Apadana

Apadana, Rekonstruktion durch Charles Chipiez, 1884

Der Apadana (altpersische Transkription: apadāna-; altpersische Transliteration: a-p-d-a-n-, Maskulinum) wurde als Begriff am Ende des 19. Jahrhunderts in die archäologische Fachsprache übernommen. Er bezeichnet gewöhnlich die großen Audienzhallen der persischen Könige in Persepolis und Susa. Erstmals lässt sich das Wort in Inschriften aus Susa und Hamadan des persischen Königs Artaxerxes II. nachweisen. Für den Ursprung des altpersischen Wortes und seine Bedeutung gibt es verschiedene Rekonstruktionen, die sich aber nicht durchgesetzt haben.

Etymologie

Mit Beginn der archäologischen Ausgrabungen in Persepolis wiesen die Archäologen den ausgegrabenen Gebäuden Namen und Funktionen zu. Insbesondere der deutsche Archäologe Ernst Herzfeld prägte Bezeichnungen wie „Tripylon“, „Hundert-Säulen-Palast“, „Harem“ und „Apadana“. Die Namen wurden von Erich Friedrich Schmidt und weiteren Archäologen übernommen und werden in der Forschung bis heute verwendet.

Der Begriff Apadana (altperisch apadāna-, elamisch ha-ba-da-na, babylonisch ap-pa-da-an) ist erstmals von den Inschriften des persischen Königs Artaxerxes II. überliefert. Sowohl die Inschrift A2Sa aus Susa wie auch die drei Inschriften A2Ha, A2Hb und A2Hd aus Hamadan befinden sich auf Säulenbasen. Die Herkunft dieses architektonischen Begriffs ist unklar, da das Wort ohne gesicherte Analyse und etymologische Deutung ist.

Da für die große Säulenhalle in Persepolis weder Gründungsurkunden noch monumentale Inschriften vorlagen, die ihren ursprünglichen Namen überlieferten, benannte Ernst Herzfeld das Bauwerk auf Grundlage der Inschriften Artaxerxes’ II. als „Apadana“. Er interpretierte das Gebäude als den öffentlichen Bereich des königlichen Palastes. In der Folge entwickelte sich der Begriff zu einem Synonym für eine repräsentative, massive Säulenhalle.

Der Apadana in Persepolis

Überreste des Apadana in Persepolis
Rekonstruktion des Apadana-Dachs durch Charles Chipiez, 1884

Besonders berühmt ist die unter Dareios I. geschaffene Säulenhalle von Persepolis, der Residenz des altpersischen Weltreichs der Achämeniden im südlichen Iran. Sie war zur Zeit ihrer Errichtung die weltweit größte Säulenhalle und kann mit ihren hunderten Reliefs als eines der antiken Weltwunder gelten und diente als Empfangs- bzw. Audienzsaal der Herrscher. Das ist unter anderem aus Details der Reliefs der Apadana-Stiegenaufgänge zu ersehen, auf denen die Könige und ihre Untertanen dargestellt sind. Nebenan steht die ähnlich prachtvolle Hundertsäulenhalle.

Der Apadana hatte bei seiner Erbauung vor 2500 Jahren einen gedeckten Innenraum von 3600 m² und 36 reichverzierte, 20 m hohe Säulen, von denen bei der Zerstörung 330 v. Chr. durch die Armee Alexander des Großen nur wenige Reste stehenblieben. Bis zur teilweisen Restaurierung im 20. Jahrhundert war lediglich eine Säule erhalten. Die anderen wurden zum Bau umliegender Ortschaften verwendet, vor allem nach der Eroberung durch die Araber um 640 unter Umar ibn al-Chattab, dem zweiten Kalifen des Islam von 634 bis 644. Damals wurde auch die nahegelegene Stadt Istachr und Residenz der Sassaniden, wo viele Steine von Persepolis verbaut waren, zerstört.

Da den islamischen Geografen die Bedeutung des halbverfallenen Apadana unbekannt war, nannten sie den Ort später „Masdjed-e-Chehel Minar“ (Masǧed-e čehel minar; „Moschee der 40 Minarette“).

Die weltberühmten steinernen Reliefs waren der Hauptgrund für die UNESCO, diese Stätte um 1990 in die Liste des Weltkulturerbes aufzunehmen.

1971 fand in Persepolis ein Teil der Feierlichkeiten der 2500-Jahr-Feier der Iranischen Monarchie statt.

Literatur

Commons: Apadana – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Rüdiger Schmitt: Wörterbuch der altpersischen Königsinschriften. Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-95490-017-6.
    1. ↑ S. 48 und 132.
    2. ↑ Die Inschrift A2Hd schreibt upadāna- statt apadāna-, S. 113.
    3. ↑ S. 80 und 113.
    4. ↑ S. 132.
  2. Shahrokh Razmjou: Persepolis: A Reinterpretation of Palaces and Their Funktion. In : John Curtis, St. John Simpson: The world of Achaemenid Persia. London 2010, S. 231–245.
    1. 1 2 S. 231.
  3. ↑ Rüdiger Schmitt, David Stronach: APADĀNA. In: Ehsan Yarshater (Hrsg.): Encyclopædia Iranica. Band 2 (2), 1987, ISBN 0-7100-9110-9, S. 145–148 (englisch, iranicaonline.org, Stand: 5. August 2011 – mit Literaturangaben).
  4. ↑ Erich Friedrich Schmidt: Persepolis. I: Structures, Reliefs, Inscriptions. (= Oriental Institute Publications. Band 68). University of Chicago Press, Chicago 1953, S. 70. (oi.uchicago.edu)
  5. ↑ Michael Alram: Die Kunst im Sasanidenstaat. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 263–295, hier: S. 266.

Koordinaten: 29° 56′ 6,4″ N, 52° 53′ 22,4″ O