Aron Demetz

Aron Demetz (* 1972 in Sterzing, Südtirol) ist ein italienischer Holzbildhauer.

Künstlerischer Werdegang

Aron Demetz ist ein Künstler aus dem Grödnertal (it.: Val Gardena, lad.: Gherdëina); der Name Demetz bedeutet übersetzt von fern. Demetz lernte ab 1986 an der Kunstschule in Wolkenstein in Gröden die Holzbildhauerei und besuchte anschließend bis 1993 die dortige Landesberufsschule für Holzbildhauer, Holzschnitzer und Fassmaler. 1997/98 ergänzte er diese Ausbildung mit einem Studium der Bildhauerei bei Christian Höpfner an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg.

Seitdem bestritt Demetz eine Vielzahl von internationalen Gruppen- und Einzelausstellungen in Europa, Asien und den USA. Im Januar 2010 wurde er für drei Jahre zum Professor für Bildhauerei an die Accademia di Belle Arti in Carrara berufen und von 2020 bis 2023 Professor für Bildhauerei an der Accademia di Belle Arti in Venedig. Auf der 53. Biennale in Venedig wurde sein Holzfiguren-Ensemble Untitled im italienischen Pavillon ausgestellt.

Aron Demetz: Advanced Minorities

Seit dem Jahr 2017 leitet Demetz auch die Summeracademy Val Gardena, in welcher sich Jährlich 20 internationale Studenten für 2 Wochen intensiv mit verschiedenen Techniken aus der Malerei und Skulptur auseinandersetzen.

Aron Demetz: Vester Dlacia

Arbeitsweise und einzelne Werke (Auswahl)

Aron Demetz (geboren 1972 in Gröden, Italien) lebt und arbeitet in Südtirol. Seine künstlerische Arbeit

Aron Demetz: Burning man

bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Tradition und zeitgenössischer Bildhauerei. Ausgehend von seiner fundierten Kenntnis der traditionellen Südtiroler Holzschnitzkunst entwickelt er eine eigenständige Formensprache, in der die Auseinandersetzung mit organischer und anorganischer Materie, deren Veränderung im Laufe der Zeit sowie deren Wechselwirkung mit menschlichem Handeln im Mittelpunkt stehen.

Obwohl sein figürlich-naturalistisches Œuvre auch Bronzeplastiken sowie Arbeiten aus Marmor und Glas umfasst, arbeitet Demetz überwiegend mit verschiedenen Holzarten.

Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Oberfläche zu, die Demetz als eine Art Haut seiner meist nackten Figuren versteht. Sie wird zum Experimentierfeld, auf dem sich natürliche Prozesse und gezielte Eingriffe begegnen. So behandelt er seine Skulpturen unter anderem mit selbst gesammeltem Fichtenharz, wie bei Uomo | Donna (2007), oder setzt sie Feuer und Verbrennungsprozessen aus, wodurch das Holz verkohlt und eine neue, oft geheimnisvolle Oberflächenstruktur erhält. Beispiele hierfür sind Cinder Ella (2011) sowie die Werkserie der Burning Men, von denen er bis 2013 auch Bronzeabgüsse anfertigte.

Aron Demetz: Heimat

Die Bildhauerei begreift Demetz nicht nur als handwerkliche Tätigkeit, sondern auch als ein Instrument der Erkenntnis. In einem parallel zur realen Welt entstehenden skulpturalen Universum begegnen uns fiktive Wesen, menschliche Gestalten und rätselhafte Formen. Ihre Gesichter tragen häufig einen geheimnisvollen Ausdruck, der sie beinahe lebendig erscheinen lässt. Dabei setzt sich der Künstler intensiv mit existenziellen Themen wie Verletzlichkeit, Schmerz und Heilung auseinander.

Ein besonderes Beispiel dafür ist die 2014 entstandene neunköpfige Figurengruppe Memoridermata. Ihre glatten Oberflächen wurden partiell mithilfe einer computergesteuerten Roboterfräse aufgebrochen und ausgefranst. Im selben Jahr entstand mit Heimat sein Beitrag zum Skulpturenufer Remagen: eine Bronzestatue einer Frau, die auf einer scheinbar schwebenden, monumentalen Baumwurzel steht.

