| Apophis in Hieroglyphen | ||||
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Apep | |||
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| Transkription | ˁ3pp | |||
| Griechisch | Ἄπωφις (Apophis) | |||
(TT359, Grab des Inihercha) | ||||
Der altägyptische Gott Apophis, auch Apep(i) (altgriechisch Ἄποφις Ápophis, koptisch Ⲁⲫⲱⲫ Aphōph), ist die Verkörperung von Auflösung, Finsternis und Chaos (Isfet) und zugleich der große Widersacher von Maat, der Tochter des Sonnengottes Re.
Apophis wird als wird als riesige Schlange oder Schildkröte dargestellt, zumeist von übernatürlicher Größe und mit zahlreichen Windungen. In den meisten Darstellungen wird die Schlangengottheit gebändigt, besiegt oder getötet, um den Sieg des Guten darzustellen. Eine der häufigsten Darstellungen beruht auf Spruch 17 des Totenbuches. Re selbst oder die Göttin Hathor in Gestalt der Katze des Re, auch genannt Katze von Heliopolis, tötet und verstümmelt die Schlange mit einem Messer. In einigen Tempelszenen wird auch der Pharao im Kampf mit einem runden Objekt abgebildet, welches das Auge des Apophis symbolisiert.
Apophis wurde, da er das Böse symbolisierte, nicht in einem formellen Kult verehrt. In Form des antagonistischen Gottes oder Dämons fand er jedoch Eingang in die ägyptische Mythologie. Er wurde mit Naturphänomenen wie Stürmen und Erdbeben in Verbindung gebracht. Er stellte eine dauerhafte Gefahr für die kosmische Stabilität Maat dar, so dass man ihn mit magischen Ritualen zu besänftigen versuchte.
Das Buch des Apophis stellt eine aus dem Neuen Reich stammende Sammlung solcher Rituale und Texte dar. Der am besten erhaltene Text findet sich auf dem Papyrus Bremmer-Rhind, der sich heute im Britischen Museum befindet. Er entstand im 4. Jahrhundert v. Chr.
Der Name und Glaube an Apophis ist zuerst in einer Inschrift des Grabes des Anchtifi von Mo’alla, des Burggrafen und Gaufürsten von Hierakonpolis und Edfu namentlich bezeugt. Datiert wird sie von der Forschung in die 9.=10. Dynastie der sogenannten Erste Zwischenzeit der Herakleopolitendynastie etwa 2150 v. Chr. Anchtifi rühmt sich, bei einer schweren Hungersnot, der schon viele Menschen mit ihrem Leben zum Opfer gefallen waren, neben seinen eigenen Gauen nicht nur Elephantine und Wawat mit Getreide versorgt und vom drohenden Hungertod gerettet zu haben, sondern auch Oberägypten bis hinauf nach Ombos und Abydos. Freilich konnte er den Erfolg nur dadurch erzielen, dass er mit seinen Soldaten die Nachbargaue plünderte. Er erklärt die schweren Naturkatastrophen der ungenügenden Nilüberschwemmungen, die mit ihren Ernteausfällen schlimmste Hungersnöte zur Folge hatten, auf der mythischen Ebene mit den erfolgreichen Angriffen des Chaosdrachens Apophis. Es sei diesem gelungen, durch Ausschlürfen des Wassers auf seiner „Sandbank“ die nächtliche Fahrt der Sonnenbarke des Götterkönigs und Sonnengottes Re immer wieder zum Stillstand gebracht und nicht nur den täglichen Aufgang der Sonne, sondern auch die Nilschwellen des Neujahrbeginns verhindert zu haben. Dem Grabinhaber Anchtifi von Mo'alla war also der Mythos von der Sandbank des Apophis bestens vertraut. Das muss auch schon für die Pharaonen des Alten Reichs vor dessen Zusammenbruch gegolten haben. Doch als „Ma'at'“-Verwirklicher und „Isfet“-Vernichter par excellence hätten sie nie Apophis in ihren Inschriften mit Namen genannt. Das hätte ihm eine personale Quasi-Existenz verliehen. Ihm, dem größten Gefährder der göttlichen Schöpfungsordnung überhaupt. Da war es ein Gebot der sprachlichen Kommunikation, die tödlichen Gefahren, mit denen Apophis im ewigen Kreislauf von Angriff und Vernichtung den Bestand und Erhalt der göttlichen Schöpfungsherrschaft des Sonnengottes Re, seiner Tochter Ma’at und des Pharaos als der irdischen Erscheinungsform und Inkarnation des Sonnengottes Horus aus der feindlichen Unwelt des Nicht-Seins bedrohte, nicht durch Nennen seines personalen Namens zu legitimieren, sondern vielmehr durch diskretes Verschweigen zu delegitimieren. Neuartig war nun, dass sich Anchtifi an dieses Tabu nicht mehr gebunden fühlte: Die Inschrift des Anchtifi aus Mo´alla.:
