Asifa Akhtar (* 19. Februar 1971 in Karatschi, Pakistan) ist eine Molekularbiologin, die bedeutende Beiträge auf dem Gebiet der Epigenetik geleistet hat, insbesondere zur Chromatinregulierung. Sie ist Senior-Gruppenleiterin und Direktorin der Abteilung für Chromatinregulierung am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik. Im Juli 2020 wurde sie die erste internationale und weibliche Vizepräsidentin der Sektion Biologie und Medizin der Max-Planck-Gesellschaft. Sie wurde 2023 für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Seit 2022 ist Asifa Akhtar außerdem Honorarprofessorin der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg.
Asifa Akhtar ist in Karatschi, Pakistan geboren, und erhielt einen BSc in Biologie am University College London. Danach wechselte sie zum Imperial Cancer Research Fund (jetzt Teil des Francis Crick Institute), um im Labor von Richard Treisman über die Transkriptionsregulation zu promovieren. Akhtars Postdoc-Studien zur Chromatinregulierung wurden in Deutschland im Labor von Peter Becker am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL), Heidelberg, und am Adolf-Butenandt-Institut, München, durchgeführt. Akhtar wurde 2001 Gruppenleiterin am EMBL und wechselte 2009 an das Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg, wo sie ein eigenes Labor leitet. Am 1. Juli 2020 wurde Akhtar zur Vizepräsidentin der Sektion Biologie und Medizin der Max-Planck-Gesellschaft gewählt. Im Juni 2023 wurde sie für eine Amtszeit von sechs Jahren als Vizepräsident wiedergewählt.
Asifa Akhtars Forschung konzentriert sich auf die Untersuchung von Chromatin und epigenetischen Mechanismen. Akhtar hat unser Verständnis davon erweitert, wie die Genexpression durch posttranslationale Modifikationen von Histonen und nicht-kodierende RNAs reguliert wird. Ihre Forschung konzentriert sich auf die Lysin-Acetyltransferase MOF (auch bekannt als KAT8) und ihre beiden wichtigsten Proteinkomplexe, den male-specific lethal (MSL)-Komplex und den non-specific lethal (NSL)-Komplex, um aufzudecken, wie epigenetische Enzyme die Genexpression sowohl über Chromatin-basierte als auch über nicht-Chromatin-basierte Mechanismen regulieren.
Das Labor von Asifa Akhtar konzentriert sich auf das Konzept der Gendosis. Zu ihren einflussreichsten Beiträgen zählen ihre Studien zum Drosophila melanogaster Dosiskompensationssystem, das die X-chromosomale Genexpression zwischen männlichen und weiblichen Fruchtfliegen ausgleicht. Die Dosiskompensation dient als Modell dafür, wie gezielte Histonmodifikationen zu einer groß angelegten transkriptionellen Hochregulation führen können. Asifa Akhtar hat zahlreiche Entdeckungen darüber gemacht, wie der MSL-Komplex in der Lage ist, sich spezifisch am einzigen männlichen X-Chromosom anzulagern und dieses anschließend zu hyperaktivieren, um eine transkriptionelle Parität mit den beiden X-Chromosomen bei Weibchen zu erreichen. Um dies zu verstehen, lag ein Schwerpunkt in ihrem Labor auf der Untersuchung des Beitrags der langen nicht-kodierenden roX-RNAs (roX1 und roX2) zur Bindung an das männliche X-Chromosom.
Asifa Akhtar übertrug diese Konzepte auf Säugetiere und zeigte zudem, dass MSL2, ein Bestandteil des MSL-Komplexes, die Transkription dosissensitiver Gene bei Säugetieren feinregelt. Ein Verlust von MSL2 stört die Expression mehrerer krankheitsassoziierter haploinsuffizienter Gene und verhindert, dass diese eine biallelische Expression erreichen können.
In Zusammenarbeit mit Klinikern und Klinikerinnen hat das Team von Asifa Akhtar darüber hinaus herausgefunden, dass Mutationen in Genen des MSL-Komplexes zu Erkrankungen beim Menschen führen. Sie zeigten, dass Mutationen im MSL3-Gen das Basilicata-Akhtar-Syndrom und Mutationen im MSL2-Gen das Karayol-Borroto-Haghshenas-Neuroentwicklungssyndrom verursachen, die beide als neuroentwicklungsbedingte Störungen klassifiziert werden.
Über die Transkriptionsregulation hinaus hat Asifa Akhtars Team auch vielfältige nicht-kanonische Funktionen der MOF-haltigen Komplexe aufgedeckt. Ihre Gruppe konnte nachweisen, dass MOF als Teil des NSL-Komplexes Prelamin-A/C acetyliert, um die Integrität der Kernlamina aufrechtzuerhalten, sowie das mitochondriale Protein COX17, um die oxidative Atmung zu fördern.
In einem separaten Forschungszweig untersucht Asifa Akhtar zudem die RNA-Helikase DHX9. Ihre Forschung deckte eine neuartige, durch UV-Strahlung ausgelöste Stressreaktion auf RNA-Schäden auf, bei der beschädigte RNAs in zytoplasmatische Stressgranula sequestriert werden, wo die RNA-Helikase DHX9 in der Lage ist, doppelsträngige Alu-Elemente zu entwirren, um die Lebensfähigkeit der Tochterzellen zu erhalten.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Akhtar, Asifa |
| KURZBESCHREIBUNG | pakistanische Molekularbiologin |
| GEBURTSDATUM | 19. Februar 1971 |
| GEBURTSORT | Karatschi, Pakistan |