
Aziza Brahim arabisch عزيزة ابراهيم (* 9. Juni 1976 in einem sahrauischen Flüchtlingslager nahe Tindūf, Algerien) ist eine sahrauische Sängerin, Songwriterin und Schauspielerin. Ihre Musik nutzt vor dem Hintergrund ihrer Erfahrung sahrauischen Exils Folk-Blues und westafrikanische, iberische und mediterrane Einflüsse.
Aziza Brahim wurde am 9. Juni 1976 in einem sahrauischen Flüchtlingslager in der Provinz Tindūf in Westalgerien geboren. Brahims Mutter war ein Jahr zuvor schwanger dorthin geflohen, nachdem marokkanische Truppen Westsahara besetzt hatten. Brahims Vater blieb in El Aaiún, starb dort später und lernte seine Tochter aufgrund des Westsahara-Konfliktes nie kennen. Brahim wuchs unter den schwierigen Bedingungen des Flüchtlingslagers auf und fand in ihrer Jugend Gefallen an Musik und Schauspielerei, um dem Alltag in dem Lager zu entkommen. Als Kind erlebte sie Musik als Schutzraum und als Möglichkeit zum Ausdruck ihrer Erfahrungen von Verlust und Widerstand. Ihre Großmutter Ljadra Mint Mabrouk hatte Einfluss auf sie als Dichterin und führte sie an Poesie und Musik heran. Im Alter von elf Jahren erhielt Brahim ein Stipendium für eine schulische Ausbildung in Kuba. Sie bewarb sich dort auf eine musikalische Ausbildung, wurde jedoch abgelehnt und kam deshalb 1995 zurück ins Flüchtlingslager in Westalgerien.
Später ließ sich Brahim in Spanien nieder und lebt heute in Barcelona. Sie ist verheiratet und Mutter einer Tochter. Der Kontakt zu den sahrauischen Flüchtlingslagern und zu ihrer Familie dort blieb für sie ein Teil ihrer Identität.
Nach ihrer Rückkehr trat Brahim beim ersten nationalen Gesangswettbewerb im Rahmen des nationalen Kulturfestivals der Demokratischen Arabischen Republik Sahara auf. 1995 gewann sie einen nationalen Gesangswettbewerb der Demokratischen Arabischen Republik Sahara und entwickelte ihre Laufbahn anschließend in Spanien weiter. Anschließend wurde sie Teil der nationalen sahrauischen Musikgruppe, die durch Mauretanien und Algerien tourte. Später tourte sie mit verschiedenen anderen Gruppen, unter anderem Leyoad, durch Mittel- und Südeuropa. 1999 nahm Brahim die ersten Songs gemeinsam mit Touaregmusikern beim sahrauischen Nationalradio auf. 2007 gründete Brahim die Band Gulili Mankoo, bestehend aus Musikern aus Westsahara, Spanien, Kolumbien und Senegal. Der Musikstil der Gruppe zeichnete sich durch einen Mix aus traditioneller westafrikanischer Musik sowie typischem Blues und Rock aus. 2008 nahm die Gruppe die erste EP mit dem Titel Mi Canto auf. Seit 2009 tourte Brahim regelmäßig mit der baskischen Txalaparta-Gruppe Oreka Tx durch Spanien und Frankreich.
2011 trat Brahim das erste Mal als Schauspielerin auf. Sie spielte im spanischen Film Wilaya mit, für den sie auch den Soundtrack komponierte und produzierte. Für die Musik zu diesem Film von Pedro Pérez Rosado erhielt sie 2012 beim Festival de Málaga die Biznaga de Plata für die beste Originalmusik. 2012 veröffentlichte Brahim ihre erste LP mit dem Titel Mabruk. Das Album war eine Hommage an Ljadra Mint Mabrouk und vertonte deren Verse mit Brahims eigener Weiterentwicklung sahrauischer Musik. 2014 nahm Brahim ein weiteres Album mit dem Titel Soutak auf, bei dem zahlreiche unterschiedliche Musiker aus Barcelona und Mali mitwirkten. Mit Soutak („deine Stimme“, 2014) erreichte sie internationale Aufmerksamkeit; das Album stand drei Monate an der Spitze der World Music Charts Europe. Auf Soutak kombinierte sie sahrauische Traditionen mit spanisch geprägten Gitarren, Perkussion und Einflüssen anderer Musikkulturen. 2016 brachte sie ein Album mit dem Titel Abbar el Hamada heraus, auf dem sie das Leid der sahrauischen Bevölkerung besingt. Abbar el Hamada (2016) griff erneut das Exil der Sahrauis auf und näherte sich zugleich dem elektrischen Desert Blues. Auf Sahari (2019) öffnete sie ihre Musik für neue Klänge und bezog die Erfahrung des Exils auch auf weltweit Vertriebene und Geflüchtete. Die Absage eines für 2019 geplanten Konzerts am Institut du monde arabe in Paris machte die politische Brisanz ihrer öffentlichen Rolle sichtbar. Mawja („Welle“, 2024) wurde in Barcelona mit Guillem Aguilar koproduziert und baut auf Bildern von Radiowellen, Wüstendünen, Migration und Erinnerung auf.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Brahim, Aziza |
| ALTERNATIVNAMEN | ابراهيم, عزيزة |
| KURZBESCHREIBUNG | sahrauische Sängerin, Songwriterin und Schauspielerin |
| GEBURTSDATUM | 9. Juni 1976 |
| GEBURTSORT | Provinz Tindūf, Algerien |