Antonius Lipsmeier

Antonius Lipsmeier (* 7. Mai 1937 in Oelde) ist deutscher Pädagoge mit Schwerpunkt Berufspädagogik.

Leben

Antonius Lipsmeier erwarb an der Städtischen Realschule Oelde 1954 die Mittlere Reife und absolvierte danach bis 1957 eine Lehre als Maschinenschlosser bei der Westfalia Separator AG in Oelde. Er besuchte von 1957 bis 1959 das kurz zuvor errichtete Institut zur Erlangung der Hochschulreife in Oberhausen und erlangte dort das Abitur. Ab dem Sommer 1959 studierte er an der Universität Saarbrücken im Studiengang für das Gewerbelehramt das Hauptfach Metallgewerbe (Schwerpunkt: Metallphysik und Werkstofftechnik) mit dem Nebenfach Volkswirtschaftslehre sowie Pädagogik/Berufspädagogik. Er legte 1963 das erste und 1965 das zweite Staatsexamen ab.

Nach kurzer Schultätigkeit wurde er 1965 Wissenschaftlicher Assistent bei Pädagogikprofessor Heinrich Abel an der Technischen Universität Darmstadt. Abel starb im Dezember gleichen Jahres und Lipsmeier wechselte als Assistent im Gewerbelehrerstudiengang an die Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover (TH Hannover), wo er 1969 zu Dr. phil. promoviert wurde (mit einer Dissertation über Unterrichtsforschung als Unterrichtsgeschichte, dargestellt an der Entwicklung des Unterrichts im Technischen Zeichnen).

Von 1970 bis 1972 ließ er sich an die Gesamthochschule Kassel abordnen, um als Mitglied der ministeriellen Projektgruppe diese Hochschule mit aufzubauen. Zwischenzeitlich habilitierte er 1971 in Berufspädagogik an der TU Hannover (kumulativ auf der Basis der mit Auszeichnung bewerteten Dissertation) und versah ein Jahr eine Lehrstuhlvertretung an der Universität Münster (Blankertz) mit zwischenzeitlichen Ernennungen zum Akademischen Rat und Oberrat. Von 1972 bis 1979 bekleidete er die Professur für Berufspädagogik an der Gesamthochschule Kassel, an der er die Aufbaustudiengänge für Fachhochschulabsolventen (Techniklehrer und Wirtschaftslehrer) als Leiter der ministeriellen Planungskommissionen etablierte.

1979 nahm er den Ruf auf die Professur für Berufliche Weiterbildung an der Fernuniversität Hagen an, für deren Gründung er schon in den Jahren 1974 bis 1976 als Mitglied der ministeriellen Planungsgruppe tätig gewesen war. Er wechselte 1988 an die Universität Karlsruhe.

Wissenschaft

Lipsmeier veröffentlichte mehr als 300 Bücher und Aufsätze. Ein Schwerpunkt liegt in der Gewerbelehrerausbildung, da er vom Beginn seiner Hochschullehrertätigkeit an der Gesamthochschule Kassel (1972) und auch später an der Universität Karlsruhe (seit 1988) mit der Konzeptionierung oder der Reform dieses Studienganges befasst war. Zudem war er von 1997 bis 2005 Lehrerbildungsexperte im Hauptvorstand des Bundesverbandes der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen (BLBS).

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Curriculumforschung/-entwicklung sowie der Didaktik und Methodik von schulischer und betrieblicher Berufsausbildung. Hier hat er sich mit Aspekten von Didaktik und Methodik wie Ganzheitlichkeit sowie dem selbständigen Planen, Durchführen und Kontrollieren auseinandergesetzt und nachgewiesen, dass diese Aspekte überwiegend über eine lange Tradition in der beruflichen Bildung verfügen.

Ein dritter Akzent in seinem Werk liegt in der beruflichen Weiterbildung. Anfang der achtziger Jahre bekleidete er an der Fernuniversität Hagen eine der beiden Spezialprofessuren, die in der BRD hierfür geschaffen worden waren.

