Anton Uesson (* 31. Dezember 1878jul. / 12. Januar 1879greg. in der Gemeinde Haimre, damals Gouvernement Estland, Russisches Kaiserreich; † 13. April 1942 in Swerdlowsk, Sowjetunion) war ein estnischer Bauingenieur und Politiker.
Er zählte zu den prägenden Kommunalpolitikern in der Republik Estland der Zwischenkriegszeit. Mit einer Amtszeit von insgesamt rund siebzehn Jahren war er der bislang am längsten amtierende Bürgermeister der estnischen Hauptstadt Tallinn (deutsch Reval).
Uesson wurde 1879 als Sohn des Landwirts Jaan Uesson (1833–1901) und seiner Ehefrau Ann Uesson (geborene Mänd, 1849–1933) geboren.
Nach dem Besuch der orthodoxen Kirchspielschule in Velise (heute Kreis Rapla) von 1887 bis 1891 wechselte er an das orthodoxe Geistliche Seminar in der livländischen Hauptstadt Riga und schloss es 1902 ab.
Im selben Jahr nahm er ein Studium des Bauingenieurwesens am Polytechnischen Institut in Riga (heute Technische Universität Riga) auf. Nach einer Unterbrechung 1905/06 schloss er es 1910 mit dem Diplom ab.
Bereits 1909, ein Jahr vor seinem Studienabschluss, trat Uesson in Tallinn in das Bau- und Ingenieurbüro des damaligen Tallinner Bürgermeisters Voldemar Lender (1876–1939) ein. 1912 machte sich Uesson als Planer und Bauleiter selbständig. Insgesamt wurden etwa 300 Gebäude in Tallinn nach seinen Entwürfen errichtet. Insbesondere viele der damals entstandenen zwei- bis dreigeschossigen Arbeiter-Holzhäuser mit gemauerten Treppenhäusern in den Stadtteilen Pelgulinn und Kalamaja gehen auf seine Planungen zurück. Besonders der Jugendstil hatte es Uesson angetan.
Uesson war Vorsitzender der 1917 gegründeten Estnischen Technischen Gesellschaft (Eesti Tehnika Selts). Diese bot ab September 1918 technische Sonderkurse an, aus denen das Tallinner Technikum (Tallinna Tehnikum) und die heutige Technischen Universität Tallinn hervorgingen.
Ab 1913 gehörte Uesson unter Bürgermeister Jaan Poska dem Stadtrat von Tallinn an. Nach der Ausrufung der Republik Estland 1918 trat Uesson der Estnischen Arbeitspartei (Eesti Tööerakond) bei, einer der führenden Parteien des demokratischen Estland.
Nach den Kommunalwahlen 1919 wählte die Stadtverordnetenversammlung Uesson am 17. Juli 1919 zum Bürgermeister von Tallinn. Er übte dieses Amt bis 1934 ununterbrochen aus. Von 1934 bis 1938 war er stellvertretender Bürgermeister Tallinns, ehe er 1938 erneut zum Bürgermeister unter Oberbürgermeister Jaan Soots gewählt wurde. Er hatte dieses Amt bis zur sowjetischen Besetzung Estlands im Sommer 1940 inne. Damit stand er länger als jeder andere Bürgermeister in der Geschichte der Stadt an der Spitze der Stadtverwaltung. Von 1920 bis 1940 war er außerdem Vorsitzender des Estnischen Städtetags (Eesti Linnade Liit).
Auch auf nationaler Ebene war Uesson politisch aktiv: Von 1920 bis zu seinem Rücktritt am 28. Oktober 1922 gehörte er als Abgeordneter der ersten Legislaturperiode des estnischen Parlaments (Riigikogu) an.
Nach der Neuordnung der politischen Verhältnisse nach 1934 unter dem autoritär regierenden Staats- und Regierungschef Konstantin Päts war Uesson 1937 Mitglied der Ersten Kammer der Rahvuskogu, der verfassunggebenden Versammlung der Republik Estland, die vom 18. Februar bis zum 17. August 1937 zusammentrat und die neue estnische Verfassung von 1938 ausarbeitete. Auf Grundlage der neuen Verfassung wurde Uesson im März 1938 Mitglied der Zweiten Kammer des Riigikogu, des Riiginõukogu. Diesem gehörte er bis zur sowjetischen Besetzung des Landes 1940 an.
Mit der sowjetischen Besetzung Estlands 1940 gehörte Uesson zu den zahlreichen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Persönlichkeiten Estlands, die von den sowjetischen Sicherheitsbehörden verfolgt wurden. Im Zuge der Juni-Deportationen wurde er 1941 zusammen mit seiner Frau Julie festgenommen. Während sie in die Oblast Kirow deportiert wurde, kam Uesson in das Lager Sosswa in der Oblast Swerdlowsk. Dort wurde er im Februar 1942 zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 13. April 1942 in Swerdlowsk (heute Jekaterinburg) vollstreckt.
Anton Uesson war ab 1912 mit Julie Uesson (geborene Hallik, 1887–1980) verheiratet. Das Paar hatte zwei Kinder, den Sohn Paul (1913–1994) und die Tochter Anna (1914–1989).
Die Stadt Tallinn vergibt jährlich ein Anton-Uesson-Stipendium an Studierende der Estnischen Kunstakademie für Arbeiten zu Stadtplanung und Architektur.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Uesson, Anton |
| KURZBESCHREIBUNG | estnischer Bauingenieur und Politiker, Bürgermeister von Tallinn |
| GEBURTSDATUM | 12. Januar 1879 |
| GEBURTSORT | Gemeinde Haimre, Gouvernement Estland, Russisches Kaiserreich |
| STERBEDATUM | 13. April 1942 |
| STERBEORT | Swerdlowsk, Sowjetunion |