Azawagh (Landschaft)

Karte des Azawagh

Der Azawagh (auch Azaouagh, Azaouak, Azawad, Azawak, Azawakh, Azawaq und Azawaɣ) ist eine Landschaft in Niger und Mali.

Geographie

Die Ausdehnung der Landschaft Azawagh ist nicht eindeutig umrissen. Sie steht in Zusammenhang mit dem sie durchquerenden gleichnamigen Trockental Azawagh, entspricht jedoch nur in Teilen dessen Einzugsgebiet. In ihrem Kernbereich umfasst sie den nördlich der Landschaft Ader gelegenen Norden der Region Tahoua in Niger. Oft wird als Azawagh ein größeres Gebiet zwischen den Gebirgen Adrar des Ifoghas in Mali und Aïr in Niger beschrieben. Eine mögliche nördliche Begrenzung stellt der Beginn der Sandwüste Talak dar.

Der Azawagh hat generell den Charakter einer weitläufigen Ebene mit zahlreichen felsigen Hügeln. Im Norden herrscht das Klima der Sahara vor, mit einer durchschnittlichen jährlichen Niederschlagsmenge von unter 200 mm. Im Süden, am Übergang zur Sahelzone, beträgt die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge 200 bis 300 mm. In der dürren Steppensavanne des Nordens finden sich Rispenhirsen und je nach Jahreszeit verschiedene Grasarten. Einen etwas dichteren Pflanzenbewuchs mit Acacia raddiana, Calotropis procera und Maerua crassifolia gibt es hier nur in geschützten Niederungen. Die Vegetation auf den sandigen Böden im Süden der Landschaft wird von Süßgräsern wie Cenchrus biflorus dominiert. Hier wachsen in den Niederungen auch Arabische Gummi-Akazien (Acacia nilotica) und Wüstendatteln (Balanites aegyptiaca).

Geschichte

Die südliche Sahara und damit auch der Azawagh erfuhren während der letzten 10.000 Jahre mehrere längere Feuchtperioden. Währenddessen war jeweils die Tierwelt aus der Sudanzone im Süden auch im Azawagh vertreten. Dazu zählten Elefanten, Ellipsen-Wasserböcke, Flusspferde und Nilbarsche. Aus der ältesten Feuchtperiode von vor 9000 bis 8000 Jahren gibt es kaum Spuren menschlicher Besiedlung, auch wenn diese anzunehmen ist. Für den Zeitraum von etwa vor 6500 bis 3500 Jahren lässt sich eine ziemlich andauernde Besiedlung nachweisen. Zu den Funden zählen Keramik und Steingeräte, deren Gestaltung sich über die Jahrhunderte ausdifferenzierte. Zuletzt wurden auch Kupfererze verarbeitet. Mit dem Ende der letzten Feuchtperiode vor ungefähr 3500 Jahren endete die Epoche der frühen menschlichen Besiedlung des Azawagh. Bedeutende Fundstätten sind In-Tékébrine, Takéné Bawat und Tamaya Mellet. Die archäologische Erforschung setzte in den 1930er Jahren ein, zunächst durch Guy Le Rumeur, dann durch Henri Lhote.

Die Bewohner des Azawagh wurden schwer von der Hungersnot der 1970er und 1980er Jahre getroffen. Im Dürrejahr 1973 fanden Fulbe-Viehzüchter aus der Landschaft im Dorf Badak Zuflucht. Im Dürrejahr 1984 zogen Viehzüchter aus dem Azawagh während der Regenzeit nach Dogondoutchi. In den nachfolgenden Jahrzehnten blieb ein gestörtes Gleichgewicht zwischen der Verfügbarkeit von Weideflächen und dem Viehbestand.

Der Azawagh war in den 1990er Jahren ein Schauplatz des Tuareg-Aufstands. Paramilitärische Organisationen waren in dieser Zeit beispielsweise in Mali die Volksbewegung des Azawad, die Arabische islamische Front des Azawad, die Revolutionäre Armee der Befreiung des Azawad, die Volksfront der Befreiung des Azawad und die Nationale Front der Befreiung des Azawad sowie in Niger die Befreiungsfront des Aïr und Azawad. Die Schreibweise Azawad für Azawagh ist vor allem in Mali verbreitet. Die Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad rief 2012 vorübergehend die Unabhängigkeit eines Nord-Mali umfassenden Staates Azawad aus.

