Bacon-Chiffre

Der Bacon-Chiffre ist ein auf Francis Bacon zurückgehendes Steganographieverfahren. Jedem Buchstaben des Ursprungstextes wird dabei ein fünfstelliger Code zugeordnet:

BuchstabeCodeBuchstabeCodeBuchstabeCode
AaaaaaI, JabaaaRbaaaa
BaaaabKabaabSbaaab
CaaabaLababaTbaaba
DaaabbMababbU, Vbaabb
EaabaaNabbaaWbabaa
FaababOabbabXbabab
GaabbaPabbbaYbabba
HaabbbQabbbbZbabbb

Das Wort „Wikipedia“ würde kodiert als:
„babaa abaaa abaab abaaa abbba aabaa aaabb abaaa aaaaa“.

Diese Kodierung wird nun in einem Text versteckt. Hierfür gibt es mehrere Verfahren:

Analyse

Ist das Verfahren bekannt, so lässt sich der Text leicht entziffern. Benutzt man für jeden Buchstaben „a“ oder „b“ ein eigenes Wort, so besteht die Schwierigkeit darin, einen unauffälligen Text zu schaffen, der nicht durch einen auffälligen Satzbau oder unübliche Wörter auffällt. Die Analyse wird bedeutend schwieriger, wenn zunächst der Text verschlüsselt wird, da es sich – bei guten Kryptosystemen – danach um eine nahezu gleichverteilte, zufällige Zeichenkette handelt, welche jeder Text enthält, und zwar auch, wenn er gar keine Steganographie enthält. Somit wird jeder Text zu einem potentiellen Steganogramm, dessen Inhalt verschlüsselt ist, und der Nachweis ist kaum möglich.

Bacons Chiffre ist eine der ersten Anwendungen des Dualsystems in Europa.

Bacon und Shakespeare

Es wurde vermutet, dass die Theaterstücke, deren Urheberschaft William Shakespeare zugeschrieben werden, tatsächlich von Bacon verfasst wurden, und dass diese Theaterstücke steganographische Nachrichten enthalten. Die Forscher Ignatius L. Donnelly und Elizabeth Wells Gallup versuchten, derartige Steganogramme über eine Steganalyse der frühen Druckausgaben von Shakespeares Werken aufzufinden.

Die amerikanischen Kryptologen William und Elizebeth Friedman widerlegten die Behauptung, dass die Werke von Shakespeare steganographierte Kryptogramme enthalten, welche die Urheberschaft von Bacon oder allen anderen Kandidaten aussagen, in ihrer Publikation The Shakespeare Ciphers Examined (1957).

Einzelnachweise

  1. ↑ Helen Fouché Gaines: Cryptanalysis. A Study of Ciphers and Their Solutions. Dover, New York NY 1989, ISBN 0-486-20097-3, S. 6.
  2. ↑ sdtp.de.tl (Memento vom 25. September 2015 im Internet Archive)