
Karl-August von Dahl (* 9. November 1942 in Solingen; † 20. September 2026) auch bekannt als August Dahl oder „Raketen-August“, war ein deutscher evangelischer Pfarrer. Er war in den 1980er Jahren einer der Organisatoren und einer der bedeutendsten Köpfe der Friedensbewegung gegen die Aufstellung von nuklear bestückten BGM-109G Gryphon-Marschflugkörpern (Cruise-Missiles), die im Rahmen des NATO-Doppelbeschlusses im Hunsrück vorgesehen war.
Karl-August von Dahl stammte aus einer rheinischen Pfarrerfamilie. Vorfahren waren unter den Namen Dahlius oder Dhalius, von Dahl und Dahl Pfarrer und Pastoren im Rheinland und auch im Hunsrück. Er besuchte von 1949 bis 1953 die Volksschule in Bacharach und 1953–1962 das Stefan-George-Gymnasium in Bingen.
Sein Theologiestudium absolvierte er von 1962 bis 1968 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Georg-August-Universität Göttingen. Nach dem Ersten Theologischen Examen wurde er auf eigenen Wunsch von der Kirchenleitung 1968/1969 zu einem einjährigen Weiterbildungsstudium an die vom Land Nordrhein-Westfalen getragene Sozialakademie Dortmund geschickt, die heute ein Weiterbildungsinstitut der Technischen Universität Dortmund ist. Er war dort der einzige Theologe unter Gewerkschaftern, Bergarbeiterführern und Verwaltungsangestellten.
Karl-August von Dahl begann als Vikar und Hilfsprediger (Pfarrer z. A.) in Essen-Altstadt, im Arbeiterviertel Segeroth des Nordviertels und in Essen-Kray. 1973–1976 war er Pfarrer an der Justizvollzugsanstalt Essen. Von 1976 bis 1999 hatte er die Pfarrstelle der evangelischen Kirchengemeinden Bell und Leideneck im Kirchenkreis Simmern-Trarbach inne. Daneben erteilte er von 1976 bis 1984 an der Realschule und der Integrierten Gesamtschule (IGS) Kastellaun evangelischen Religionsunterricht. Von 1981 bis zur Einrichtung der Gymnasialen Oberstufe an der IGS war er zwölf Jahre Vorsitzender der „Bürgerinitiative Oberstufe für Kastellaun“. Als Pfarrer wirkte von Dahl auch im Bereich der Ökumene. Sein langjähriger Weggefährte dabei war der damalige katholische Pfarrer von Rheinböllen, Peter Lönarz.
Karl-August von Dahl war verheiratet mit der Pfarrerin Jutta von Dahl, die mit ihm gemeinsam in kirchlicher Arbeit und für die Friedensinitiative tätig war. Für ihr Engagement in der Friedensbewegung bekam Jutta von Dahl 1988 gemeinsam mit Superintendent Werner Sanß den damals erstmals verliehenen Aachener Friedenspreis. Nach seiner Pensionierung lebte Karl-August von Dahl mit seiner Frau in der Nähe ihrer letzten Wirkungsstätte in dem Weiler Rothenbergerhof, einem Ortsteil von Bell.
Auch nach seiner Pensionierung blieb von Dahl seelsorgerlich aktiv: Von 1998 bis 2018 war er Johanniter-Unfall-Hilfe-Landespfarrer für das Rheinische Oberland, die Pfalz und das Saarland. Schwerpunkt seiner Tätigkeit war die Seelsorge für Fernfahrer und Biker. Nach berufsbegleitenden Weiterbildungen in Psychologie, Gestalttherapie, Gestalttheoretischer Psychotherapie und Krisenintervention engagierte er sich in der Notfallseelsorge (SbE), Ehe-, Familien- und Jugend-Lebensberatung sowie Suchtberatung.
Er war Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Bell, aktiv von 1986 bis 2002, dann passiv in der Altersabteilung.
1993 war er Begründer der Ökumenischen Notfallseelsorge im Hunsrück und war dort ein Jahr lang der alleinige Ansprechpartner für Polizei, Feuerwehren und Rettungsdienste.
Von 1999 bis 2009 gehörte Dahl als Mitglied der Fraktion Pro Rhein-Hunsrück dem Kreistag des Rhein-Hunsrück-Kreises an.
Karl-August von Dahl war aktives Mitglied der Friedensinitiativen der Region Hunsrück-Mosel-Nahe. In den 1980er Jahren stand er gemeinsam mit seiner Frau und anderen an der Spitze der Friedensbewegung gegen die Stationierung von nuklear bestückten BGM-109G Gryphon-Marschflugkörpern in der Raketenbasis Pydna. Am 8. April 1987 brachte ihm eine Verurteilung wegen Nötigung bei einer Sitzblockade vor der Raketenbasis Pydna eine hohe Geldstrafe ein. Zehn Jahre später, 1997, erfolgte die Korrektur des Urteils und ein Freispruch durch den Bundesgerichtshof.
Dahl spielte sich selbst 2004 im Film Heimat 3 – Chronik einer Zeitenwende. In Folge 8 der Dokumentarfilm-Reihe Techno House Deutschland von 2022 kommentierte er gemeinsam mit seiner Ehefrau Jutta von Dahl das Techno-Festival Nature One und schilderte, wie diese Musikveranstaltung seit 1996 die ehemalige militärische Raketenbasis Pydna im Hunsrück, an der er früher mit zahlreichen Mitstreitern Friedensgebete abhielt und demonstrierte, für eine friedliche kulturelle Feierlichkeit nutzt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Dahl, August |
| ALTERNATIVNAMEN | von Dahl, Karl-August |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher evangelischer Pfarrer und Atomwaffengegner |
| GEBURTSDATUM | 9. November 1942 |
| GEBURTSORT | Solingen |
| STERBEDATUM | 20. September 2026 |