Fürstengrab des Arpvar

Das Fürstengrab des Arpvar ist die Grablege eines Fürsten der Merowingerzeit in Gellep-Stratum in Nordrhein-Westfalen. Das Grab, das auch als Fürstengrab Nr. 1782 bezeichnet wird, liegt auf dem südlichen Gräberfeld des Geländes von Gelduba aus der Römerzeit. Entdeckt und freigelegt wurde das Grab 1962 unter Leitung von Renate Pirling. Das in die Zeit um 500 n. Chr. datierte Grab war unversehrt, reichhaltig ausgestattet und wird als Gründergrab für diesen Teil des Gräberfeldes bezeichnet. In seiner Nachbarschaft befanden sich Hunderte von schlichteren Begräbnisstellen und fünf auffallend große Gräber, welche hohen fränkischen Adeligen zugeordnet werden.

Gellep-Stratum / Gelduba

Gellep-Stratum ist ein kleiner Stadtteil von Krefeld etwa zwei Kilometer südlich von Uerdingen in der Nähe des Rheins. Größtenteils auf der Fläche des Dorfteiles Gellep erstrecken sich Gräberfelder des ehemaligen Römerkastells Gelduba, in denen seit den 30er Jahren systematisch gegraben und geforscht wurde. Das Kastell bestand von etwa 69 n. Chr. mindestens bis in die Mitte des 5. Jahrhunderts. An die römische Zeit schloss sich eine Besiedlung durch die ab dem 3./4. Jahrhundert von der rechten Rheinseite über den Rhein expandierenden Franken an. Das Gräberfeld im Vorfeld des Kastells und insbesondere das davon etwas abgesetzte südliche Gräberfeld waren bis ins 8. Jahrhundert kontinuierlich belegt, über 6200 Gräber wurden ausgegraben und zahlreiche, zum Teil einzigartige Grabbeigaben sichergestellt.

Das Fürstengrab

Gegen Ende einer langen, nicht sehr erfolgreichen Ausgrabungssaison, in der südlich des ehemaligen Römerkastells 200 nahezu beigabenlose Gräber freigelegt wurden, stieß das Team um Renate Pirling im September 1962 überraschend auf eine an der Oberfläche kaum erkennbare größere Grube, die auf einer Fläche von 4 × 5 m von einigen Tuffsteinbrocken bedeckt war. Beim Tiefergehen nahm die Grube eine immer rechteckigere Gestalt an. Das Grab erhielt die Nummer 1782.

Gräberfelder von Krefeld-Gellep – bei Nr. 5: Lage des Fürstengrabes Arpvar und einer Gruppe weiterer prominenter fränkischer Grabstätten
Inhalt des Grabes „Arpvar“ – 5./6. Jahrhundert

In 180 cm Tiefe fand man als erstes einen großen Bratspieß von 126 cm Länge, darunter einen hölzernen Eimer mit Bronze-Henkel und verzierten Beschlägen. Alsbald stellte sich heraus, dass die auf einer Sohle von 280 cm Tiefe liegende Grabfläche auf 270 × 140 cm mit einer Fülle an Beigaben bedeckt war. Das Grab war unversehrt und über die Jahrhunderte offensichtlich von Grabräubern nicht entdeckt worden. Allerdings fanden sich in dem kalkarmen Sandboden keine Skelettreste mehr.

Die Lage des Toten war aus den Funden und Beigaben aber leicht zu erschließen. Der Sitte der Zeit entsprechend, lag er mit dem Kopf im Westen, den Blick nach Osten zur aufgehenden Sonne.

Aufdeckung und Beigaben

Die drei Tage währende Aufdeckung erbrachte eine Fülle aufsehenerregender, zum Teil einmaliger Funde, die darauf deuteten, dass es sich um ein Männergrab handelte, und zwar das einer außerordentlich hochgestellten fränkischen Person fürstlichen Ranges.

Die Datierung wurde erleichtert durch den Fund der fränkischen Nachprägung einer Goldmünze nach einem Solidus des oströmischen Kaisers Anastasios I. (491 – 518). Wahrscheinlich hatte man sie dem Toten als Obolus für die Reise in die Unterwelt in den Mund gelegt, wie bereits bei den Römern üblich. Das Grab kann also nicht vor 491 und nicht viel später als 518 angelegt worden sein, die Grablegung würde somit in die Zeit des Merowingerkönigs Chlodwig I. fallen (* 466; † 511).

