| Aramayoit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Ary |
| Chemische Formel |
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| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Sulfide und Sulfosalze |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
II/B.12 II/C.16-020 2.HA.25 03.07.04.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | triklin |
| Kristallklasse; Symbol | triklin-pinakoidal; 1 |
| Raumgruppe | P1 (Nr. 2) |
| Gitterparameter | a = 7,76 Å; b = 8,85 Å; c = 8,23 Å α = 100,2°; β = 90,7°; γ = 103,8° |
| Formeleinheiten | Z = 6 |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 2,5 |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 5,602; berechnet: 5,88 |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach {010}, deutlich {100}, undeutlich {001} |
| Bruch; Tenazität | dünne Flocken biegsam, aber nicht elastisch |
| Farbe | eisenschwarz, an dünnen Kanten tiefblutrot |
| Strichfarbe | schwarz bis rotbraun |
| Transparenz | undurchsichtig, nahezu opak |
| Glanz | starker Metallglanz |
Aramayoit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung Ag3Sb2(Bi,Sb)S6 und besteht entsprechend aus Silber, Antimon, Bismut und Schwefel im Stoffmengenverhältnis von 3 : 2 : 1 : 6. Da bei natürlichen Aramayoiten meist ein geringer Anteil des Bismuts durch Antimon vertreten (substituiert) ist, wird dies mit runden Klammern um die beiden Elemente markiert. Zusammen stehen diese jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals. Strukturell gehört Aramayoit zu den Sulfosalzen.
Aramayoit kristallisiert im triklinen Kristallsystem und entwickelt bis zu einem Zentimeter große, silbermetallisch glänzende, aber ansonsten eisenschwarze, dünntafelige und entlang {100} und {001} gestreifte Kristalle. Diese sind zwar nahezu opak, können aber an dünnen Kanten dunkelblutrot durchscheinen. Die Strichfarbe ist schwarz bis rotbraun.
Erstmals entdeckt wurde Aramayoit 1925 in der „Animas Mine“ bei Atocha-Quechisla im bolivianischen Departamento Potosí und ein Jahr später beschrieben durch den englischen Mineralogen Leonard James Spencer (1870–1959), der das Mineral nach dem bolivianischen Grubenbesitzer Don Felix Avelino Aramayo (1846–1929) benannte.
Da der Aramayoit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Aramayoit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet. Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Aramayoit lautet „Ary“.
Das Typmaterial des Minerals wird im Natural History Museum (NHM) in London (England) unter der Inventarnummer BM 1980,532 (möglicherweise auch 1926,292 und 1940,10 sowie im Royal Ontario Museum in Toronto, Kanada unter der Inventarnummer M15125) und im National Museum of Natural History (NMNH) in Washington, D.C. (USA) unter der Inventarnummer 95553 aufbewahrt.
In der letztmals 1977 überarbeiteten und daher veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Aramayoit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung „Sulfide mit M : S = 1 : 1“, wo er gemeinsam mit Matildit, Miargyrit, Schapbachit und Volynskit in der „Miargyrit-Schapbachit-Gruppe“ mit der Systemnummer II/B.12 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/C.16-020. Dies entspricht der Abteilung „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : S,Se,Te ≈ 1 : 1“, wo Aramayoit zusammen mit Baumstarkit, Bohdanowiczit, Cuboargyrit, Matildit, Miargyrit, Schapbachit und Volynskit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/C.16 bildet.
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Aramayoit in die neu definierte Abteilung „Sulfosalze mit SnS als Vorbild“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit Cu, Ag, Fe (ohne Pb)“ zu finden, wo es zusammen mit Baumstarkit die „Aramayoitgruppe“ mit der Systemnummer 2.HA.25 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Aramayoit die System- und Mineralnummer 03.07.04.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze“. Hier findet er sich als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 03.07.04.
Aramayoit kristallisiert isotyp mit Baumstarkit im triklinen Kristallsystem in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2) mit den Gitterparametern a = 7,76 Å; b = 8,85 Å; c = 8,23 Å; α = 100,2°; β = 90,7° und γ = 103,8° sowie 6 Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Aramayoit bildet sich hydrothermal in Zinn- und Silbererzen. Begleitminerale sind unter anderem Miargyrit, Pyrit, Quarz, Stannit und Tetraedrit.
Als seltene Mineralbildung konnte Aramayoit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 40 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2026).
Außer an seiner Typlokalität „Animas Mine“ konnte Aramayoit in Bolivien noch in der „Chocaya Mine“ und den „Portugalete Minen“ gefunden werden, die alle im Municipio Atocha in der Provinz Sur Chichas liegen.
Der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist das Gebiet Silbereck-Altenbergkar (Bergbauregion Rotgülden) in der Gemeinde Muhr im Salzburger Land.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Chile, China, Frankreich, Italien, Japan, Ostsibirien, Peru, Polen, Russland, der Slowakei, Tadschikistan, Tschechien und den Vereinigten Staaten von Amerika (Alaska, Montana).