Artegoismus (auch Art-Egoismus) bezeichnet eine aktive, sowohl defensive als auch aggressive Komponente des Arterhaltungstriebs bei Menschen und Tieren. Während er im Tierreich auf begrenzte und weitgehend bekannte Verhaltensmöglichkeiten beschränkt ist, nimmt er beim Menschen aufgrund kultureller, technischer und geistiger Entwicklungen eine nahezu unbegrenzte Ausprägung an. Der Begriff wird vor allem in ethischen und philosophischen Zusammenhängen verwendet, insbesondere in Verbindung der Mensch-Tier-Beziehung und der Kritik am Anthropozentrismus.
Artegoismus beschreibt Verhaltensweisen, die auf die Durchsetzung und Sicherung der eigenen Art gerichtet sind. Beim Tier bleibt er, dem Konzept zufolge, auf evolutionär entwickelte und relativ stabile Muster beschränkt. Beim Menschen hingegen erscheint der Artegoismus nahezu unbegrenzt, da diesem fortwährend neue Anwendungsfelder und Methoden seiner Durchsetzung einfallen.
Diese Erweiterung zeigt sich besonders in der modernen Biotechnologie. Durch genetische Manipulation wird es möglich, Tiere gezielt nach menschlichen Vorstellungen zu verändern und dabei ihre artegoistischen Durchsetzungsmechanismen einzuschränken oder vollständig auszuschalten. Dadurch werden bisherige natürliche Grenzen überschritten.
Die Entwicklung solcher Eingriffe wirft grundlegende ethische Fragen auf, insbesondere hinsichtlich der geschöpflichen Würde von Tieren. Diese wird traditionell damit begründet, dass Tiere entweder als Geschöpfe Gottes oder als Ergebnis einer langen evolutionären Entwicklung verstanden werden. Werden sie jedoch zu Produkten menschlicher Gestaltung und Kontrolle, so wird diese Grundlage der Würde infrage gestellt.
„Beim Menschen ist der Artegoismus jedoch fast unbegrenzt, weil dem Menschen immer neue Felder der Anwendung und Methoden der Durchführung einfallen, wobei die neu zu erwartende Fähigkeit, Tiere durch genetische Manipulation in jede gewünschte Richtung zu züchten und dabei auch die artegoistischen Durchsetzungsmöglichkeiten einzuschränken oder ganz auszuschalten bisher noch be- stehende Grenzen überschreitet und die geschöpfliche Würde der Tiere vollends aufhebt, weil diese darauf beruht, Geschöpf Gottes oder Ergebnis einer jahrmillionenalten Evolution zu sein. Als Produkt eines der Hybris verfallenen Menschen existieren zu müssen, hat nichts mehr von dieser Würde.“
Artegoismus gilt zudem als geistiger Hintergrund für Strömungen wie den anthropozentrischen Humanismus und den Naturalismus, insofern er den Menschen in den Mittelpunkt stellt und seine Vorrangstellung gegenüber anderen Lebewesen betont.
Eine besondere Ausprägung des Artegoismus ist der sogenannte Speziesismus. Darunter versteht man die Annahme einer grundsätzlichen Überlegenheit des Menschen gegenüber anderen Lebewesen, die ihm ein scheinbar uneingeschränktes Verfügungsrecht über die Natur einräumt.
Der Begriff wurde Anfang der 1970er Jahre von Richard Ryder geprägt und später insbesondere durch den Philosophen Peter Singer bekannt gemacht.