Ashenda ist ein jährlich begangenes Fest junger Frauen und Mädchen, das vor allem in den nordäthiopischen Regionen Tigray und Amhara gefeiert wird. Es findet traditionell gegen Ende August statt und schließt an das zweiwöchige Fasten Filseta an, das in der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo-Kirche der Entschlafung und Himmelfahrt Marias gewidmet ist. Je nach Region trägt das Fest unterschiedliche Bezeichnungen, darunter Ashendye (Lasta/Lalibela, Gondar), Shadey (Wag Himra/Sekota), Solel (Raya-Kobo) sowie in Teilen Tigrays Ayni-wari bzw. Maria. Kernpraktiken sind Gruppengesang und Tanz, Besuche von Haushalten mit kurzen Aufführungen und das Entgegennehmen kleiner Gaben, oft begleitet von Handtrommeln.
Der Name „Ashenda“ verweist auf hohes, grünes Gras, das Teilnehmerinnen zu Büscheln oder als kurzer Überrock („Grasrock“) tragen und das als naturverbundene Symbolik des Festes gilt. Es finden sich die Varianten Ashenda/Ashendye/Aynewari Maria/Shadey/Solel als Bezeichnungen.
Filseta dauert in der äthiopisch-orthodoxen Praxis zwei Wochen (vom 7. bis 22. August, gregorianischer Kalender) und erinnert liturgisch an Entschlafung und Himmelfahrt der Gottesmutter Maria. Ashenda wird im Anschluss an Filseta Ende August begangen; die Dauer reicht je nach Ort von wenigen Tagen bis zu längeren, ortsüblichen Festzeiten.
Vorbereitungen umfassen das Zusammenstellen traditioneller Kleidung, Kosmetik und Schmuck sowie das Sammeln des namensgebenden Grases für den Festschmuck. Mädchen organisieren sich in Gruppen und wählen eine Koordinatorin (ade guayla, „Mutter des Tanzes“), die Auftritte und Gabenverwaltung abstimmt. Zum Auftakt suchen Gruppen oft Marienkirchen auf und ziehen anschließend singend von Haus zu Haus, wo sie kleine Geld- oder Essensspenden als Zeichen der Wertschätzung erhalten. Begleitet werden die Lieder häufig von kleinen Handtrommeln, und die Darbietungen finden auch auf Straßen und Plätzen statt. Das Tragen der zu einem kurzen Überrock verflochtenen Grashalme über dem weißen Habesha-Kleid ist eine weit verbreitete Praxis.
Dokumentiert sind festliche Kleider wie Tilfi, Zuria und weitere regionale Varianten, die während Ashenda besonders kunstvoll getragen werden. Gebräuchlich sind Halsketten, Ohrringe, Armbänder und Ringe aus Gold, Silber oder Kupfer; die Formen und Benennungen sind in Tigrinya detailliert überliefert. Beliebte Frisuren umfassen u. a. Game, Gilbich, Telela, Ayni-sigem und Albaso, oft ergänzt durch farbige Kopfbänder und Perlen.
Das Fest ist vor allem in Tigray und Amhara verbreitet; in Amhara heißen verwandte Feiern Ashendye, Shadey oder Solel, während in Teilen Tigrays Ayni-wari bzw. Maria gebräuchlich ist. Ablauf, Benennungen und Dauer variieren lokal, während die Grundstruktur aus Gesang, Tanz, Hausbesuchen und Gaben übereinstimmt. Zeitgenössische Berichte dokumentieren darüber hinaus städtische Ashenda-Feiern, etwa in Addis Abeba, die traditionelle und urbane Formen verbinden.
Forschungen beschreiben Ashenda als eine Zeit erhöhter sozialer Sichtbarkeit, relativer Freiheit und kultureller Selbstbehauptung für Mädchen und junge Frauen. Die Gesänge und Verse thematisieren Identität, Lob, soziale Kommentare und Kritik und werden als Ausdruck weiblicher Handlungsfähigkeit interpretiert.
Medienberichte heben seit den jüngsten Konfliktjahren sowohl vorsichtige Wiederbelebungen lokaler Feiern als auch urbane Formate hervor. Parallel dazu wird die wachsende Kommerzialisierung – etwa durch Mode, Friseursalons und Ticket-Events – diskutiert, teils verbunden mit Initiativen zur Sicherung und Anerkennung des immateriellen Erbes. UNESCO-Bezugsdokumente beschreiben Ashenda und seine Varianten als Mädchen-Festspiel; Debatten um eine Eintragung werden regional geführt, ohne dass derzeit ein UNESCO-Status besteht.