Bevölkerung

Wodaabe in Tillia im Azawagh (1992)

Der Azawagh ist sehr dünn besiedelt und weist eine vorwiegend nomadische Bevölkerung auf. In ethnischer Hinsicht leben hier Angehörige der Tuareg-Untergruppe Ullemmeden und der Fulbe-Untergruppe Wodaabe sowie eine arabische Minderheit.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Edmond Bernus: Azawagh. In: Encyclopédie berbère. Vol. 8: Aurès – Azrou. Edisud, Aix-en-Provence 1990, ISBN 2-85744-461-3, S. 1207–1208, doi:10.4000/encyclopedieberbere.199.
  2. 1 2 3 Abdou Adamou, Barkiré Abdoulaye, Diop Amadou, Giancarlo Pini, Younoussa Seybou, Vieri Tarchiani: Le zonage agro-écologique du Niger. (PDF) Réseau National des Chambres d’Agriculture (RECA), 2. Februar 2010, S. 6–7, abgerufen am 2. Oktober 2026 (französisch).
  3. 1 2 3 4 Rahmane Idrissa: Historical Dictionary of Niger. 5. Auflage. Rowman & Littlefield, Lanham/Boulder/New York/London 2020, ISBN 978-1-5381-2014-9, S. 78–79.
  4. 1 2 Monographie de la commune rurale d’Ingall. (PDF) Ministère de l’Intérieur et de la Décentralisation, République du Niger, 12. August 2009, S. 5–6, archiviert vom Original am 11. August 2016; abgerufen am 2. Oktober 2026 (französisch).
  5. ↑ Damien Hauswirth, Hassane Yayé, Abdoulaye Sambo Soumaila, Badamassi Djariri, Issaka Lona, Malam Boukar Abba: Appui à la formulation concertée de la SPN2A pour la République du Niger. Identification et évaluation des options d’agriculture intelligente face au climat prioritaires pour l’adaptation face aux changements climatiques au Niger. Volume 2 : Annexes. Ministère de l’Environnement, de la Salubrité Urbaine et du Développement Durable / Ministère de l’Agriculture et de l’Elevage / Conseil National de l’Environnement pour un Développement Durable / Haut-Commissariat à l’Initiative 3N / AFD / Facilité Adapt’Action / Baastel – BRL – ONFI, Niamey / Brüssel 2020, S. 7 (spn2a.org [PDF; abgerufen am 14. August 2026]).
  6. ↑ François Paris: Le bassin de l’Azawagh. Peuplements et civilisations, du néolithique à l’arrivée de l’islam. In: Alain Marliac (Hrsg.): Milieux, sociétés et archéologues. Karthala, Paris 1995, ISBN 2-86537-576-5, S. 246–248 (horizon.documentation.ird.fr [PDF; abgerufen am 2. Oktober 2026]).
  7. ↑ François Paris: Le bassin de l’Azawagh. Peuplements et civilisations, du néolithique à l’arrivée de l’islam. In: Alain Marliac (Hrsg.): Milieux, sociétés et archéologues. Karthala, Paris 1995, ISBN 2-86537-576-5, S. 227–228 (horizon.documentation.ird.fr [PDF; abgerufen am 2. Oktober 2026]).
  8. ↑ Boubé Gado, Abdoulaye Maga, Oumarou Amadou Idé: Rappel sur les faits préhistoriques et historiques de la zone Nord du Niger. In: Mamadou Moustapha Niang, Boubé Nagando, Seyni Seidou, Elizabeth Wangari (Hrsg.): Les pillages des sites culturels et naturels au Niger. UNESCO, Paris 2001, S. 106 und 109.
  9. ↑ François Paris: Le bassin de l’Azawagh. Peuplements et civilisations, du néolithique à l’arrivée de l’islam. In: Alain Marliac (Hrsg.): Milieux, sociétés et archéologues. Karthala, Paris 1995, ISBN 2-86537-576-5, S. 231–232 (horizon.documentation.ird.fr [PDF; abgerufen am 3. Oktober 2026]).
  10. ↑ Xavier Bernier: Les consequénces des sécheresses récentes sur le développement agropastoral au nord de Filingué (Niger). Travail d’Etude et de Recherche. Université Joseph Fourier, Grenoble September 1988, S. 168 (xavierbernier.com [PDF; abgerufen am 3. Oktober 2026]).
  11. ↑ Theodore Togo: Context Case Study: Africa. The Rebellion in the North of Mali. In: Peacebuilding: A Caritas Training Manual. 2. Auflage. Caritas Internationalis, Vatikanstadt 2006, S. 233 (web.archive.org [PDF; abgerufen am 3. Oktober 2026]).
  12. ↑ Rahmane Idrissa: Historical Dictionary of Niger. 5. Auflage. Rowman & Littlefield, Lanham/Boulder/New York/London 2020, ISBN 978-1-5381-2014-9, S. 239.
  13. ↑ Factbox Azawad: self-proclaimed Tuareg state. Thomson Reuters Foundation, 6. April 2012, abgerufen am 3. Oktober 2026 (englisch).

Koordinaten: 17° 19′ 52″ N, 4° 16′ 1″ O