Attraktivität (von lateinisch attrahere ‚anziehen, an sich ziehen‘) bezeichnet allgemein die Eigenschaft, Anziehung oder positive Zuwendung hervorzurufen. Auf Menschen bezogen kann Attraktivität sowohl durch das äußere Erscheinungsbild als auch durch persönliche Eigenschaften und das Verhalten einer Person beeinflusst werden. In der Psychologie wird unter physischer Attraktivität die Bewertung des körperlichen Erscheinungsbildes verstanden, während interpersonelle Attraktion die positive Einstellung oder Hinwendung zu einer bestimmten Person bezeichnet.
Die Beurteilung physischer Attraktivität ist weder vollständig objektiv noch rein individuell. Untersuchungen zeigen zum Teil deutliche Übereinstimmungen zwischen verschiedenen Beurteilern und auch zwischen unterschiedlichen Kulturen. Daneben bestehen individuelle, soziale und kulturelle Unterschiede in den Präferenzen.
Die physische Attraktivität einer Person kann durch zahlreiche Merkmale des Gesichts und Körpers sowie durch Gesichtsausdruck, Kleidung und andere Aspekte des Erscheinungsbildes beeinflusst werden. In der Forschung zur Gesichtsattraktivität wurden insbesondere die Durchschnittlichkeit von Gesichtsformen, Symmetrie, geschlechtstypische Merkmale sowie Farbe und Beschaffenheit der Haut untersucht.
Durch digitale Überlagerung mehrerer Gesichter erzeugte Durchschnittsgesichter werden häufig als attraktiv beurteilt. Auch Untersuchungen natürlicher Gesichter zeigen einen Zusammenhang zwischen der Nähe eines Gesichts zu einer populationsbezogenen Durchschnittsform und seiner wahrgenommenen Attraktivität.
Auch Gesichtssymmetrie wurde häufig mit höherer Attraktivität in Verbindung gebracht. Der eigenständige Einfluss der Symmetrie ist jedoch weniger eindeutig. Eine Untersuchung natürlicher Gesichter fand bei männlichen Gesichtern sowohl einen Zusammenhang der Durchschnittlichkeit als auch der Symmetrie mit der Attraktivität, bei weiblichen Gesichtern dagegen nur einen Zusammenhang mit der Durchschnittlichkeit.
Weitere Untersuchungen weisen ebenfalls darauf hin, dass Durchschnittlichkeit einen deutlicheren Einfluss auf Attraktivitätsurteile haben kann als Gesichtssymmetrie. In einer Reihe von Experimenten zeigte Durchschnittlichkeit einen relativ starken Effekt, während der Effekt der Symmetrie klein oder je nach Untersuchungsmethode nicht nachweisbar war.
Für die Attraktivität durchschnittlicher und symmetrischer Gesichter wurden verschiedene Erklärungen vorgeschlagen. Evolutionspsychologische Ansätze deuten solche Merkmale unter anderem als mögliche Hinweise auf Entwicklungsstabilität, Gesundheit oder andere für die Partnerwahl relevante Eigenschaften. Andere Ansätze erklären entsprechende Präferenzen teilweise durch Mechanismen der visuellen Informationsverarbeitung, da typische Reize leichter verarbeitet werden können. Beide Erklärungsansätze schließen sich nicht grundsätzlich aus.
Attraktivitätsurteile hängen nicht allein von anatomischen Eigenschaften ab. Auch Kleidung, Gesichtsausdruck, Persönlichkeitseigenschaften, Informationen über eine Person und die Beziehung zwischen Betrachter und betrachteter Person können die Bewertung beeinflussen.
So können Menschen ihre eigene Attraktivität und die Attraktivität eines Partners in Abhängigkeit von Selbstwertgefühl, emotionaler Bindung und Beziehungszufriedenheit unterschiedlich beurteilen. Attraktivitätsurteile weisen daher zugleich Übereinstimmungen zwischen Beurteilern und erhebliche individuelle Unterschiede auf.
Die wahrgenommene Gesichtsattraktivität weist einen erheblichen genetischen Anteil auf. In einer Studie an 1580 eineiigen und zweieiigen Zwillingen sowie Geschwistern wurde die Heritabilität der Gesichtsattraktivität auf etwa 50 bis 70 Prozent geschätzt.
Eine solche Heritabilitätsschätzung beschreibt den Anteil der Unterschiede zwischen Personen in einer untersuchten Population, der statistisch mit genetischen Unterschieden zusammenhängt. Sie bedeutet nicht, dass die Attraktivität eines einzelnen Menschen zu einem entsprechenden Prozentsatz genetisch festgelegt ist.
In derselben Zwillings- und Familienstudie überschnitten sich die genetischen Einflüsse auf Gesichtsattraktivität stark zwischen Männern und Frauen. Die Ergebnisse sprechen daher dafür, dass genetische Faktoren, die bei einem Geschlecht zur wahrgenommenen Attraktivität beitragen, zu einem erheblichen Teil auch beim anderen Geschlecht wirksam sind.
Eine frühere Untersuchung anhand von Familienfotografien fand dagegen einen Zusammenhang zwischen der Attraktivität sowohl der Mütter als auch der Väter und der Attraktivität ihrer Töchter. Für die Attraktivität der Söhne wurde in dieser Untersuchung kein entsprechender Eltern-Kind-Zusammenhang gefunden; zwischen Vätern und Söhnen bestand jedoch ein Zusammenhang hinsichtlich maskuliner Gesichtszüge.
