machiavellistische Atheisten zu sein. In diesem Zusammenhang entstand ein eigenes literarisches Genre, das sich der Widerlegung Machiavellis widmete.
Den Begriff „Anti-Machiavel“ für literarische Schriften, die sich kritisch mit Machiavellis Werk befassen und seine Thesen zumeist im Kontext religiöser oder konfessioneller Polemiken zu widerlegen suchten, gab es schon lange vor Friedrich den Großen. Dieser verfasste seinen Anti-Machiavel, oder Versuch einer Kritik über Nic. Machiavels Regierungskunst eines Fürsten als philosophische Abhandlung als junger, von der Aufklärung beeinflusster Kronprinz. Die Schrift wurde 1740 von Voltaire anonym herausgegeben. Friedrich setzt sich als Freimaurer kritisch mit Machiavellis Theorie der Macht auseinander, ohne wie frühere Antimachiavellisten in erster Linie religiös zu argumentieren. Als Ziel formuliert der Kronprinz: „Ich übernehme die Verteidigung der Menschlichkeit wider diesen Unmenschen [Machiavelli], der dieselbe vernichten will; ich setze die Vernunft und die Gerechtigkeit dem Betrug und dem Laster entgegen, und ich habe es gewagt, meine Betrachtungen über Machiavels Buch von Kapitel zu Kapitel anzustellen, damit das Gegengift unmittelbar auf die Vergiftung folge.“
In seinen politischen Testamenten und auch schon im Anti-Machiavel selbst gab Friedrich II. allerdings zu, dass jener wohl in einigen Teilen recht habe, revidierte Machiavellis Thesen allerdings zu jeder Zeit und stellte ihnen eine moralisch begründete Gegenposition entgegen.
Friedrichs Anti-Machiavel hat sich aus einem in der Zeit von 1736 und 1740 geführten Briefwechsel zwischen dem späteren König Friedrich II. von Preußen und Voltaire heraus entwickelt. Mit seinem Brief vom 8. August 1736 hatte der damalige Kronprinz im Alter von 24 Jahren aus eigener Initiative Kontakt mit dem französischen Philosophen aufgenommen. Zusammen mit einem seiner Antworten hatte ihm Voltaire einige Kapitel aus seinem Siècle de Louis XIV zur Vorablektüre zugesandt. Der Kronprinz lobte den Entwurf insgesamt, kritisierte aber, dass Voltaire darin Machiavelli unter die großen Männer seiner Zeit gerechnet habe.
Der Kronprinz bezog sich auf den schlechten Ruf, den Machiavelli in der allgemeinen Wahrnehmung besaß, und den breit akzeptierten Antimachiavellismus, der ein an Machiavelli orientiertes politisches Handeln verurteilte. Als der Kronprinz im Brief vom 22. März 1739 die vage Absicht äußerte, eine Streitschrift gegen Machiavellis Fürsten zu verfassen, bestärkte ihn Voltaire in diesem Vorhaben, weil er sich eine positive Wirkung auf die aktuelle Politik durch ein derartiges Werk eines künftigen Monarchen versprach.
Der Kronprinz sandte erste Kapitel, die er entworfen hatte, Voltaire zu, von welchem er in erster Linie sprachliche Korrekturhilfe erwartete, da er das Werk in französischer Sprache verfasste. Dem Kronprinzen lag Machiavellis Schrift nur in einer schlechten französischen Übersetzung vor. Voltaire schlug daraufhin vor, nicht jedem Kapitel ein Resümee der Ausführungen Machiavellis voranzustellen, sondern dem Buch die komplette Übersetzung des Fürsten von Amelot de la Houssaye beizufügen. Nachdem Friedrichs Werk in einer druckreifen Fassung vorlag, war zunächst unklar, ob der Kronprinz es in der vorliegenden Form überhaupt durch Voltaire herausgeben und veröffentlichen lassen wollte. Schließlich erkrankte Friedrichs Vater Friedrich Wilhelm I. schwer, sodass der Prinz unerwartet die Regierung antreten musste. In dieser politischen Situation hatte er den Kopf nicht mehr frei für Buchveröffentlichungen; außerdem befürchtete er immer mehr, dass kritische Passagen seines Textes über andere Herrscher oder die Kirche diplomatische Komplikationen heraufbeschwören könnten. So bat er Voltaire, sein Werk in Holland anonym drucken zu lassen, und ließ ihm bei den herausgeberischen Aufgaben mehr oder weniger freie Hand. Voltaire kam diesem Wunsch nach, allerdings kam es zu einem folgenreichen Streit mit dem Verleger Jean van Duren in Den Haag. Dieser war nicht bereit, nachträgliche Änderungen, die sich insbesondere aufgrund politischer Bedenken des preußischen Königs ergaben, in die Druckfassung einzuarbeiten. Im Juni 1740 bat der König Voltaire, die gesamte Auflage aufzukaufen, um ihre Verbreitung zu verhindern. Anfang August bat er ihn, das Manuskript noch einmal gründlich zu korrigieren. Voltaire sah sich gezwungen, das dem Verleger ausgehändigte Manuskript nachträglich zu verschlechtern. Da er die Veröffentlichung der Erstfassung unter dem Titel Examen du Prince de Machiavel, avec des notes wegen des hartnäckigen Widerstands des Verlegers trotzdem nicht verhindern konnte, distanzierte er sich davon öffentlich und gab eine Neuauflage bei Pierre Paupie in Auftrag, die auf seiner bereinigten und überarbeiteten Fassung beruhte und unter dem Titel erschien: Anti-Machiavel ou Essai de critique sur le Prince de Machiavel. Publié par Mr. De Voltaire. Sie wurde von Voltaire als die einzige authentische Fassung des Werkes angekündigt. Voltaire schickte dem König beide Ausgaben; die bereinigte Ausgabe missfiel jedoch dem König, der darin zu viel Fremdes fand. Er plante nun eine eigene Ausgabe in Berlin und distanzierte sich öffentlich von beiden publizierten Ausgaben. Voltaire brachte daraufhin eine weitere Auflage heraus, allerdings nur mit geringfügigen Korrekturen.
Nachdem Friedrich II. als König von Preußen zu einem wichtigen politischen Akteur in Europa geworden war, bereute er die Veröffentlichung des Jugendwerks, das trotz des nicht genannten tatsächlichen Verfassers seiner Person zugeordnet und damit auch mit seinem eigenen politischen Handeln in Bezug gesetzt werden konnte. Die Verfasserschaft des preußischen Königs war nämlich ein offenes Geheimnis. Voltaire bedauerte später, dass man Friedrichs Anti-Machiavel überall in Europa kaufen konnte, nur nicht in Preußen.
