Axel Vulpius

Axel Guido Vulpius (* 24. März 1926 in Heidelberg; † 15. März 2023 in Bonn) war ein deutscher Ministerialdirigent. Er galt als Pionier der Bildungsarbeit mit benachteiligten Gruppen, als Vordenker der VHS und der Erwachsenenbildung.

Leben

Axel Vulpius war Abkömmling einer badischen Familie väterlicherseits, einer deutsch-baltischen Familie mütterlicherseits; Vorfahren des Vaters waren z. B. Oskar Vulpius, der Begründer der Orthopädie in Süddeutschland und der bekannten Vulpius Klinik in Bad Rappenau, Vorfahren der Mutter waren der Rechtsprofessor Karl Erdmann in Dorpat (heutiges Tartu, Estland) sowie der Philosoph Johann Eduard Erdmann in Halle (Saale).

1931 zog er mit Mutter und Schwester nach Kleinmachnow bei Berlin, von wo aus er das Zehlendorfer Gymnasium bis zum Notabitur besuchte und anschließend 1943 als Luftwaffenhelfer zu einer Flak-Batterie beordert wurde. 1943 meldete er sich freiwillig als Offiziersanwärter zur Panzertruppe und wurde als Fahnenjunker-Unteroffizier Anfang 1945 an die Front in Oberitalien versetzt. Dort geriet er in die Gefangenschaft einer Partisanengruppe, die ihn auf Wunsch der Dorfbewohner an die einrückenden Amerikaner übergab. Nach dem Aufenthalt in mehreren Kriegsgefangenenlagern (Brescia, Caserta, Pisa) wurde Vulpius im Frühjahr 1947 zu seiner Familie in die Sowjetische Besatzungszone entlassen.

Nachdem er das Abitur nachgeholt hatte, konnte Vulpius sich – unterstützt von Freunden seines im Krieg verstorbenen Onkels, des Historikers Carl Erdmann – Ende 1947 zuerst an der Humboldt-Universität in Ost-Berlin und nach zwei Semestern an der Universität Freiburg im Fach Jura immatrikulieren. Im Frühjahr 1949 erreichte Vulpius in einem leeren britischen Kohleflugzeug Westdeutschland, wechselte 1950 als juristischer Mitarbeiter nebenamtlich in den Deutschen Bundestag und zur Universität Bonn und legte seine beiden Staatsexamina in Köln und Düsseldorf ab. Die Promotion zum Dr. jur. utr. erlangte Vulpius nach Vorbereitung in Paris, Wien, London, Stockholm und Berlin bei Wilhelm Grewe mit einer Arbeit über die „Allparteienregierung“.

Zu Beginn seines Berufslebens trat Vulpius in das Bundesinnenministerium ein, wo er zunächst das Arbeitsgebiet „Soziale Fürsorge im Ausland“ verantwortete, wechselte dann nach einem Außendienst im Landkreis Eschwege und am Bundesverwaltungsgericht Berlin 1959 in die Abteilung „Zivilschutz“ mit den Aufgaben „Selbstschutz-Gesetzgebung und Öffentlichkeitsarbeit“. Später übernahm er das Referat Bildungsplanung für die Arbeitsgebiete Weiterbildung, Fernunterricht, Bildungsfernsehen und Bibliothekswesen. Aufgaben, die er im Wesentlichen beibehielt, als 1969 die Bildungsplanung vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft (BMBW) übernommen wurde, in das er versetzt wurde und wo er sich u. a. in Modellversuchen schon bald für die Einführung der Zielgruppenarbeit in der Weiterbildung engagierte. Vulpius wurde retrospektiv zum Pionier der Bildungsarbeit mit benachteiligten Gruppen, z. B. für Menschen mit Behinderungen, Eltern, Alleinerziehende, Senioren, Erwerbslose sowie Strafgefangene, u. a. über die Einführung von Bildungsurlaub, und darüber hinaus für die Erweiterung von Bildungsangeboten in Fernsehen und Hörfunk.

Für die Erarbeitung eines Fernunterrichtsschutzgesetzes wurde Vulpius mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Schließlich übernahm Vulpius als Ministerialdirigent die Leitung der Unterabteilung Organisation (Haushalt, Rechtsfragen, Personalwesen) und baute gleichzeitig die Bund-Länder-Kommission „Konzertierte Aktion Weiterbildung“ auf, die z. B. die Beteiligung von Fernschullehrern an Fernunterrichtsprüfungen umsetzte. Im März 1991 wurde Vulpius pensioniert.

Unmittelbar im Anschluss an seine Pensionierung war Vulpius fünf Jahre lang im Kultusministerium des neu gegründeten Bundeslandes Sachsen-Anhalt beratend in Kirchenangelegenheiten tätig, nachdem die Kirchen im Land Staatsleistungen und Staatskirchenverträge angemahnt hatten. Vulpius übernahm, voll eingegliedert in das Ministerium und in Zusammenarbeit mit der Staatskanzlei, die Leitung von Vertragsverhandlungen mit den sechs Evangelischen Kirchen in Sachsen-Anhalt sowie mit der Katholischen Kirche und der kleinen Jüdischen Gemeinde, wofür er mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet wurde. Darüber hinaus widmete er sich allen Fragen rund um die sonstigen Religionsgemeinschaften, einschließlich der Zusammenarbeit mit den Vereinigten Domstiftern zu Merseburg, Naumburg und dem Kollegiatstift Zeitz.

Zwei Jahre nach seiner Rückkehr nach Bonn bot ihm das Domkapitel der Vereinigten Domstifter das Amt eines Domherrn an, das Vulpius trotz der Entfernung am 8. April 1994 annahm. Nach 14 Jahren wechselte er altersbedingt am 5. Mai 2008 in das Amt eines Ehrendomherrn, eine Zeit, in die auch die Ernennung des Naumburger Doms zum UNESCO-Weltkulturerbe fiel.

Vulpius war verheiratet und hatte mit seiner Frau drei Kinder. Dem Deutschen Tagebucharchiv Emmendingen überließ er eine rund 1000-seitige Darstellung seiner Biographie mit umfangreichen Quellen- und Dokumentationsmaterialien, überdies einen unfertigen „Kommentar zu den 15 Staatskirchenverträgen der Neuen Bundesländer seit 2000“. Zwischenzeitlich wurde der erste abgeschlossene Wittenberger Vertrag von Russland angefordert und vom Auswärtigen Amt übersetzt. Nachhaltig bleibt auch die Vulpius-Stiftung Naumburger Dom für die Kirchenfenster der Taufkapelle.

Mitgliedschaften

Auszeichnungen

Literatur

Schriften (Auswahl)

Zivilschutz

Bibliothekswesen

Fernunterricht

Bildung/Weiterbildung (WB)

Staatskirchenrecht

Verschiedenes aus dem Berufs- und gesellschaftlichen Leben

Leserbriefe / Positionen (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. ↑ Todesanzeigen, In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21. März 2023
  2. ↑ Axel Vulpius: Die Allparteienregierung. Alfred Metzner Verlag, Frankfurt 1. Januar 1957.
Personendaten
NAME Vulpius, Axel
ALTERNATIVNAMEN Vulpius, Axel Guido
KURZBESCHREIBUNG deutscher Ministerialdirigent
GEBURTSDATUM 24. März 1926
GEBURTSORT Heidelberg
STERBEDATUM 15. März 2023
STERBEORT Bonn