Mehrere Abhandlungen betreffen die Geschichte sowie die Struktur und Organisation der beruflichen Bildung, zumeist in allgemeiner Thematisierung, aber auch Spezialaspekte wie die Problematik vollschulischer Berufsbildung, die Lernortdifferenzierung und die Lernfeldorientierung (2000a; 2004) oder auch vergleichende/internationale Aspekte umfassend.

Im Kontext seiner Mitgliedschaft in der DFG-Senatskommission für Berufsbildungsforschung sind Veröffentlichungen zu dieser Thematik zu verorten wie sein Artikel zu den Möglichkeiten und Problemen der Kooperation in der Berufsbildungsforschung zwischen dem Bundesinstitut für Berufsbildung und den Universitäten und sein Überblicksartikel zur Geschichte dieser Forschung im Rauner-Handbuch.

Den Abschluss seiner Publikationstätigkeiten bildet wohl die Realisierung einer schon seit Jahrzehnten gehegten Idee mit entsprechenden Vorarbeiten, nämlich die Herausgabe (zusammen mit D. Münk) des Biographischen Handbuchs der Berufs- und Wirtschaftspädagogik sowie des beruflichen Schul-, Aus-, Weiterbildungs- und Verbandswesens, das 2019 erschien.

Ehrungen und Auszeichnungen

Weitere Aktivitäten

Schriften (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Adolf Kell: Berufsbildung in der Bundesrepublik Deutschland : Analyse u. Kritik. Schroedel, Hannover 1976, ISBN 3-507-91847-1.
  2. ↑ Antonius Lipsmeier: Berufliche Weiterbildung in West- und Osteuropa e. Arbeitsbuch. 1. Auflage. Baden-Baden 1987, ISBN 978-3-7890-1269-3.
  3. ↑ Shuxiang Li, Kaifeng Zhang, Xiaoliang Sun: Letter to the Editor regarding “Extracorporeal shockwave therapy for the treatment of knee osteoarthritis: a meta-analysis”. In: International Orthopaedics. Band 44, Nr. 5, 29. Februar 2020, ISSN 0341-2695, S. 1017–1017, doi:10.1007/s00264-020-04515-y.
  4. ↑ Arnold Rolf: Handbuch der Berufsbildung. [Place of publication not identified] 2013, ISBN 978-3-322-93636-3.
  5. ↑ Bernadette Dilger: Editorial. In: Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik. Band 115, Nr. 3, 2019, ISSN 0172-2875, S. 351, doi:10.25162/zbw-2019-0015.
  6. ↑ Ute Clement: Berufsbildung zwischen Struktur und Innovation. Band 17. Stuttgart 2003, ISBN 978-3-515-08335-5.
  7. ↑ Dieter Euler: Theoretische Fundierung. Bertelsmann, Bielefeld 2004, ISBN 3-7639-3096-5.
  8. ↑ Rolf Arnold: Grenzgänge(r) der Pädagogik. Baltmannsweiler 2009, ISBN 978-3-8340-0639-4.
  9. ↑ Felix Rauner: Handbuch der Berufsbildungsforschung. Bielefeld 2005, ISBN 978-3-7639-3167-5.
  10. ↑ Antonius Lipsmeier: Der Bachelor-Lehrer – Retter oder Bestatter des beruflichen Schulwesens? In: Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik. Band 113, Nr. 4, 2017, ISSN 0172-2875, S. 676–680 (steiner-verlag.de [abgerufen am 13. November 2021]).
  11. ↑ Antonius Lipsmeier, Dieter Münk, Simon Lehmkuhl, Franz Steiner Verlag: Biographisches Handbuch der Berufs- und Wirtschaftspädagogik sowie des beruflichen Schul-, Aus-, Weiterbildungs- und Verbandswesens. [1. Auflage]. Stuttgart 2019, ISBN 978-3-515-12188-0.
  12. ↑ Dieter Münk: Antonius Lipsmeier wird 80. In: Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik. Band 113, Nr. 2, 2017, ISSN 0172-2875, S. 348–351 (steiner-verlag.de [abgerufen am 13. November 2021]).
Personendaten
NAME Lipsmeier, Antonius
KURZBESCHREIBUNG deutscher Pädagoge
GEBURTSDATUM 7. Mai 1937
GEBURTSORT Oelde