Awerbach-System

  a b c d e f g h  
8 8
7 7
6 6
5 5
4 4
3 3
2 2
1 1
  a b c d e f g h  
Stellung nach 6. Lc1–g5

Das Awerbach-System ist eine Variante der Königsindischen Verteidigung, die entsteht, wenn Weiß im sechsten Zug mit dem Damenläufer den schwarzen Königsspringer angreift. Das System ist nach dem russischen Schachmeister Juri Lwowitsch Awerbach benannt. Die einzelnen Untervarianten werden mit den ECO-Codes E73, E74 oder E75 klassifiziert. Weiß vermeidet mit seinem Läuferzug den Übergang 6. Sg1–f3 e7–e5 zum zweischneidigen klassischen System und hofft auf einen kleinen positionellen Vorteil.

Zugfolge

1. d2–d4 Sg8–f6
2. c2–c4 g7–g6 (Königsindische Verteidigung)
3. Sb1–c3 Lf8–g7
4. e2–e4 d7–d6
5. Lf1–e2 0–0
6. Lc1–g5 (Awerbach-System)

Mit dem Läuferzug setzt Weiß seine Entwicklung fort, ohne die Stellung der Bauern oder des Königsspringers g1 festzulegen, wodurch die weiße Stellung flexibel bleibt. Im Unterschied zur Hauptvariante 6. Sg1–f3 werden der f2 und der Le2 nicht verstellt. Der f-Bauer kann gegebenenfalls von f3 aus den Bauern e4 überdecken oder auch aktiv mit f2–f4 vorgehen, und der Läufer kontrolliert die Felder g4 und h5. Weiß spielt im weiteren Verlauf oft Dd1–d2, was eine vollständige Kontrolle der Diagonalen c1–h6 anstrebt und zugleich die lange Rochade, oder die Turmzentralisierung Ta1–d1 vorbereitet. Häufig greift Weiß mit den Bauernvorstößen g2–g4 und h2–h4 an. Andererseits übt der Lg5 keine direkte Kontrolle auf Zentrumsfelder aus und kann durch den schwarzen Zug h7–h6 sofort angegriffen werden. Daher gilt das Awerbach-System nicht als die schärfste, aber eine der solidesten Möglichkeiten, die Weiß gegen die Königsindische Verteidigung zur Verfügung stehen.

ECO-Nomenklatur

Partien mit dem weiteren Verlauf 6. Lc1–g5 c7–c5 7. d4–d5 e7–e6 werden unter E75 einsortiert. Die Partien mit 6. Lc1–g5 c7–c5, aber einem anderen Verlauf im siebenten Zug gehören zu E74. Allerdings wird diese Nomenklatur nicht streng durchgehalten, und man findet Partien mit dem Verlauf 6. Lc1–g5 c7–c5 7. d4–d5 h7–h6 8. Lg5–f4 e7–e6 in der Literatur sowohl unter E74 als auch unter E75 wieder. Partien, in denen Schwarz 6. Lc1–g5 nicht mit 6. … c7–c5 beantwortet, stehen unter E73.

Der Zug 6. Lc1–e3 wird im Englischen als „Semi-Averbakh“ bezeichnet. Er führt zu ähnlichen Stellungsbildern wie das Awerbach-System und wird ebenfalls unter E73 klassifiziert.

Varianten

Awerbach-System

Als Hauptantworten des Schwarzen auf 6. Lc1–g5 galten lange Zeit nur 6. … c7–c5 und 6. … h7–h6, bis sich Ende der 1980er Jahre auch der Randspringerzug 6. … Sb8–a6 als gut spielbar herausstellte.

Semi-Averbach

Nach 6. Lc1–e3 e7–e5 hat Weiß die Wahl,

Literatur