Armin Hermann

Armin Hermann (* 17. Juni 1933 in Vernon, British Columbia, Kanada; † 12. Februar 2024 in Hausham-Oberstarz) war ein deutscher Physiker und Wissenschaftshistoriker.

Leben und Wirken

Hermann wurde in Kanada geboren, wuchs aber in Oberbayern auf. Schon als Student an der Universität München schrieb er Zeitungsartikel (für die FAZ und den Münchner Merkur) über große Physiker und Chemiker, woraus 1959 und 1960 seine ersten Bücher entstanden. Er promovierte 1963 in theoretischer Physik (zum Thema Motteffekt an Elementarteilchen und Kernen mit elektromagnetischer Struktur) an der Universität München und war einige Jahre am DESY. Er wechselte aber schon bald zur Wissenschaftshistorie und wurde Assistent bei Friedrich Klemm am Forschungsinstitut des Deutschen Museums in München und habilitierte sich 1968 in Geschichte der Naturwissenschaften an der Universität München, mit einer Arbeit, die in mehrere Sprachen übersetzt wurde (Frühgeschichte der Quantentheorie).

Sie verschaffte ihm auch mehrere Rufe an Universitäten auf eine Professorenstelle, unter anderem nach Stuttgart und nach Kopenhagen (wo er das Angebot hatte, als Visiting Professor die Schriften von Niels Bohr herauszubringen). Von 1968 bis zu seiner Emeritierung 2001 war er Professor für Geschichte der Naturwissenschaften und Technik (ein damals neu geschaffener Lehrstuhl) an der Universität Stuttgart. Von 1972 bis 1973 war er Dekan der Fakultät Geschichts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Er schrieb unter anderem Biographien von Max Planck, Werner Heisenberg und Albert Einstein. 1972 verfasste er mit Mitarbeitern ein Lexikon der Physikgeschichte, das mehrfach neu aufgelegt wurde.

In den Jahren 1962 bis 1969 gab er wichtige Quellen z. B. zur Quantentheorie wie die Arbeiten Erwin Schrödingers zur Wellenmechanik in einer Reihe Dokumente der Naturwissenschaften im Battenberg Verlag heraus. Er gab mit Karl von Meyenn 1979 bis 1985 den sehr umfangreichen wissenschaftlichen Briefwechsel von Wolfgang Pauli heraus und außerdem unter anderem Briefe von Einstein und Vorträge von Planck. Er befasste sich auch mit der Physik bei den Romantikern.

Im Auftrag der Georg-Agricola-Gesellschaft fungierte er gemeinsam mit Wilhelm Dettmering und Charlotte Schönbeck als Gesamtherausgeber des zehnbändigen Sammelwerks Technik und Kultur und veröffentlichte zusammen mit dieser als Band 3 Technik und Wissenschaft sowie zusammen mit Hans-Peter Sang als Band 9 Technik und Staat.

Nachdem der baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth 1978 den Plan zur Gründung eines landesweiten Technikmuseums bekannt gab, sprach Hermann 1979 öffentlich über dessen Notwendigkeit und arbeitete für das Staatsministerium eine Denkschrift aus, die in Konsequenz zur Gründung des Landesmuseums für Technik und Arbeit in Mannheim führte. Hermann hatte von 1979 und 1999 den Vorsitz des Beirats des Museums des Museums inne.

Zitat

„Ihre selbstgestellte Doppelaufgabe – erforschen was die Welt im Innersten zusammenhält und technische Anwendung der Erkenntnis – hat die neuzeitliche Naturwissenschaft geradezu glänzend erfüllt. [...]

Die Wissenschaft hat die Macht des Menschen unermeßlich gesteigert. Der Mensch ist heute zur größten Gefahr für den Menschen geworden.“

– Armin Hermann: Was wollen die Naturwissenschaften?, 1991

Schriften (Auswahl)

Als Autor

Aufsätze
Biographien
Darstellungen

Als Herausgeber

  1. Launching the European Organization for Nuclear Research. 1987, ISBN 0-444-87037-7.
  2. Building and running the laboratory. 1954–1965. 1990, ISBN 0-444-88207-3.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Prof. Dr. Armin Hermann ist gestorben. Universität Stuttgart, 13. Februar 2024, abgerufen am 17. Februar 2024.
  2. ↑ Traueranzeige in der Süddeutschen Zeitung vom 24. Februar 2024, abgerufen am 24. Februar 2024
  3. ↑ Klaus Hentschel in OLDENBURG, 17. November 2024, https://www-mailman.uni-regensburg.de/pipermail/oldenburg/2024-February/002410.html
  4. ↑ Jörg Baldenhofer: Das Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim. Gutenberg 2016, S. 371 bzw. 320.
  5. ↑ Hartwig Lüttke: 25 Jahre Technoseum. Nichts ist spannender als Technik. Theiss, Darmstadt 2015, S. 247.
  6. ↑ Armin Hermann: Was wollen die Naturwissenschaften? In: Technik und Wissenschaft. VDI-Verlag, Düsseldorf 1991, S. 211–219, hier S. 217
  7. ↑ Parallel erschienen als siebter und achter Band von Oskar Höfling (Hrsg.): Lexikon der Schulphysik.
  8. ↑ Ergänzend dazu gab John Krige 1996 einen dritten Band heraus.
Personendaten
NAME Hermann, Armin
KURZBESCHREIBUNG deutscher Physiker und Wissenschaftshistoriker
GEBURTSDATUM 17. Juni 1933
GEBURTSORT Vernon, British Columbia, Kanada
STERBEDATUM 12. Februar 2024
STERBEORT Hausham