Genomweite Untersuchungen weisen zudem auf teilweise geschlechtsspezifische genetische Einflüsse hin. Eine genomweite Assoziationsstudie an 4383 Personen fand unterschiedliche genetische Zusammenhänge bei der Bewertung männlicher und weiblicher Gesichtsattraktivität. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Gesichtsattraktivität bei einem Geschlecht grundsätzlich stärker vererbt wird als beim anderen.
Die Attraktivität der Eltern erlaubt deshalb keine zuverlässige Vorhersage der Attraktivität eines einzelnen Kindes. Genetische Einflüsse verändern statistische Wahrscheinlichkeiten, legen die spätere Erscheinung eines Nachkommen jedoch nicht fest.
Ob sich Attraktivitätspräferenzen heterosexueller Frauen während des Menstruationszyklus systematisch verändern, ist Gegenstand einer länger andauernden wissenschaftlichen Kontroverse. Eine Metaanalyse von 2014 berichtete Hinweise darauf, dass Frauen in fruchtbaren Zyklusphasen bei der Beurteilung kurzfristiger Partner Merkmale stärker bevorzugten, die von den Autoren als mögliche Hinweise auf genetische Qualität interpretiert wurden.
Eine im selben Jahr veröffentlichte andere Metaanalyse kam dagegen weitgehend zu einem negativen Ergebnis und führte einen Teil der zuvor berichteten Effekte auf methodische Unterschiede und mögliche Publikationsverzerrungen zurück.
Spätere Längsschnittuntersuchungen, in denen der Hormonstatus der Teilnehmerinnen wiederholt gemessen wurde, konnten regelmäßige Veränderungen der Präferenz für maskuline Gesichter nicht überzeugend bestätigen. Eine Studie mit 584 Frauen fand keine überzeugenden Hinweise darauf, dass sich die Präferenz für maskuline Gesichtszüge mit Veränderungen der gemessenen Steroidhormonkonzentrationen verändert.
Eine weitere Untersuchung, bei der unter anderem Östradiol und das luteinisierende Hormon wiederholt bestimmt wurden, fand ebenfalls keine signifikanten zyklusabhängigen Veränderungen in der Präferenz für männliche Gesichts- oder Körpermaskulinität beziehungsweise Gesichtssymmetrie.
Die Annahme einer regelmäßigen und ausgeprägten zyklusabhängigen Verschiebung der Präferenz für bestimmte männliche Merkmale gilt daher als umstritten.
Physische Attraktivität beeinflusst nicht nur ästhetische Urteile, sondern kann auch die Einschätzung anderer Eigenschaften einer Person beeinflussen. Die Tendenz, körperlich attraktiven Menschen weitere positive Eigenschaften zuzuschreiben, wird häufig als what is beautiful is good-Stereotyp bezeichnet und steht in Zusammenhang mit dem Halo-Effekt.
Eine Metaanalyse zeigte, dass attraktive Personen durchschnittlich positiver beurteilt wurden als weniger attraktive Personen. Der Effekt war jedoch nicht für alle zugeschriebenen Eigenschaften gleich groß. Besonders ausgeprägt war er bei Einschätzungen sozialer Kompetenz, geringer bei intellektueller Kompetenz und nahezu nicht vorhanden bei Einschätzungen von Integrität und Fürsorglichkeit.
Eine weitere Metaanalyse ergab, dass attraktive Kinder und Erwachsene nicht nur im Durchschnitt positiver beurteilt, sondern in sozialen Situationen auch positiver behandelt wurden. Die Stärke dieser Zusammenhänge variierte jedoch zwischen den untersuchten Bereichen. Solche statistischen Zusammenhänge erlauben keine Rückschlüsse auf die tatsächlichen Eigenschaften einer einzelnen Person.
Bei Paaren besteht im Durchschnitt eine Ähnlichkeit hinsichtlich verschiedener körperlicher, sozialer und psychologischer Merkmale. Dieses Phänomen wird als Assortative Paarung bezeichnet. Ähnlichkeit findet sich auch bei der physischen Attraktivität von Partnern und wird in diesem Zusammenhang häufig als Matching bezeichnet.
Eine 2024 veröffentlichte sekundäre Metaanalyse wertete Daten aus 27 Stichproben mit insgesamt 1295 gemischtgeschlechtlichen Paaren aus. Dabei zeigte sich ein positiver Zusammenhang zwischen der von unabhängigen Beurteilern eingeschätzten physischen Attraktivität beider Partner. Auch die selbst eingeschätzte Attraktivität beider Partner war positiv miteinander korreliert.
Für die Ähnlichkeit von Partnern werden mehrere Mechanismen diskutiert. Dazu gehören eine bevorzugte Wahl ähnlicher Personen, die Auswahl innerhalb sozial ähnlicher Umfelder, Bedingungen des jeweiligen Partnermarktes sowie mögliche Veränderungen innerhalb einer bestehenden Beziehung. Eine beobachtete Ähnlichkeit von Paaren lässt deshalb nicht ohne Weiteres auf einen einzelnen Auswahlmechanismus schließen.