Antoine-Louis Barye

Charles Camino: Porträt Antoine-Louis Barye, 1884, Aquarell über Kohle auf Papier, Walters Art Museum, Baltimore

Antoine-Louis Barye (* 24. September 1795 in Paris; † 25. Juni 1875 ebenda) war ein französischer Bildhauer, Maler und Bronzegießer. Er gilt als einer der bedeutendsten Tierbildhauer der französischen Plastik des 19. Jahrhunderts. Gemeinsam mit Jean-Baptiste Carpeaux wird er als Wegbereiter Auguste Rodins bezeichnet. Seine Tierkampfgruppen der frühen 1830er Jahre werden als Abkehr von der akademisch-konventionellen Plastik beschrieben. Antoine-Louis Barye ist der Vater des Bildhauers Alfred Barye.

Leben

Ausbildung und frühe Jahre

Antoine-Louis Barye wurde in Paris als Sohn eines Goldschmieds geboren. Eine erste Ausbildung erhielt er vermutlich bei seinem Vater, einem aus Lyon zugewanderten Goldschmied. Mit 13 Jahren kam er zu dem Stahlstecher Fourier in die Lehre. Nach einer verkürzten Militärzeit 1813/1814 arbeitete er zunächst als Ziseleur weiter. Im Dezember 1816 trat er in das Atelier des Bildhauers François Joseph Bosio und im März 1817 in das des Malers Antoine-Jean Gros ein. 1818 wurde er in die École des Beaux-Arts aufgenommen. Zwischen 1819 und 1823 beteiligte er sich an den Wettbewerben um den Prix de Rome. 1819 erhielt er in der Sektion Gravur für Medaillen mit Milon de Crotone attaqué par le lion einen dritten Preis und 1820 in der Sektion Bildhauerei mit Caïn maudit par l'Éternel einen zweiten Preis. Da er das erhoffte Rom-Stipendium nicht erhielt und 1824 nicht zur Loge zugelassen wurde, verzichtete er auf weitere Versuche und verließ die École des Beaux-Arts.

Ab 1823 war er bei dem Goldschmied Fauconnier angestellt – vermutlich bis 1831 – und vervollkommnete in dieser Zeit seine Fertigkeiten im Gießen und Ziselieren. Er betrieb Tierstudien im Jardin des Plantes, im Muséum national d’histoire naturelle und im Laboratoire d’Anatomie (1829 gemeinsam mit Eugène Delacroix), wodurch er seine naturwissenschaftlichen Kenntnisse erweiterte.

Salonerfolge und Aufträge

Antoine-Louis Barye: Tiger, einen Gavial verschlingend, 1831, Bronze, Musée des Beaux-Arts, Straßburg

Im Salon von 1827 blieb Barye zunächst unbeachtet. Öffentliche Anerkennung erlangte er mit den großformatigen Tierkampfgruppen Tigre dévorant un crocodile (Salon 1831, Médaille de 2e classe) und Lion au serpent (Salon 1833, Ernennung zum Chevalier der Ehrenlegion). Beide Werke stellten mit der Verbindung von Wildheit und präziser Naturdarstellung eine Neuheit in der französischen Plastik der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dar. Die Salonerfolge brachten ihm private Aufträge aus der königlichen Familie ein, vor allem vom Herzog von Orléans, für den er von 1834 bis 1838 vier Jagd- und fünf Tierkampfgruppen für einen Tafelaufsatz fertigte. Adolphe Thiers, seit 1832 Minister für Handel und öffentliche Arbeiten, hatte ihn für vier öffentliche Aufträge vorgesehen. Ausgeführt wurden jedoch nur die im Jahr 1835 bestellten Arbeiten für das Relief Lion passant am Sockel der Julisäule auf der Place de la Bastille, das am 29. Juli 1840 eingeweiht wurde, sowie die Marmorfigur der Sainte Clothilde für die Kirche La Madeleine, die von 1835 bis 1842 entstand. Die Pläne für vier monumentale Gruppen für die Pont de la Concorde sowie für die Bekrönung des Arc de Triomphe de l’Étoile wurden hingegen nicht umgesetzt.

Bronzegießerei

Im Jahr 1837 lehnte die Salonjury Baryes Einsendungen ab, woraufhin er sich aus dem öffentlichen Kunstbetrieb zurückzog. Er erwarb eine Lizenz als Bronzier, gründete 1838 eine eigene Bronzegießerei und begann mit der serienmäßigen Herstellung von Kleinbronzen. Wahrscheinlich zwangen ihn schon 1843 Probleme in der Geschäftsführung zur Zusammenarbeit mit dem Industriellen E. Martin, mit dem er am 15. Mai 1845 die Gesellschaft Barye & Cie gründete. 1847 erschien der erste Verkaufskatalog mit 107 Angeboten, fünf weitere folgten (Katalog VI: 230 Angebote). Zunächst lag die künstlerische Ausführung bis zur fertigen Bronze in Baryes Händen. Zu Beginn der 1850er Jahre wurde sie aus wirtschaftlichen Gründen an andere Firmen (unter anderem Barbedienne, Eck und Durand) übertragen und damit seiner Kontrolle entzogen. Am 14. März 1857 löste Barye die Geschäftsverbindung mit Martin auf, erwarb seine Modelle zurück und gründete ein eigenes Unternehmen.

