Antroquinonol

Strukturformel
Struktur von Antroquinonol
Allgemeines
Name Antroquinonol
Andere Namen
  • Antroquinonol A
  • (+)-Antroquinonol
  • (4R,5R,6R)-4-Hydroxy-2,3-dimethoxy-6-methyl-5-[(2E,6E)-3,7,11-trimethyldodeca-2,6,10-trienyl]cyclohex-2-en-1-on (IUPAC)
Summenformel C24H38O4
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 1010081-09-0
PubChem 24875259
DrugBank DB12326
Wikidata Q27133859
Eigenschaften
Molare Masse 390,56 g·mol−1
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung
keine Einstufung verfügbar
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Antroquinonol, auch Antroquinonol A, ist ein aus dem kultivierten Myzel des Pilzes Taiwanofungus camphoratus isolierter Naturstoff. Chemisch handelt es sich um ein substituiertes Cyclohexenon mit einer von einem Sesquiterpen abgeleiteten Seitenkette. Die Verbindung besitzt drei Stereozentren und liegt als (4R,5R,6R)-Isomer vor.

Isolierung und Synthese

Antroquinonol wurde 2007 aus dem durch Feststofffermentation gewonnenen Myzel von Taiwanofungus camphoratus isoliert, das in der Veröffentlichung noch mit dem Synonym Antrodia camphorata genannt wurde. Die Struktur wurde durch spektroskopische Untersuchungen bestimmt und die Verbindung als Derivat der Ubichinone beschrieben.

Die erste Totalsynthese von (+)-Antroquinonol wurde 2015 veröffentlicht. 2016 wurde eine enantioselektive, für größere Stoffmengen geeignete Synthese in sechs Reaktionsschritten beschrieben.

Pharmakologische Forschung

In der Erstveröffentlichung wurde eine zytotoxische Wirkung auf mehrere menschliche Brust-, Leber- und Prostatakrebszelllinien genannt. In späteren Zellkultur- und Tierstudien wurde Antroquinonol unter anderem in Modellen des Glucose- und Fettstoffwechsels sowie verschiedener Tumorerkrankungen untersucht.

Synthetisches (+)-Antroquinonol erhöhte in Zell- und Mausmodellen der Insulinresistenz die Aktivität der AMP-aktivierten Proteinkinase und die Verlagerung des Glucosetransporters GLUT4 an die Zellmembran. Zugleich hemmte es die Dipeptidylpeptidase 4.

Bei Ratten mit einer energiereichen Ernährung war die Gabe von Antroquinonol mit einer geringeren Fettansammlung in der Leber und im Nebenhodengewebe verbunden. Beschrieben wurden außerdem Veränderungen der AMP-aktivierten Proteinkinase, des sterolregulatorischen Element-bindenden Proteins 1 und der Fettsäuresynthase.

Mehrere frühe Arbeiten berichteten antitumorale Wirkungen in Zellkulturen und Tiermodellen. Eine erneute Untersuchung mit synthetischem Antroquinonol fand 2016 in den verwendeten Zelllinien und Tumormodellen dagegen nur eine geringe Wirkung.

Klinische Entwicklung

In einer offenen Phase-I-Studie wurde Antroquinonol bei 13 Patienten mit metastasiertem nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom untersucht, deren Erkrankung nach mehreren vorausgegangenen Behandlungen fortgeschritten war. Die Patienten erhielten täglich 50 bis 600 Milligramm Antroquinonol. Bei keiner Dosis trat eine dosisbegrenzende Toxizität auf. Als häufigste behandlungsbezogene unerwünschte Ereignisse wurden Durchfall, Erbrechen und Übelkeit angegeben. Bei drei Patienten blieb die Tumorgröße während der Untersuchung stabil.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 2016 wurde Antroquinonol in den Vereinigten Staaten und Taiwan in Phase-II-Studien gegen das nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom untersucht. Nach erfolgreichem Abschluss der klinischen Entwicklung sollte es unter dem Handelsnamen Hocena vermarktet werden. Die US-amerikanische Food and Drug Administration hatte Antroquinonol 2015 außerdem den Orphan-Drug-Status für die Behandlung des Pankreaskarzinoms und der akuten myeloischen Leukämie erteilt.

