| Bayerische Akademie der Wissenschaften | |
|---|---|
| Motto | Tendit ad aequum |
| Gründung | 1759 |
| Trägerschaft | autonom, K.d.ö.R., Aufsichtsbehörde: StMWK |
| Ort | München |
| Bundesland | Bayern |
| Land | Deutschland |
| Präsident | Markus Schwaiger |
| Mitarbeiter | 500 (Stand 31. Dezember 2022) |
| davon wissensch. | 329 |
| Jahresetat | 87.361.068 Euro (Stand 31. Dezember 2022) |
| Netzwerke | Union der deutschen Akademien der Wissenschaften |
| Website | badw.de |
Die Bayerische Akademie der Wissenschaften (BAdW) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts (K.d.ö.R.) mit Sitz in München. Die Grundfinanzierung trägt der Freistaat Bayern. Die zuständige Aufsichtsbehörde ist das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (StMWK). Sie ist die größte und eine der ältesten der acht auf Landesebene organisierten Wissenschaftsakademien in Deutschland. Zur Akademie gehören auch das Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) und das Walther-Meißner-Institut für Tieftemperaturforschung (WMI) auf dem Hochschul- und Forschungszentrum Garching, sowie das Bayerische Forschungsinstitut für digitale Transformation (bidt) und die Kommission für bayerische Landesgeschichte (KBL). Die BAdW ist außerdem Mitglied in der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften.



Die Kurfürstliche Akademie der Wissenschaften wurde 1759 von Kurfürst Maximilian III. Joseph gegründet. Graf Sigmund von Haimhausen wurde im selben Jahr Gründungspräsident der Einrichtung und blieb bis 1761 im Amt, wiederholt im Amt von 1771 bis 1779 und 1787 bis zu seinem Tode 1793. 1779 wurde er erster Ehrenpräsident der Akademie. Die Gründung ist insbesondere dem Hofrat Johann Georg Lori (1723–1787) zu verdanken, dem Gründer der Bayerischen Gelehrten Gesellschaft. Ursprünglich teilte sich die Akademie in zwei Klassen, eine Historische und eine Philosophische, wobei Philosophie im damaligen Wissenschaftsverständnis auch Mathematik und Physik umfasste.
Untergebracht war die Akademie seit 1783 im Wilhelminum, dem ehemaligen Kollegiengebäude des Jesuitenordens an der Neuhauser Straße in München.
Mit der Gründung des Königreichs Bayern 1806 änderte sich der Name zu Königliche Akademie der Wissenschaften. 1807 wurde die Akademie von einer freien Gelehrteneinrichtung zu einer staatlichen Zentralanstalt mit neuer Verfassung und hauptberuflich tätigen, fest besoldeten Staatsbeamten. Sie wurde dem Innenministerium direkt unterstellt.
Mit der Begründung des Bayerischen Wörterbuchs durch Johann Andreas Schmeller im Jahr 1816 beginnt ein bis heute andauerndes Forschungsprojekt, aus dem das erste philologisch fundierte deutschsprachige Wörterbuch hervorging.
Unter König Ludwig I. kehrt die Akademie 1827 zu ihrer ursprünglichen Bestimmung als freie Gelehrtengemeinschaft und Forschungseinrichtung zurück.
Die Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (HiKo) wurde 1858 auf Initiative des Historikers Leopold von Ranke vom bayerischen König Maximilian II. gegründet. Sie ist heute eine der größten außeruniversitären historischen Forschungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland.
Mit der Kommission für die Herausgabe des Thesaurus linguae Latinae wurde 1893 das erste geisteswissenschaftliche Großprojekt der Akademie im internationalen Verbund mit den Akademien in Berlin, Göttingen, Leipzig, München und Wien begründet.
Die Kommission für Mundartforschung wurde 1911 mit der Zielsetzung gegründet, in Zusammenarbeit mit der Akademie der Wissenschaften in Wien ein gemeinsames gesamtbairisches Dialektwörterbuch zu erstellen, die Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen. Die Kommission für bayerische Landesgeschichte (KBL) mit dem Institut für Volkskunde wurde 1927 gegründet.
Mit dem Untergang der Wittelsbacher-Monarchie und der Ausrufung des Freistaats Bayern 1918 änderte sich der Name zu Bayerische Akademie der Wissenschaften.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde die Akademie in den Folgejahren „judenfrei“ gemacht. Albert Einstein trat bereits im April 1933 aus der Bayerischen Akademie aus. Noch vor Eintreffen des entsprechenden Erlasses vom 15. November 1938 meldete das bayerische Kultusministerium beim Reichswissenschaftsministerium, dass den vier nichtarischen Mitgliedern Lucian Scherman, Alfred Pringsheim, Richard Willstätter und Heinrich Liebmann mitgeteilt worden sei, dass „sie der Akademie nicht mehr angehören können“. Im nächsten Jahr wurden die „jüdisch versippten“ Mitglieder zum Rücktritt gedrängt. Der Akademiepräsident von 1935 bis 1943, Karl Alexander von Müller, wurde nach Kriegsende wegen Verstrickung in das NS-Regime zwangsemeritiert und trat, um dem Ausschluss zuvorzukommen, freiwillig aus der Akademie aus.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Zerstörung des Wilhelminums wurde die Akademie in verschiedenen Ausweichquartieren in der Nähe der Universität, dann vor allem am ehemaligen Sitz der aufgelösten Deutschen Akademie, untergebracht. Das Domizil im Nordostflügel der Münchner Residenz bezog sie im Jubiläumsjahr 1959. Der Bayerische Staatsminister für Unterricht und Kultus Theodor Maunz der Akademie im Jubiläumsjahr den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts.
