August Wutz (* 24. Oktober 1879 in Alburg; † 31. Januar 1963 in Gräfelfing) war ein deutscher Kriminalobersekretär und Organisator der Deportation von Sinti und Roma aus München und Umgebung in das „Zigeunerlager Auschwitz“.
Wutz verbrachte seine Jugend in Moosinning. Nach dem Schulbesuch arbeitete er auf dem Bauernhof seiner Eltern und trat nach seinem Militärdienst 1904 in den Polizeidienst ein. Er begann als Schutzmann in München und wechselte 1913 zur Kriminalpolizei. Im Oktober 1936 wurde er bei der „Dienststelle für Zigeunerfragen“, der sogenannten „Zigeunerpolizeistelle“ angestellt, die er nach seiner Beförderung zum Kriminalobersekretär ab 1940 leitete; im selben Jahr auch wurde er NSDAP-Mitglied. Seine Vorgesetzten beurteilten ihn als „außerordentlich fleißig, eifrig, sehr gewissenhaft und pflichttreu“, ab 1942 war Wutz jedoch wegen „Nervenerschöpfung“ öfter krankgeschrieben.
Bereits vom 25. bis 27. Oktober 1939 hatten Münchner Kriminalbeamte der „Dienstelle für Zigeunerfragen“ sämtliche in München lebende Sinti und Roma erfasst und erkennungsdienstlich behandelt. Am 16. Dezember 1942 entschied Heinrich Himmler im sogenannten „Auschwitz-Erlass“, dass reichsweit alle „Zigeunermischlinge“ in ein eigens eingerichtetes „Zigeunerlager“ im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zu deportieren seien.
Am 6., 7. und 8. März 1943 verhafteten Kriminalbeamte mit Unterstützung der Schutzpolizei in München und Umgebung 136 Sinti und Roma, fast die Hälfte davon waren unter 18 Jahren alt, und hielten sie einige Tage im Polizeigefängnis an der Ettstraße fest. Bei der Verhaftung wie auf dem späteren Transport kam es laut späteren übereinstimmenden Zeugenaussagen zu Misshandlungen durch Polizeibeamte. Die Inhaftierten wurden gezwungen, eine Vermögenserklärung zu erstellen, die ihr Bankguthaben, Schmuck, Häuser, Grundstücke sowie andere Wertsachen auflistete.
Wutz leitete am 13. März 1943 das Polizeikommando zur Absicherung der Deportation von München nach Auschwitz und begleitete den Transport zusammen mit dem Kriminalsekretär Josef Zeiser und weiteren Beamten persönlich. Der „Judentransport“ mit sechs Waggons war an einen Wehrmachtstransportzug angehängt worden und traf am 16. März 1943 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ein. Die Fahrt wurde in überfüllten, nach Exkrementen stinkenden Güterwaggons, mit Sterbenden und Verstorbenen zwischen den Lebenden und mit Kindern verschiedenen Alters durchgeführt, ohne ausreichende Lebensmittel und Wasser. In den folgenden Tagen und Wochen wurden einige weitere Sinti und Roma aus dem Münchner Raum ins „Zigeunerlager“ deportiert.
Wutz wurde nach Kriegsende zunächst aus dem Polizeidienst entlassen, im März 1946 wieder eingestellt, aber gesundheitsbedingt in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. 1947 befand er sich sechs Monate in amerikanischer Internierungshaft. Im Dezember 1947 verurteilte ihn eine Münchner Spruchkammer als „Hauptschuldigen“ zu zehn Jahren Arbeitslager, wobei einige Münchner Sinti als Zeugen auftraten. Das Urteil wurde im März 1949 von der Berufungskammer München wieder aufgehoben. Die Kammer stufte Wutz als „Mitläufer“ ein und sah mit Rücksicht auf seine verbüßte Internierungshaft von weiteren Strafmaßnahmen ab. Der Vorsitzende Richter hielt die belastenden Aussagen der überlebenden Sinti und Roma im Gegensatz zu den Aussagen der polizeilichen Zugbegleiter und sonstiger Polizeibeamter für unglaubwürdig.
Viele andere an der Verfolgung und Deportation der Sinti und Roma beteiligten Kriminalbeamte wie Josef Eichberger, Hans Eller, Georg Geyer, Wilhelm Supp, Rudolf Uschold und Josef Zeiser wurden entweder in die „Reichszentrale zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens“ übernommen, juristisch nicht zur Rechenschaft gezogen oder die Verfahren wurden eingestellt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wutz, August |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Kriminalobersekretär und Organisator der Deportation Münchner Sinti und Roma in das KZ Auschwitz |
| GEBURTSDATUM | 24. Oktober 1879 |
| GEBURTSORT | Alburg |
| STERBEDATUM | 31. Januar 1963 |
| STERBEORT | Gräfelfing |