Neben der Münze fand sich ein rostiger Klumpen, der sich später nach der Restaurierung als das prächtigste Stück der Ausgrabung herausstellen sollte:

Goldener Spangenhelm aus dem Fürstengrab von Krefeld-Gellep

Zu den weiteren herausragenden Beigaben zählen:

Der Frankenfürst hatte seine gesamte Bewaffnung ins Grab bekommen, die ebenfalls seine hohe Stellung unterstreicht:

Inschrift

Als besonders interessant und aufschlussreich erwies sich ein kleines, 22 cm hohes Bronzekännchen am Fußende des Grabes. Auf dem Bauch trägt es ein aufgelötetes bronzenes Band, auf das ungelenk, aber gut lesbar, in lateinischen Buchstaben eine Inschrift eingeritzt ist, nach dem Heidelberger Epigraphiker Prof. Géza Alföldy wie folgt zu lesen:

Es ist naheliegend, dass mit ARPVAR der bestattete Fürst gemeint ist. Der ihm gewidmete Spruch lautet demnach:

Somit ist zwar der Name des Fürsten bekannt, nichts aber über seine Person, sein Wirken in der Zeit der Merowinger. Es gibt auch keine eindeutigen Hinweise über seine Glaubensrichtung, ob christlich oder vorchristlich. Es ist vorstellbar, dass er vom fränkischen König als regionaler Statthalter mit der Verwaltung des niederrheinischen Raumes beauftragt war. Möglicherweise residierte er im von den Römern aufgegebenen Kastell oder in dessen Umfeld.

Wendebecken des Krefelder Rheinhafens, das heute Teile des römisch/fränkischen Bodendenkmals von Gellep überdeckt

Die anderen (ausgeraubten) Fürstengräber

Fünfundzwanzig bis sechzig Meter südwestlich des Arpvar-Grabes wurden fünf weitere Gräber entdeckt, die sich schon wegen ihrer Größe von der Umgebung abhoben. Datiert wurden sie in den Zeitraum zwischen 530 und 600 n. Chr., dienten demnach über drei Generationen der Grablegung hochgestellter Persönlichkeiten. Die vier größten werden nach ihrer Anlage und den noch gefundenen Beigaben und Resten der ehemaligen Ausstattung Personen fürstlichen Ranges zugeschrieben. Möglicherweise handelt es sich um Familiengruften von Verwandten des Frankenfürsten Arpvar. Alle vier Gräber wurden antik geplündert, eines war komplett ausgeraubt, bei den anderen fanden sich Beigabereste.

Es handelt sich um Kammergräber mit Holzeinbauten. Im Gegensatz zum Grab des Arpvar waren die Gruben mit kleinen Hügeln versehen (weshalb sie von Grabräubern leicht auszumachen waren), die später zusammengefallen sind:

Resümee

Bei Arpvar und den anderen Bestatteten der „Fürstengräber-Gruppe“ dürfte es sich um eine kleine Schicht privilegierter und begüteter Personen gehandelt haben. Möglicherweise zählten sie zu einer Familie des fränkischen Hochadels, die die Macht hatte, über andere zu verfügen, und zu deren Besitz Gegenstände zählten, die für die breite Masse nicht erreichbar waren. Die gefundenen Grabbeigaben befinden sich als Exponate im drei Kilometer entfernten Archäologischen Museumszentrum Burg Linn.

Siehe auch

Commons: Fürstengrab des Arpvar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Christoph Reichmann: Die spätantiken Befestigungen von Krefeld-Gellep. In: Archäologisches Korrespondenzblatt. 17, 1987, S. 507–521.
  2. 1 2 3 Renate Pirling: Das Fürstengrab. In: Reinhard Feinendegen, Hans Vogt (Hrsg.): Krefeld - die Geschichte der Stadt. Band 1: Von der Frühzeit bis zum Mittelalter. Verlag van Ackeren, Krefeld 1998, ISBN 3-9804181-6-2, S. 227f.
  3. 1 2 Das Fürstengrab. In: Renate Pirling: Die römisch-fränkischen Gräberfelder von Krefeld-Gellep. Museums-Begleitschrift. Verlag Freunde der Museen Burg Linn e.V. Krefeld 2011, S. 50f.
  4. ↑ Renate Pirling: Die ausgeraubten Fürstengräber. In: Reinhard Feinendegen, Hans Vogt (Hrsg.): Krefeld - die Geschichte der Stadt. Band 1: Von der Frühzeit bis zum Mittelalter. Verlag van Ackeren, Krefeld 1998, ISBN 3-9804181-6-2, S. 243f.
  5. ↑ Die ausgeraubten „Fürstengräber“. In: Renate Pirling: Die römisch-fränkischen Gräberfelder von Krefeld-Gellep. Museums-Begleitschrift. Verlag Freunde der Museen Burg Linn e.V. Krefeld 2011, S. 66f.
  6. ↑ Renate Pirling: Die ausgeraubten Fürstengräber. In: Reinhard Feinendegen, Hans Vogt (Hrsg.): Krefeld - die Geschichte der Stadt. Band 1: Von der Frühzeit bis zum Mittelalter. Verlag van Ackeren, Krefeld 1998, ISBN 3-9804181-6-2, S. 250f.