
Hanan Aynor (* 20. Oktober 1916 in Frankfurt am Main; † 15. Dezember 1993 in Jerusalem), hebräisch חנן עינור, geboren als Hans Sonneborn, war ein deutsch-israelischer Diplomat und Autor.
Er wurde als Kind von Hermann und Antonia Sonneborn, geborene Samuel, während des Ersten Weltkrieges im deutschen Kaiserreich geboren. Er verließ Deutschland im Jahr 1935, nachdem er von den Nationalsozialisten noch vor seinem Abitur wegen seiner jüdischen Abstammung aus einer öffentlichen Schule geworfen worden war. Er hätte danach zwar auf eine rein jüdische Schule in Frankfurt am Main bzw. Deutschland wechseln können, entschied sich jedoch zur Emigration. 1933/34 hielt er sich in dem von der zionistischen Organisation Hechaluz betreuten Kibbuz HaOlim an der französisch-luxemburgischen Grenze auf und organisierte von dort aus Hachschara-Stellen bei kleineren Landwirten.
Nach einer Odyssee durch Europa und den Mittelmeerraum wanderte Hans Sonneborn 1937 mit Hilfe der Kinder- und Jugend-Alijah in den Jischuw des britischen Mandatsgebietes Palästina ein und änderte seinen Namen. Seine Eltern konnten in die Vereinigten Staaten emigrieren und lebten zuletzt in Chicago, Illinois. Bis 1939 erlebte Hanan Aynor den bewaffneten arabischen Aufstand gegen die britische Mandatsherrschaft und die zionistische Landnahme mit, der blutig niedergeschlagen wurde.
Er studierte am Harry S. Truman Research Institute for the Advancement of Peace der Hebräischen Universität in Jerusalem, schloss dieses Studium jedoch nicht mit einem akademischen Grad ab. Er lebte im Kibbuz Aschdot Ja’akov im Jordantal und heiratete 1939 die in Polen geborene Lehrerin und Schuldirektorin Yaffa Puterman-Efrat (1912–2002), geborene Rodstein, mit der er im Jahr 1941 ein Kind bekam. Die Tochter der beiden, Ayala Procaccia, wurde 2001 zur Richterin am Obersten Gerichtshof Israels berufen. Während des Zweiten Weltkrieges diente Aynor hinter der Front in der britischen Armee und war in dem von der deutschen Wehrmacht besetzten Frankreich eingesetzt.
Nach Kriegsende lernte er in einem französischen DP-Lager Sarah Skorohod kennen, die dort arbeitete. Im Jahr 1947 trennte er sich von seiner Ehefrau und heiratete Skorohod, mit der er zwei Kinder bekam, Amos Tzvi und Yael Aynor. Hanan Aynor war nach dem Krieg für die Mossad le Alija Bet der Jewish Agency tätig, um Überlebende der Shoah auf damals illegalem Weg ins britische Mandatsgebiet Palästina zu bringen. Als offizieller Dolmetscher war er beispielsweise auf dem Flüchtlingsschiff Exodus from Europe 1947 eingesetzt, als dieses monatelang im Hafen von Marseille festgehalten wurde.
Nach der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 wurde Aynor in den diplomatischen Dienst des israelischen Außenministeriums aufgenommen. Innerhalb der folgenden vier Jahrzehnte diente er sowohl im Außenministerium selbst als auch in diversen Staaten auf den drei Kontinenten Afrika, Nord- und Südamerika.
Aynor veröffentlichte Bücher und zahlreiche Artikel zu afrikanischen und asiatischen Staaten. Teilweise arbeitete er dabei mit dem israelischen Diplomaten Shimon Avimor (1913–1994) zusammen, der seine Schulzeit ebenfalls in Frankfurt am Main verbracht hatte.
Bis zu seinem Krebs-Tod im Alter von 77 Jahren war Aynor Präsident der Israelisch-äthiopischen Liga für Freundschaft. Er fühlte sich diesem afrikanischen Staat und seinen Menschen sehr verbunden und träumte davon, die jüdischen Äthiopier (Falashas) nach Israel zu bringen (siehe auch: Operation Salomon, Mai 1991).
Die Hanan Aynor Stiftung (Keren Hanan Aynor, hebräisch קרן חנן עינור) wurde von Aynors Ehefrau Sarah nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1994 eingerichtet. Sie soll talentierten und hoch motivierten äthiopischen Israelis eine höhere akademische Ausbildung bzw. Abschlüsse ermöglichen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Aynor, Hanan |
| ALTERNATIVNAMEN | Sonneborn, Hans (Geburtsname); חנן עינור (hebräisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsch-israelischer Diplomat und Autor |
| GEBURTSDATUM | 20. Oktober 1916 |
| GEBURTSORT | Frankfurt am Main |
| STERBEDATUM | 15. Dezember 1993 |
| STERBEORT | Jerusalem |