In seiner künstlerischen Praxis nimmt der Entstehungsprozess eines Werkes eine ebenso zentrale Rolle ein wie das fertige Objekt. Durch gezielte Eingriffe wie Verbrennung, Oxidation,

Aron Demetz: Senza Titolo

Harzbehandlung oder Pilzwachstum untersucht Demetz die Wandlungsfähigkeit der Materie. Dabei folgt er einem offenen Prinzip von Versuch und Irrtum. Er beobachtet und begleitet die Veränderungen des Materials, ohne deren Verlauf vollständig kontrollieren oder vorhersehen zu wollen. Gerade in diesem Wechselspiel zwischen menschlichem Eingreifen und den eigenständigen Kräften der Natur entstehen Werke, die von Vergänglichkeit, Veränderung und der besonderen Beziehung zwischen Mensch und Materie erzählen.

In seiner jüngsten Serie presentiert Demetz, Skulpturen, in denen die Bedeutung des Materials im Mittelpunkt steht. Dessen einzigartige Eigenschaften und unvorhersehbare Möglichkeiten bilden den Ausgangspunkt seiner künstlerischen Auseinandersetzung. Indem er die natürlichen Eigenschaften des Mammutbaumholzes nutzt, untersucht der Künstler dessen Grenzen aus und bringt dabei einzigartige Geschichten und Details zum Vorschein.

Demetz beschäftigt sich nach Jahren des Hinzufügens erneut mit der Kraft des Wegnehmens und Freilegens. Dabei entwickelt er die Metapher der „Winter“ – jener Wachstumsphasen der Bäume, die sich durch eine größere Widerstandsfähigkeit gegenüber den Sommermonaten auszeichnen. Sie erzählen von den Wachstumsjahren der Bäume und schreiben deren Lebensgeschichte in die Struktur des Holzes ein.

Die schmalen Holzlamellen, die die gewaltigen natürlichen Konstruktionen tragen, stehen als Sinnbild für ein sensibles Gleichgewicht. Sie verweisen auf eine Widerstandskraft, die sich hinter scheinbarer Verletzlichkeit verbirgt. Diese Bäume, die Höhen von bis zu einhundert Meter erreichen können, spiegeln das Spannungsverhältnis zwischen Beständigkeit und Vergänglichkeit wider. Die feinen und zugleich stabilen Linien werden so zur Metapher für jene Kraft, die gerade in der Zerbrechlichkeit liegt – ein zentrales Thema in Demetz’ künstlerischem Schaffen.

Aron Demetz: Senza Titolo

Darüber hinaus spielen die Skulpturen mit unserer visuellen Wahrnehmung. Die schichtweise aufgebaute Konstruktion verwandelt sich in ein beinahe alchemistisches Gleichgewicht zwischen Natur und Zerstörung, unabhängig davon, ob diese durch den Menschen oder durch die Zeit hervorgerufen wird. Die Arbeiten zeigen eine Natur im ständigen Wandel, die in einen Dialog mit einer technologisch immer weiter fortschreitenden Menschheit tritt.

Die Skulpturen könnten durch ihre charakteristischen farbigen Ergänzungen zunächst den Eindruck maschineller Fertigung erwecken. Bei genauerer Betrachtung offenbaren sich jedoch die meisterhafte Handschrift des Bildhauers und die individuellen Eigenheiten des Holzes, die sich unter der scheinbaren Wiederholung und geometrischen Perfektion keineswegs vollständig verbergen.

Aron Demetz: Nur die Winter zählend, Stein

Ausstellungen (Auswahl)

(G: Gruppenausstellung, E: Einzelausstellung)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ gazelliarthouse.com: Katalog zur Gruppenausstellung Italians Do It Better (London 2009) (Memento vom 13. Januar 2015 im Internet Archive) (abgerufen am 25. September 2014)
  2. ↑ 9/12/2004 Aron Demetz ex Chiesa di S. Filippo Neri, Roma (it., abgerufen am 26. September 2014)
  3. ↑ 18/1/2007 Italiana. Shanghai Art Museum, Shanghai (it., abgerufen am 26. September 2014)
  4. ↑ nationalacademy.org: SELF: Portraits of Artists in Their Absence. (Memento vom 11. September 2016 im Internet Archive) (abgerufen am 4. September 2016)