Atakapa

Stammesgebiet der Atakapa im 17. Jahrhundert

Die Atakapa (auch: Atacapa, Attakapa, Attacapa; Choctaw-Sprache: Hatak Upa – „Kannibale“, da sie insbesondere in Kriegszeiten rituellen Kannibalismus praktizierten) bzw. Eigenname Icāk / Ishak – „Volk/Menschen“, sind Angehörige eines nordamerikanischen Indianerstammes, dessen Sprache als isoliert gilt und bisher keiner anderen Sprache zugeordnet werden konnte. Sie lebten an der Nordküste des Golfes von Mexiko westlich des Mississippi-Deltas in den heutigen US-Bundesstaaten Louisiana und Texas.

Die „Atakapa-Ishak“ sind heute weder auf Bundesebene (Federal Recognition) noch auf Bundesstaatsebene (State Recognition) als Stamm anerkannt, jedoch sind ihre Nachfahren jeweils Teil mehrerer bundesstaatlich und staatlich anerkannter Stämme.

Stammesgebiete

Die „Atakapa-Ishak“ werden in zwei große regionale Gruppen unterteilt; den „Östlichen Atakapa“ (Eigenbezeichnung: Hiyekiti Ishak – „Volk des Sonnenaufgangs, d. h. Volk im Osten“) im Südwesten von Louisiana und den „Westlichen Atakapa“ (Eigenbezeichnung: Hikike Ishak – „Volk des Sonnenuntergangs“, d. h. „Volk im Westen“) im Südosten von Texas:

Die „Östlichen Atakapa (Hiyekiti Ishak)“ lebten in den heutigen Acadiana Parishes im Südwesten von Louisiana in drei großen regionalen Bands:

Die „Westlichen Atakapa (Hikike Ishak)“ lebten im Südosten von Texas und bestanden aus insgesamt sieben großen regionalen Bands:

Kultur und Lebensweise

Wie bei den anderen Stämmen in der Region gehörten die Vorfahren der „Atakapa-Ishak“ wahrscheinlich zur Mississippi-Kultur. Sie waren mit Sicherheit auch Moundbauer, wie aus archäologischen Funden hervorgeht. Etwas außerhalb eines zentralen Platzes lagen die konischen, oft versenkt angelegten Wohnhäuser. Diese bestanden aus in den Boden gerammten biegsamen Pfosten, die mit Flechtwerk aus Zweigen verbunden waren. Schließlich wurden die Wände innen und außen mit Lehm bestrichen und erhielten im Inneren zusätzlich eine Verkleidung aus Matten.

Fische, Muscheln, Wild-Geflügel, sowie wilde Pflanzen gehörten überwiegend zur Ernährung der „Atakapa-Ishak“. Sie benutzten zahlreiche Jagdwaffen, wie Speere, Blasrohre, Pfeil und Bogen und zum Fischfang gab es Netze, Angelhaken aus Knochen und Fischwehre. Die „Atakapa-Ishak“ rieben sich Alligator-Öl zum Schutz vor Sonnenbrand und Moskitos auf die Haut. Zur Bisonjagd zogen sie nach Norden auf die Prärie im Landesinneren. Sie sammelten Nüsse, Beeren, wilde Weintrauben, Wurzeln und wilden Honig. Als Teil eines Handelsnetzes tauschten die „Atakapa-Ishak“ getrockneten Fisch, Haizähne und Federn gegen Feuersteine, Keramik und Tierhäute, sowie Reet, Binsen und getrocknetes Moos, das für die Herstellung von Matten und Körben benötigt wurde. Im Sommer trugen die „Atakapa-Ishak“-Männer nur minimale Kleidung, wie Lendenschurze, die im Winter gegen lange Hosen getauscht wurden. Üblich waren symbolische Verzierungen, wie Tätowierung und Schnitte an der Nase und in der Haut bei älteren Leuten.

Es gibt zwei Schöpfungsmythen: Eine davon besagt, dass ihr Volk aus einem Ozean voller großer Austernmuscheln stammt; die andere berichtet, sie seien wegen einer Sturmflut auf den Bergspitzen abgelegt worden. Die „Atakapa-Ishak“ galten wie die benachbarten Karankawa als Kannibalen; es wurde ihnen der Glaube nachgesagt, dass diejenigen Menschen, die von anderen Menschen gegessen würden, kein Leben nach dem Tode hätten.

