Bakenhof

Bakenhof, Turm (2004)
Torgebäude an der Rheinbabenstraße mit dem Wappen der Familie von Heinsberg (2010)

Der Bakenhof (historisch auch Backenhof, Baakenhof oder Bakenhaus) ist ein ehemaliger Burgmannshof und ritterliches Burglehen im Krefelder Stadtteil Linn und gilt als eines seiner Wahrzeichen. Die Anlage an der Ecke Mauerstraße/Rheinbabenstraße (Rheinbabenstraße 144 und 150) steht als Baudenkmal Nr. 185 unter Denkmalschutz.

Lage

Der Bakenhof liegt an der nordöstlichen Ecke der ehemaligen Stadtbefestigung von Linn. Sein Gegenstück an der südöstlichen Ecke ist der Issumer Turm. Beide Höfe waren mehr als gewöhnliche Mauertürme: Es handelte sich um Burgmannshäuser, also kleine „Turmburgen“ mit Hofgebäuden, die von der Stadtseite her über eigene Toranlagen erreichbar waren.

Geschichte

Klevische Zeit

Bei der Gründung der Stadt Linn vergaben die Grafen von Kleve die Hofstelle als Mannlehen. Der Lehnsmann musste zur Verteidigung der Stadt beitragen und vor allem auf seiner Hofstelle einen Turm der Stadtmauer errichten. Der Name geht wahrscheinlich auf die klevischen Gefolgsleute von Bake zurück. Die Familie war mit den Herren von Friemersheim verschwägert und besaß auch in Friemersheim einen Bakenhof, ein Lehen der Abtei Werden. Ritter Johann Bake war mit Hadwig von Friemersheim verheiratet und damit Schwager des Linner Amtmanns Heinrich von Friemersheim. Am 14. Oktober 1358 versprach Heinrich, Burg und Stadt Linn nach dem Tod des Grafen Johann von Kleve dessen Witwe Mechthild von Geldern zu öffnen. Johann Bake war bei diesem Gelöbnis der zweite Zeuge. Möglicherweise kam Bake in der Zeit des Geldrischen Bruderkriegs zu Beginn der 1360er Jahre in den Besitz des Burglehens an der Nordostecke der Stadt. Das setzt allerdings voraus, dass es den Hof damals schon gab.

Das Lehen konnte nur in männlicher Linie vererbt werden. Zu ihm gehörten neben der Hofstelle das Recht auf Brandholz aus dem Oppumer und Bockumer Busch, die Fischereigerechtigkeit im Rhein entlang der Stadt Linn und eine Rente von sechs oberländischen rheinischen Gulden aus dem Zoll in Strümp.

Kurkölnische Zeit

Als Linn 1388/92 an das Erzstift Köln zurückfiel, gehörte der Bakenhof fortan wie der Issumer Turm, der Hof Grafschaft, der Buscher Hof und der Hengsthof in Lank zu den Burglehen im kurkölnischen Amt Linn und war der Burg Linn zugeordnet. Erster nachweisbarer Lehnsträger war Simon von Aldenbrüggen genannt Velmerkem, belehnt am 30. Januar 1430. Sein Sohn Rutger folgte am 11. September 1470, dessen Neffe Simon am 1. März 1502. Nach dessen Tod kam das Lehen an die Familie von Quadt (Linie Wickrath). Am 15. Juni 1532 wurde Johann Quadt, Amtmann zu Erprath, belehnt. Er war in erster Ehe mit Anna Wrede, in zweiter mit Christine Schmitz aus Linn verheiratet. Für seine Söhne Stephan und Albrecht empfing 1572 ihr Vormund Jürgen Quadt das Lehen, 1592 Albrecht selbst. Albrecht (bei Strange: Albert) Quadt heiratete Margaretha von Calcum genannt Luchtmar. Ihr Sohn Hans Gerhard (Johann Gerhard) Quadt wurde 1624 noch minderjährig belehnt. Für ihn empfingen seine Vormünder Hans Friedrich und Wilhelm von Calcum genannt Luchtmar das Lehen. Er starb 1645 und hinterließ eine Tochter Margaretha, die später einen Herrn von Behren heiratete. Am 5. April 1658 ging das Lehen an Lutter Mathias Friedrich von Behr über.