In derselben Arbeit zeigte synthetisches Antroquinonol in mehreren Tumorzelllinien eine drei- bis siebzigfach geringere zytotoxische Wirkung als zuvor für den isolierten Naturstoff angegeben. Bei der für das Bronchialkarzinom untersuchten A549-Zelllinie lag die Wirkung im hohen mikromolaren Bereich. Auch im verwendeten Tiermodell zeigte sich keine überzeugende antitumorale Wirkung. Die Autoren hielten daher sehr hohe Konzentrationen oder einen noch unbekannten aktiven Metaboliten für erforderlich, um eine mögliche klinische Wirkung beim nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom zu erklären.

Vorkommen in Novel Food

Die Europäische Kommission genehmigte 2022 gefriergetrocknetes Myzelpulver von Taiwanofungus camphoratus als Novel Food. Die Genehmigung betrifft den Pilzstamm BCRC 39106 und ein festgelegtes Herstellungsverfahren. Die Spezifikation schreibt für das Pulver einen Antroquinonolgehalt von 1,0 bis 20,0 Milligramm je Gramm vor. Gegenstand der Genehmigung ist das Myzelpulver, nicht isoliertes Antroquinonol.

Einzelnachweise

  1. ↑ Dieser Stoff wurde in Bezug auf seine Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  2. ↑ Antroquinonol. In: PubChem. National Center for Biotechnology Information, abgerufen am 30. August 2026 (englisch).
  3. 1 2 Tzong-Huei Lee, Ching-Kuo Lee, Wan-Lin Tsou, Sheng-Yung Liu, Mao-Tien Kuo, Wu-Che Wen: A New Cytotoxic Agent from Solid-State Fermented Mycelium of Antrodia camphorata. In: Planta Medica. Band 73, Nr. 13, 2007, S. 1412–1415, doi:10.1055/s-2007-990232 (englisch).
  4. ↑ Rohidas S. Sulake, Chinpiao Chen: Total synthesis of (+)-antroquinonol and (+)-antroquinonol D. In: Organic Letters. Band 17, Nr. 5, 2015, S. 1138–1141, doi:10.1021/acs.orglett.5b00046 (englisch).
  5. 1 2 3 4 Matthew T. Villaume, Eran Sella, Garrett Saul, Robert M. Borzilleri, Joseph Fargnoli, Kathy A. Johnston, Haiying Zhang, Mark P. Fereshteh, T. G. Murali Dhar, Phil S. Baran: Antroquinonol A: Scalable Synthesis and Preclinical Biology of a Phase 2 Drug Candidate. In: ACS Central Science. Band 2, Nr. 1, 2016, S. 27–31, doi:10.1021/acscentsci.5b00345 (englisch).
  6. ↑ C. Y. Hsu, R. S. Sulake, P.-K. Huang, H.-Y. Shih, H.-W. Sie, Y.-K. Lai, C. Chen, C. F. Weng: Synthetic (+)-antroquinonol exhibits dual actions against insulin resistance by triggering AMP kinase and inhibiting dipeptidyl peptidase IV activities. In: British Journal of Pharmacology. Band 172, Nr. 1, 2015, S. 38–49, doi:10.1111/bph.12828 (englisch).
  7. ↑ Jiun-Rong Chen, Wan-Ju Yeh, Hsiu-Yun Tan, Hsin-Yi Yang: Antroquinonol Attenuated Abdominal and Hepatic Fat Accumulation in Rats Fed an Obesogenic Diet. In: Journal of Food Science. Band 84, Nr. 9, 2019, S. 2682–2687, doi:10.1111/1750-3841.14746 (englisch).
  8. ↑ Yu-Chin Lee, Ching-Liang Ho, Woei-Yau Kao, Yuh-Min Chen: A phase I multicenter study of antroquinonol in patients with metastatic non-small-cell lung cancer who have received at least two prior systemic treatment regimens, including one platinum-based chemotherapy regimen. In: Molecular and Clinical Oncology. Band 3, Nr. 6, 2015, S. 1375–1380, doi:10.3892/mco.2015.642 (englisch).
  9. ↑ Search Orphan Drug Designations and Approvals. Food and Drug Administration, abgerufen am 30. August 2026 (englisch, Antroquinonol; Orphan Designation: Treatment of pancreatic cancer).
  10. ↑ Search Orphan Drug Designations and Approvals. Food and Drug Administration, abgerufen am 30. August 2026 (englisch, Antroquinonol; Orphan Designation: Treatment of acute myeloid leukemia).
  11. ↑ Durchführungsverordnung (EU) 2022/2535 der Kommission vom 21. Dezember 2022 zur Genehmigung des Inverkehrbringens von Antrodia-camphorata-Myzelpulver als neuartiges Lebensmittel. Europäische Kommission, 21. Dezember 2022, abgerufen am 5. August 2026.