
Antoine Marcel Compagnon (* 20. Juli 1950 in Brüssel, Belgien) ist ein französischer Literaturwissenschaftler und Hochschullehrer.
Antoine Compagnon ist der Sohn eines französischen Generals und einer belgischen Mutter. Er besuchte die staatliche Militärschule Prytanée national militaire in La Flèche und anschließend die École polytechnique, die er 1970 als Ingenieur im Fach Straßen- und Brückenbau abschloss. Danach widmete er sich der Literaturwissenschaft dank eines Stipendiums der Fondation Thiers. Von 1975 bis 1978 forschte er in den Bereichen Linguistik und Französische Literatur am Centre national de la recherche scientifique (CNRS). Im Jahre 1977 promovierte er bei Julia Kristeva im Fach Französische Literatur (Docteur de troisième cycle) und 1985 bei dem Linguisten Jean-Claude Chevalier (Docteur d'État ès lettres).
Von 1978 bis 1985 lehrte Compagnon an der École polytechnique in der Abteilung Human- und Sozialwissenschaften. In diesen Jahren war er auch Gastdozent am Institut français in Großbritannien und wurde 1981 an der Universität Rouen Maître de conférences. 1985 wechselte er an die Columbia University in New York City. In den Jahren 1989 und 1990 war er Professor an der französischen Université du Maine und anschließend von 1994 bis 2006 an der Universität Paris IV (Sorbonne). Von 2006 bis 2020 war er Inhaber des Lehrstuhls für Moderne und zeitgenössische Literatur (Littérature française moderne et contemporaine: Histoire, critique, théorie) am Collège de France und ist dort seit seiner Emeritierung ein Professor ehrenhalber (professeur honoraire). Zwischen 2006 und 2011 gehörte er dem Haut Conseil de l'éducation und von 2006 bis 2013 dem Haut Conseil de la science et de la technologie an. Beide Gremien berieten Regierung und Parlament in Bildungs-, Wissenschafts- und Forschungsfragen.
2013 war Antoine Compagnon Kandidat für den Fauteuil 40 der Académie française. Er unterlag jedoch im zweiten Wahlgang Xavier Darcos. Am 17. Februar 2022 kandidierte er für den Fauteuil 35 und setzte sich mit 14 von 27 Stimmen gegen zwei Mitbewerber durch.
In 1966, année mirifique (Gallimard, 2026) rekonstruiert Compagnon das Jahr 1966 als eigenständigen Wendepunkt der französischen Nachkriegsgeschichte, der nicht im Schatten des berühmteren Jahres 1968 verschwinden soll. Er stützt sich dabei auf Presse, Fernsehen, Mode und Literatur und zeigt, wie Frankreich in diesem Jahr endgültig zur Konsumgesellschaft wird, in der die Jugend erstmals als eigene Käuferschicht sichtbar wird, während an den Universitäten mit Foucaults Die Ordnung der Dinge der Strukturalismus den Existenzialismus Sartres ablöst und den „Tod des Menschen“ verkündet. Weitere Kapitel behandeln den Streit zwischen Roland Barthes und Raymond Picard um die Deutungshoheit über Racine, die Kanonisierung Marcel Prousts im Massenmarkt des Taschenbuchs, die Allianz von Louis Althusser und Jacques Lacan sowie die Kontroverse um Jean-François Steiners Buch Treblinka, die nach Compagnons Darstellung die Shoah erstmals als eigenständiges Thema in das französische Gedächtnis trägt. Compagnon, der 1966 selbst als junger Mann nach Frankreich zurückkehrte, verbindet akribische Archivarbeit mit eigener Zeitzeugenschaft und liest das Jahr als Ursprung heutiger Verhältnisse zwischen Konsum, Theorie und Erinnerungskultur.
Seine 2026 veröffentlichte Erzählung Partir verarbeitet den Tod seiner langjährigen Partnerin Patrizia Lombardo aus Sicht dessen, der zurückbleibt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Compagnon, Antoine |
| ALTERNATIVNAMEN | Compagnon, Antoine Marcel |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Literaturwissenschaftler und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 20. Juli 1950 |
| GEBURTSORT | Brüssel, Belgien |