„Anchtifi als Versorger des Landes in der Hungernot (Pfeiler IV. 1-30 und V.β.1-V.γ.2, ehemals Inschrift 10 und 12) hier: ( 83=IV.9) ‚…(jedermann) starb (84=IV.10) wegen des Hungerns auf dieser Sandbank des Apophis…‘“
Der Tabubruch des Anchtifi ist Kennzeichen eines völlig neuartigen Menschenbildes, das generell die Erste Zwischenzeit und speziell die mächtigen Gaufürsten und Warlords dieser Epoche prägte: Untereinander verfeindet kämpften sie mit ihren Truppen eigenverantwortlich, autonom, selbstherrlich und eigennützig um die Vormachtstellung im Staate. Es ist die universalhistorisch bedeutsame Zeitenwende der „Geburt des Individuums“ oder „Entdeckung der Individualität“ bzw.„Schöpfung des inneren Menschen“ Dahinter steht die Erkenntnis von der Individualität des einzelnen Menschen und Absage an alle Bindungen. Der Mensch schafft sich seine Welt „aus eigener Kraft“, wie die Texte der 1. Zwischenzeit immer wieder betonen. Urbild des so denkenden Individuums ist der mächtige Warlord und Gaufürst von Hierakonpolis und Edfu, Anchtifi von Mo´alla. Aus der Unabhängigkeit und erfolgreichen Bewältigung von Krisensituationen in seinem begrenzten Herrschaftsbereich bezieht er ein bis zur Selbstherrlichkeit gesteigertes Selbstbewusstsein. So lobt er sich in seiner Grabinschrift wie folgt:
„...Ich bin der Anfang des Menschen, denn: es gab (bisher) noch nicht Meinesgleichen und wird es (auch) nicht (wieder) geben; Meinesgleichen war (vorher) noch nicht geboren worden und wird auch nicht (wieder) geb(oren)werden. Ich habe übertroffen, was meine Vorfahren geleistet haben und meine Nachfahren werden mich (auch) in diesem Aeon (lit. Million an Jahren) nicht erreichen bezüglich all dessen, was ich geleistet habe.“
Am Schluss des Selbstlobes betont er zusammenfassend: „Ein Mannsbild (ohne)Gleichen bin ich,“ um den Satz im Text stereotyp zu wiederholen. Sein übersteigertes Selbstbewusstsein artet am Schluss der Grabinschrift in Hybris aus, wenn er sich mit zahlreichen Göttern und Göttinnen gleichsetzt.:
„Ich bin der Allervornehmste, ich bin Ha(pi, der Herr der Rinder), Se(ch)at-Heru, der Herr (sc. und die Herrin) der Kühe, Neper, der Herr der "Schmal-Gerste",Tayt, der Herr (sc. die Herrin, Beiname der zweigeschlechtlichen Himmelskönigin Neith von Sais) der Kleidung, (so) (sagen wirklich) alle. Es ist kein Geflunker! Ich rettete den Unterdrückten aus den Klauen des Starken, ich hatte ein offenes Ohr für die Belange der Witwe.“
Hier bekennt er sich eindeutig zur Sache der Ma'at, vermeidet aber das Wort. Das gilt generell für die zahlreichen biographischen Inschriften der Ersten Zwischenzeit. Das zeugt von einer bewussten Abkehr von der Ma'at als der zentralistischen Staatslehre des Alten Reichs. Erstmals stellt sich damit das Wesen der nun strittig und dadurch zuallererst überhaupt erst thematisierbar gewordenen Ma'at überhaupt. Die Abkehr von der Ma'at des Alten Reichs korrespondiert bei Anchtifi mit der erstmaligen Betonung der personalen Entität von Apophis und der Aufhebung des Tabus seiner Namensnennung. Das Mittlere Reich ab 2000 v. Chr. legitimierte sich im Rückgriff auf die Erfahrung der Ersten Zwischenzeit als neue Heilsepoche, in der mit der Reichseinheit und Zentralregierung (mit Sitz in einer einzigen Reichshauptstadt) Friede, Gerechtigkeit und Ordnung nach Zerfall, Krieg, Gewalt und Chaos wiederhergestellt