Azaria dei Rossi

Meor Enajim, Mantua 1574 (Titelblatt)

Azaria(h) (Bonaiuto) dei Rossi ben Moses (* um 1511 in Mantua; † 1578 ebenda) war ein italienisch-jüdischer Humanist, Arzt und Historiker. Er gilt als bedeutendster jüdischer Gelehrter der italienischen Renaissance.

Leben

Azaria wurde um 1511 in Mantua als Sohn der Familie Min ha-Adummim (= von den Roten), einer der bedeutendsten Familien des italienischen Judentums, geboren. Nach seinen Angaben war die Familie nach der Zerstörung des zweiten Tempels von Kaiser Titus nach Italien gebracht worden. Azaria empfing seine Grundausbildung in Mantua. Nach dem Studium der medizinischen und geschichtlichen Wissenschaften ließ er sich als Arzt in Ferrara nieder, lebte danach in Ancona, Sabbioneta und Bologna. Als Pius V. 1569 die Juden aus seinem Herrschaftsbereich vertrieb, siedelte er erneut nach Ferrara über, wo er sein Hauptwerk verfasste. Hier erlebte er das große Erdbeben des Jahres 1570. Gegen Ende seines Lebens kehrte er nach Mantua zurück, wo er die Drucklegung seines Meor Enajim überwachte. Er starb im Jahr 1578.

Werk

Als erster zog Azaria die im Judentum in Vergessenheit geratenen Werke der jüdisch-hellenistischen Literatur zur Kontrolle der talmudisch-rabbinischen Überlieferung heran und wurde – von den Zeitgenossen angefeindet – ein Vorläufer der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Judentum. Unter anderem wies er nach, dass die jüdische Jahreszählung „seit Erschaffung der Welt“ erst aus dem Mittelalter stammte, ebenso wie der für eine antike Quelle gehaltene Josippon.

Meor Enajim

Sein bekanntestes und bedeutendstes Werk ist das dreiteilige meor enajim (Erleuchtung der Augen, Augenspiegel, Mantua 1573–1575), enthaltend Berichte, eine Übersetzung des Aristeasbriefes und verschiedene Abhandlungen:

In Safed war der Bann (Cherem) über das zu verbrennende Buch geplant, wurde aber wegen des Todes des Josef Karo nicht mehr vollzogen. Schließlich untersagten die Rabbiner zu Mantua allen Jünglingen vor Vollendung des 25. Lebensjahres das Studium des Buches (und auch danach blieb es nur erlaubt mit Zustimmung des Rabbinats vor Ort).

Erst die aufgeklärten Zeitgenossen Mendelssohns wussten dei Rossis Leistung zu würdigen. Keine jüdische Schrift des Mittelalters ist von christlichen Gelehrten in stärkerem Maße herangezogen worden als jenes Buch.

Ausgaben

Weitere Werke (Auswahl)

Literatur (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. ↑ Vgl. Joseph Dan (2007), S. 471. „…the greatest scholar of Hebrew letters during the Italian Renaissance.“
  2. ↑ Es "rief bei den Rabbinen große Erregung hervor [...] Als das Buch erschien waren die gläubigen Juden von Schmerz und Betrübnis erfüllt wegen des Verlustes an teueren Überlieferungen, der sie bedrohte", Wininger, l. c., Seite 259
Personendaten
NAME Rossi, Azaria dei
ALTERNATIVNAMEN Rossi, Azaria ben Moses dei; Rossi, Bonaiuto dei
KURZBESCHREIBUNG jüdischer Humanist
GEBURTSDATUM um 1511
GEBURTSORT Mantua
STERBEDATUM 1578
STERBEORT Mantua