Aufeis

Aufeis an einem arktischen Flussbett, Blick von oben, Northwest Territories, Kanada.

Aufeis nennt man Ablagerungen von geschichtetem Eis, die durch das Gefrieren von aufeinanderfolgenden Wasseraustritten entstehen.

Beschreibung

Aufeis bildet sich, indem austretendes Grundwasser oder Oberflächenwasser wiederholt über bereits bestehende Eisschichten strömt und bei strengem Frost gefriert. Auf diese Weise entstehen aufeinanderfolgende, dünne Eisschichten, die sich bis zu mehreren Metern Dicke akkumulieren können. Das Wasser stammt aus den unterschiedlichsten Quellen, die grundsätzlich in der Permafrostzone der Erde liegen. Sehr häufig tritt das Wasser durch Eisspalten aus Seen und Flüssen hervor. Daher tritt Aufeis häufig neben und über Flussläufen auf. Darüber hinaus kann es im Bereich von Permafrostboden durch lokale Wärmeanomalien Stellen von ständig ungefrorenem Untergrund geben, aus denen das Wasser sickert. Viele Aufeiskörper beinhalten Schnee. Aufeis bildet sich jedes Jahr neu an denselben Stellen. In der Regel schmilzt es im kurzen arktischen Sommer.

Aufeis an einem arktischen Flussbett, Blick von unten, Northwest Territories, Kanada.

An hochalpinen, gefrierenden Wasserläufen kann es durch blockierten Grundwasseraustritt ebenfalls zu Aufeisbildung kommen: Der Austritt des Grundwassers wird durch Eis blockiert, was wiederum den Beharrungszustand stört. Dadurch kommt es zu einem kleinen, inkrementellen Anstieg im lokalen Grundwasserspiegel, bis es am Ufer des Wasserlaufes austreten kann, über das bereits gebildete Eis fließt und dort bei Minusgraden erstarrt.

Diese bis heute gültigen phänomenologischen Beschreibungen und Erklärungen entstammen einer Arbeit von Ernest de Koven Leffingwell (1875–1971).

Namensherkunft

Die Bezeichnung Aufeis geht auf den deutsch-baltischen Zoologen Alexander Theodor von Middendorff zurück. Sie hat sich mittlerweile auch in anderen Sprachen etabliert und wird ebenfalls in Alaska und Kanada verwendet, alternativ wird von „icing“ gesprochen. In Sibirien, wo das Phänomen erstmals von Middendorff beobachtet und gedeutet wurde, spricht man heute von „naled“ (наледь).

Galerie

Commons: Aufeis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Ernest de K. Leffingwell: The Canning River Region Northern Alaska (= US Geological Survey professional paper. 109, ISSN 0096-0446). U.S. Government Publishing Office, Washington DC 1919, (Digitalisat (PDF; 35,3 MB)).
  2. ↑ Shanzhen Li u. a.: Aufeis in a warming world: Global patterns, processes, and environmental implications. In: Earth-Science Reviews. Band 281, Nr. 105590, 2026, doi:10.1016/j.earscirev.2026.105590.
  3. ↑ Alexander Th. von Middendorff: Reise in den äußersten Norden und Osten Sibiriens. Band 4: Übersicht der Natur Nord- und Ost-Sibiriens. Theil 1: Einleitung, Geographie, Hydrographie, Orographie, Geognosie, Klima und Gewächse. Kaiserliche Akademie der Wissenschaften, Sankt Petersburg 1867, S. 439–457.
  4. ↑ aufeis. In: International Glossary of Hydrology. Archiviert vom Original am 10. Mai 2002; abgerufen am 27. Januar 2026 (englisch).