wurden. Das eigenmächtige und selbstherrliche Handeln der gegeneinander um die Vorherrschaft kämpfender Warlords und Gaufürsten hatte zum Zusammenbruch der Zentralmacht am Ende des Alten Reichs geführt. In der Erinnerung der frühen Herrscher der 12. Dynastie verfestigten sich die Erfahrungen mit den Zuständen dieser Ersten Zwischenzeit zu einem Bild des Chaos, dessen Überwindung zum Gründungsmythos des Mittleren Reichs wird. Das Urbild dieses Typus von Gaufürst und Warlord Anchtifi agierte im historischen Rückblick geradezu als menschlicher Doppelgänger des Apophis, der Personifikation von Isfet. Sein übersteigerter Anspruch auf königliche und göttliche Ehren erschien jetzt als jene Hybris, die in dem berühmten Sargtext-Spruch 1130 (um 2000 v. Chr.) angesprochen wird. Dort begründet der Schöpfergott das Gemetzel auf Erden mit der alleinigen Schuld der Menschen, seiner Geschöpfe, die er mit der Freiheit der Willensentscheidung, gleicher Würde, gleichen Rechten und Lebenschancen geschaffen habe:
„Ich habe jedermann gleich seinem Nächsten geschaffen. Ich habe verboten, dass sie Isfet tun sollten. Aber ihre Herzen haben mein Verbot übertreten.“
In dieser ältesten Kundmachung einer allen Menschen als Geschöpfen Gottes gleichen unantastbaren Menschenwürde, verbunden mit gleichen Rechten ist Isfet als Ungleichheit unter den Menschen definiert.
„Diese liegt nicht in der Natur der Schöpfung, die auf der Ma'at basiert, sondern im Gegenteil in der Natur des menschlichen Herzens, d.h. des freien Willens, der den Menschen und nur ihnen eigenen Freiheit, aus der Schöpfungsordnung auszuscheren. Daher herrscht in der Menschenwelt Isfet, d.h. Gewalt, Unterdrückung, das Gesetz der Fische, das Recht des Stärkeren, solange nicht eine andere Ordnung hier für Gerechtigkeit sorgt.“
Und diese Ordnung der Ma'at zu verwirklichen, d. h. gegen den Naturzustand der Isfet durchzusetzen, ist nach dem Gründungsmythos des neuen „Mittleren“ Einheitsreiches wie schon im Alten Reich die Hauptaufgabe des Pharao, des einzigen göttlichen Stellvertreters des Schöpfergottes auf Erden. Die Menschen können die Ma'at nicht verwirklichen, sondern nur im Rahmen der verwirklichten Ma'at handeln. Durch die Erfahrung der Abkehr in der Ersten Zwischenzeit hat das Prinzip Ma'at seine alternativlose Selbstverständlichkeit eingebüßt. Im Rückgriff wird es nun bewusst und explizit in das geistige Zentrum des neuen Einheitsreiches gestellt und in Form der Weisheits- oder Ma'atliteratur reflektiert, thematisiert, publiziert und „zur Grundlage einer ideologischen Neuorientierung gemacht, die Literatur als Instrument staatlicher Propaganda, Erziehung, Werbung und Konsensbildung einsetzt.“ Dabei werden die großen positiven Errungenschaften der 1. Zwischenzeit beibehalten: Die Geburt des freien, autonomen, herzgeleiteten menschlichen Individuums und der personalen Entität des Apophis als Verkörperung der Isfet. Der oben zitierte Sargtext-Spruch 1130 ist nämlich der Höhepunkt und Abschluss der Spruchserie 1125-1130 des sog. Zweiwegebuches. Es ist das erste Beispiel einer Kosmographie und das Ergebnis einer staatlich geförderten Erforschung des Jenseits. Das Buch sollte jedermann nach seinem Ableben das nötige Wissen vermitteln, um sich im Jenseits zielsicher bewegen zu können. Schematische Pläne, welche zum Text gehören, sollen die Orientierung weiter erleichtern. Sie machen das Buch zum ersten wirklichen „Jenseitsführer“ und Vorbild für die Unterweltsbücher des Neuen Reiches (ab ca. 1500 v. Chr.), auch wenn ihm deren Systematik noch fehlt. Im Zentrum des letzten Abschnittes (Sprüche 1125-1130) steht die Darstellung von drei Sonnenbarken, von welchen der schlangengestaltige Apophis vom Schöpfergott und seiner Barkenmannschaft abgewehrt wird.