Spätere Jahre

Die Porte des Lions des Louvre mit den beiden sitzenden Löwen von Antoine-Louis Barye, 1847 und 1867

Nach 1848 verbesserte sich Baryes öffentliche Stellung durch mehrere staatliche Aufträge. 1846 wurde die Bronze des Lion assis in Auftrag gegeben, die 1848 aufgestellt wurde. Es folgten 1849 acht Adlerreliefs für den Pont d’Iéna und 1851 Masken für den Pont Neuf. Im Jahr 1849 wurden ihm 10.000 Francs für eine Skulptur freier Themenwahl bewilligt, woraufhin die Gruppe Lapithe et Centaure entstand. Mit dem Gipsmodell dieser Skulptur und dem des Jaguar et lièvre nahm er 1850/51 erstmals wieder am Salon teil.

Von 1848 bis 1850 war er Direktor der Abteilung für Gipsabgüsse (Atelier des Moulages) im Louvre. Er war wiederholt Mitglied der Salonjury und 1855 auch der Jury der Weltausstellung in der Sektion Bildende Kunst. Dort erhielt er für eine in der Industrieabteilung gezeigte Serie von Kleinbronzen die Grande Médaille d’Honneur. Im selben Jahr wurde er zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. Von 1854 bis 1875 lehrte er als Professeur de dessin pour la zoologie am Muséum national d’histoire naturelle. Im Zusammenhang mit dem Ausbau des Louvre unter Napoleon III. erhielt er mehrere Aufträge (siehe Werk). 1863 wurde er Präsident der Beratenden Kommission der Union Centrale des Arts Appliqués et de l'Industrie und 1868 Mitglied der Académie des Beaux-Arts im Institut de France.

Antoine-Louis Barye starb am 25. Juni 1875 in Paris und wurde auf dem Friedhof Père-Lachaise beigesetzt. 1894 wurde ihm am Pont de Sully (heute Square Barye) ein Denkmal errichtet.

Werk

Antoine-Louis Barye: Ruhender Tiger, Mitte des 19. Jahrhunderts, Öl auf Leinwand. Louvre, Paris

Antoine-Louis Baryes Schaffen ist vor allem durch seine plastischen Werke geprägt. Daneben blieb er zeitlebens als Maler tätig. Ein wichtiger Teil seines Œuvres sind naturnahe Aquarelle mit Landschafts- und Tierdarstellungen, für die er sich im Wald von Fontainebleau inspirieren ließ. Zeichnungen von Tieren entstanden in größerer Zahl während seiner Professur für Zeichnen. Gelegentlich versuchte er sich auch in der Lithografie und Radierung. Neben Tierdarstellungen entwarf er kunstgewerbliche Gegenstände wie Vasen und Kandelaber sowie einige mythologische Figuren.

Zu Lebzeiten und posthum wurden seine Werke in zahlreichen Einzelausstellungen gezeigt, darunter 1875 in der École des Beaux-Arts in Paris, 1889 in Paris und New York, 1956/57 im Louvre sowie 1988 in der Corcoran Gallery of Art in Washington. Nach seinem Tod wurden Teile seines Nachlasses im Jahr 1876 im Hôtel Drouot versteigert.

Antoine-Louis Barye: Theseus im Kampf mit dem Kentauren Biénor, 1850, Replik im Park der Viborg Katedralskole, Viborg, Dänemark

Öffentliche Werke (Auswahl)

Werke in Museen (Auswahl)

Weitere Werke (Auswahl)

Antoine-Louis Barye: Theseus im Kampf mit dem Minotauros, um 1843, Bronze, Musée du Louvre, Paris

Literatur

Commons: Antoine-Louis Barye – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Édith Mannoni: Barye. Éditions de l'amateur, Paris 1996, S. 5.
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Rita Hofereiter: Barye, Antoine-Louis. In: Allgemeines Künstlerlexikon (AKL). Band 7. Saur,, München/Leipzig 1993, S. 326–327.
Personendaten
NAME Barye, Antoine-Louis
KURZBESCHREIBUNG französischer Bildhauer und Maler
GEBURTSDATUM 24. September 1795
GEBURTSORT Paris, Frankreich
STERBEDATUM 27. Juni 1875
STERBEORT Paris, Frankreich