Das heutige Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) wurde 1962 mit dem Namen „Kommission für elektronisches Rechnen“ gegründet. Das Walther-Meißner-Institut (WMI) für Tieftemperaturforschung bezog 1967 seinen Standort auf dem Hochschul- und Forschungszentrum Garching, war aber bereits 1946 als Kommission für Tieftemperaturforschung gegründet worden.
Das Bayerische Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt) entstand 2018. Im bidt ging das seit 2016 an die Akademie angeschlossene Munich Center for Internet Research (MCIR) auf.
2021 gründete die BAdW gemeinsam mit der Julius-Maximilians-Universität Würzburg das Friedrich-Wilhelm-Joseph-Schelling-Forum als Ort des Austauschs und der Wissenschaftsvermittlung in Würzburg. Im selben Jahr schloss sich die BAdW mit der Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding mit der Fraunhofer-Gesellschaft, der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft, sowie der Ludwig-Maximilians-Universität und der Technischen Universität München zusammen, um das Munich Quantum Valley einzurichten. 2022 folgte die feierliche Unterzeichnung der Gründungsurkunde.
Die Gelehrtengemeinschaft unterteilt sich in ordentliche, außerordentliche und korrespondierende Mitglieder. Die Mitglieder der Gelehrtengemeinschaft gehören vier Sektionen an:
Die Zahl der Mitglieder ist auf 30 ordentliche und 30 korrespondierende Mitglieder je Sektion begrenzt. Ordentliche Mitglieder haben ihren Dienst- oder Wohnsitz in Bayern, korrespondierende Mitglieder außerhalb Bayerns. Derzeit hat die Akademie 199 ordentliche und 102 korrespondierende Mitglieder. Leiterinnen und Leiter bedeutender wissenschaftlicher Einrichtungen in Bayern können vom Plenum zu außerordentlichen Mitgliedern gewählt werden. Mitglieder des Jungen Kollegs der BAdW sind für die Dauer ihrer Förderung außerordentliche Mitglieder. Die Akademie hat außerdem zwei Ehrenmitglieder, Franz Herzog von Bayern und Ulrich L. Rohde.
Die Akademie hatte im Laufe ihrer Geschichte zahlreiche bekannte Mitglieder, darunter Lorenz von Westenrieder, Johann Wolfgang von Goethe, die Brüder Grimm, Joseph von Fraunhofer, Theodor Mommsen, Alexander und Wilhelm von Humboldt, Vincenz Bernhard Tscharner, Bernhard Studer, Karl Theodor von Heigel, Aris Konstantinidis, Kurt Sethe, Max Planck, Otto Hahn, Albert Einstein, Walther Gerlach, Franz Boas, Max Weber, Werner Jaeger, Arnold Sommerfeld, Alfred Pringsheim, Erich Preiser, Werner Heisenberg, Adolf Butenandt, Franz Dölger, Hans-Georg Beck und Otto Braun-Falco, Carl August von Steinheil.
Die ersten weiblichen Mitglieder waren 1892 die Ethnologin, Zoologin und Botanikerin Therese von Bayern als Ehrenmitglied und 1936 die klassische Philologin und Papyrologin Medea Norsa als korrespondierendes Mitglied.

Erster Präsident war der Vorsitzende des Münz- und Bergwerkskollegiums Graf Sigmund von und zu Haimhausen. Spätere Präsidenten waren unter anderen Friedrich Heinrich Jacobi, Friedrich Wilhelm von Schelling, Justus von Liebig, Ignaz von Döllinger, Max von Pettenkofer, Walther Meißner und Friedrich Baethgen.
Derzeitiger Präsident ist der Nuklearmediziner Markus Schwaiger. Er löste im Januar 2023 den Sinologen Thomas O. Höllmann ab.
Die Akademie betreibt langfristig angelegte Grundlagenforschung, die das kulturelle Erbe sichert und dokumentiert. Schwerpunkte liegen in den Geisteswissenschaften, den Geowissenschaften, der Tieftemperaturphysik und der Informationstechnologie. In über 120 Projekten mit insgesamt mehr als 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entstehen Messreihen, Editionen, Modelle, Kataloge, Wörterbücher und andere wissenschaftliche Publikationen. Neben den langfristigen Forschungsvorhaben richtet die Akademie seit 2015 außerdem Ad-hoc Arbeitsgruppen ein, die eine Laufzeit von drei Jahren haben und sich aktuellen, gesellschaftspolitisch relevanten Themen widmen. Viele der langfristigen Vorhaben werden über das Akademienprogramm gefördert, das von Bund und Ländern getragen wird.
Neben öffentlichen Veranstaltungen rund um Themen aus der Wissenschaft bietet die Akademie auch digitale Angebote. In der Mediathek stehen Audio- und Video-Aufzeichnungen von Veranstaltungen, Podcast-Interviews sowie Kurzfilme zu Akademievorhaben zur Verfügung. Spezielle Themenreihen widmen sich verschiedenen Schwerpunkten. Das Magazin „Akademie Aktuell“ erscheint drei Mal pro Jahr in einer Auflage von 4.000 Exemplaren sowie als e-Paper.
Koordinaten: 48° 8′ 29,4″ N, 11° 34′ 50,2″ O