Die alten Ägypter nahmen an, dass Apophis seit Anbeginn der Zeit im Meer des Urchaos lebte, das schon vor der Schöpfung existierte. Seine Existenz besteht in einem ewigen Kreislauf aus Angriff und Vernichtung. Der Legende nach wurde die Sonnenbarke des Re jede Nacht während der Reise durch die Unterwelt (ägyptisch Duat) von der Schlangengottheit angegriffen. Diese musste allmorgendlich besiegt werden, damit Re seine Fahrt fortsetzen und so die Sonne aufgehen konnte. So soll Apophis die Fahrt der Barke mit den Windungen seines riesigen Schlangenkörpers behindert haben (Sandbank des Apophis). Auch soll die Schlangengottheit die Fähigkeit gehabt haben, mit ihrem Blick den Gott Re und sein Gefolge mit Ausnahme des Gottes Seth zu hypnotisieren. Seth jedoch, der im Bug der Barke stand und dem Blick der Schlange widerstehen konnte, schlug Apophis mit seinem Speer zurück und ermöglichte so den Sonnenaufgang. Im Widerspruch zu diesem Mythos wurde allerdings Seth, unter anderem der Gott des Chaos und der Gewalt, in verschiedenen Texten mit anderen bösgesinnten Gottheiten gleichgesetzt. Darunter auch mit dem Schlangengott Apophis. Dies geschah jedoch erst in der Spätzeit, als im Gegensatz zur Monstrosität des Apophis das Ansehen der Gottheit Seth als Mitglied der ägyptischen Götterfamilie weit gesunken war.
In der Neith-Kosmogonie werden Re und Apophis als Brüder bezeichnet. Die weiteren Schilderungen zeigen interessante Parallelen zum Osirismythos. In Plutarchs Darstellung des Isis- und Osiriskultes werden Re und Apophis ebenfalls als Geschwisterpaar beschrieben. Ergänzend kommt auf der Metternichstele die Erwähnung des Apophis als Nabelschnur des Re hinzu, was gleichzeitig als mythologische Begründung angesehen werden kann, warum Apophis erst nach Re geboren wird. In diesem Zusammenhang versteckt sich Re als Erstgeborener im Schilf vor Apophis.
In verschiedenen Legenden wird Apophis durch zahlreiche Götter getötet, nur um stets wieder aufzuleben als Symbol der Wiedergeburt und des ewigen Kampfes zwischen Gut und Böse. In den Sonnenhymnen wird erzählt, wie Apophis mit Messern zerstückelt oder mit Lanzen erstochen wird. Sein Blut verfärbt den Himmel bei Sonnenaufgang rot.
In den frühen Staffeln der Fernsehserie Stargate – Kommando SG-1, in der mächtige Außerirdische die Rollen antiker Gottheiten einnehmen, ist Apophis der gefährlichste Gegner der Menschheit, der u. a. einen Angriff mit Raumschiffen auf die Erde durchführt. Dies trug neben der Mythologie dazu bei, dass ein 2004 entdeckter erdnaher Asteroid die Bezeichnung (99942) Apophis erhielt.