Geschichte

Núñez Cabeza de Vaca und weitere Spanier aus der Expedition des Pánfilo de Narváez von 1528, die aufgrund eines Schiffsunglücks an der Texasküste gerettet wurden, lebten dort unter Indianern, die Cabeza de Vaca Han nannte, vermutlich jedoch „Atakapa-Ishak“ oder Karankawa aus der gleichen Gegend waren. Die Spanier wurden zunächst freundlich empfangen, was sich aber änderte, als es um den Besitz von Lebensmitteln und den Ausbruch von europäischen Krankheiten ging. Seit der Ankunft der Europäer sank die Bevölkerungszahl der „Atakapa-Ishak“ erheblich.

Zwei Jahrhunderte später, im Jahr 1721, fing der französische Entdecker Jean-Baptiste Bénard de La Harpe einige „Atakapa-Ishak“ und brachte sie nach New Orleans und 1729 halfen Krieger der „Atakapa-Ishak“ den Natchez bei deren Krieg gegen die Franzosen. Andere „Atakapa-Ishak“ wiederum kämpften als Hilfskräfte für die Franzosen. In der Mitte des 18. Jahrhunderts errichteten die Spanier eine Anzahl von Missionen bei den Stämmen in Texas. 1779 unterstützten die „Östlichen Atakapa (Hiyekiti Ishak)“ die Spanier im Krieg gegen die Briten. Im frühen neunzehnten Jahrhundert kamen französische Kreolen nach Louisiana und verdrängten die dort lebenden Ureinwohner. Zahlreiche Angehörige der „Östlichen Atakapa (Hiyekiti Ishak)“ sowie auch manche „Atakapa-Ishak“ in Texas, suchten Zuflucht bei anderen Stämmen. Dem Anthropologen John Reed Swanton folgend gab es 1698 3.500 und um 1805 nur noch 175 Stammesangehörige in Louisiana. 1908 waren nur 9 Nachkommen bekannt. Dieser Niedergang ist mit Sicherheit eine Folge von Europäern eingeschleppten Krankheiten und wurde weniger durch ständige Kriege gegen die Siedler verursacht. Im Jahr 1932 wurde vom Smithsonian Institute ein Wörterbuch der Sprache der „Atakapa-Ishak“ veröffentlicht. Daraufhin meldeten sich Angehörige anderer Stämme, die sich selbst als Nachkommen der „Atakapa-Ishak“ bezeichneten. Einige von ihnen werden zu den Entwicklern der Zydeco Musik gezählt.

Heutige Situation

Die Nachfahren der „Atakapa-Ishak“ sind heute als Teilstämme bei mehreren seitens Louisiana staatlich anerkannten Stämmen (State recognition) zu finden:

Vermutlich gibt es ebenfalls noch einige Angehörige mit „Atakapa-Ishak“-Vorfahren unter den folgenden auf Bundesebene (Federal Recognition) anerkannten Stämmen:

Zudem bemühen sich seit 2006 ca. 450 „Atakapa-Ishak“ als Atakapa Ishak Nation mit Zentrum um Lake Charles um bundesstaatliche und staatlicher Anerkennung in Texas und Louisiana als Stamm – jedoch hat Louisiana die Anerkennung bereits abgelehnt und laut BIA gilt das Anerkennungsverfahren auf Bundesebene als „ruhend“ und nicht abschließend geklärt, da es aktuell mehrere Splittergruppen der „Atakapa-Ishak Nation“ gibt und somit für die Bundesbehörden keinen rechtmäßigen Ansprechpartner gibt. Sie wurden 2008 jedoch als gemeinnützige 501(c) organization Cultural, Ethnic Awareness (A23) anerkannt.

Ein Teilstück des U.S.-Highway 190 zwischen dem Sabine River und dem Ort DeRidder in Louisiana wird heute als Atakappa Coushatta Trace (Atakappa Coushatta Route) bezeichnet, weil es sich um einen ehemaligen Fuß- und Wanderweg des Stammes in ihrem Wohngebiet handelt.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Encyclopedia of Native American Tribes - Third Edition. Abgerufen am 20. Februar 2017.
  2. ↑ Hans Läng: Kulturgeschichte der Indianer Nordamerikas, S. 150–156, Verlag Gondrom, Bindlach, 1993. ISBN 3-8112-1056-4
  3. ↑ TSHA-Online Handbook. Abgerufen am 1. März 2017.
  4. ↑ Native Americans - Racial and Ethnic Groups in the Gulf of Mexico Region
  5. ↑ Trails To The Past Louisiana - Atakapa Indians

Siehe auch

Literatur