Familie von Heinsberg

Nach rund 20 Jahren verkaufte von Behr das Lehen an die Familie von Heinsberg. Clemen datiert den Kauf auf „gegen 1670“. Die Heinsberg waren ein Kölner Patriziergeschlecht und sind nicht mit den Herren von Heinsberg zu verwechseln. Ihr Wappen zeigt in Silber einen schwarzen Querbalken, darunter eine aus dem Schildfuß aufsteigende dreispitzige Flamme.

Am 21. Juni 1677 wurde der pfälzische Kammerrat Hermann Cornelius von Heinsberg († 14. März 1699) belehnt. Ihm folgten sein Sohn Johann Baptist (1669–1708), Senator in Köln, und dessen Sohn Cornelius Joseph († 16. Juni 1752), ebenfalls Kölner Senator. Von Cornelius Josephs Söhnen wurde zunächst Johann Baptist Bertram Joseph (* 1726) belehnt. Als er 1763 unverheiratet starb, folgte sein Bruder Johann Wilhelm Xaver (1728–1783), Senator in Köln. Letzter Lehnsträger war dessen Sohn Goswin Joseph Anton Hugo von Heinsberg, 1797 Bürgermeister von Köln. Mit der französischen Besetzung des Rheinlands endete das Lehnsverhältnis.

1725 wurde das Burghaus erweitert. Das Portal mit dem Heinsbergschen Wappen trägt diese Jahreszahl. Johann Wilhelm Xaver von Heinsberg ließ das heutige Wohnhaus errichten. 1829 wurden Goswin Joseph Hugo, Alexander Goswin Joseph und Carl Anselm von Heinsberg in die Adelsmatrikel der preußischen Rheinprovinz eingetragen.

Übergang an die Raitz von Frentz

Auch nach der Aufhebung des Lehnswesens blieb das alte Burglehen im Besitz der Familie von Heinsberg und ihrer Nachkommen. Im 19. Jahrhundert ging der Hof durch Heirat über zwei Generationen an die Familie Raitz von Frentz:

  • Carl Anselm Joseph von Heinsberg (1776–1861), Gutsbesitzer auf dem Bakenhof, heiratete am 12. Mai 1819 Sophie Albertina von Mylius (1782–1867), eine Tochter von Caspar Josef Carl von Mylius. Beide starben auf dem Bakenhof. Ihr Sohn Kaspar Josef von Heinsberg (1820–1897), später Landrat in Grevenbroich, wurde dort geboren.
  • Ihre Tochter Clara Eugenie von Heinsberg (1824–1895), ebenfalls auf dem Bakenhof geboren, heiratete am 31. Mai 1847 den preußischen Major Engelbert Freiherr von Lüninck (1803–1862). Als Witwe lebte sie bis zu ihrem Tod 1895 als Gutsbesitzerin in Linn. 1889 wird sie als Eigentümerin des Hofes genannt.
  • Deren Tochter Sophie Karoline von Lüninck (1850–1935) heiratete am 16. Februar 1884 auf dem Bakenhof den Premierleutnant a. D. Adolf Freiherr Raitz von Frentz (1843–1907).

Eigentümerin war 1896 noch Freiin Maria von Lüninck, eine Tochter von Clara Eugenie von Heinsberg. Gemeint ist die jüngere der beiden Töchter, Franziska Caroline Marie von Lüninck, geboren 1853. Danach ging der Hof an die Familie Raitz von Frentz über. Sie besitzt und bewohnt ihn bis heute.

Baubeschreibung

Zum Bakenhof gehören ein fünfgeschossiger, quadratischer Turm mit Zeltdach, östlich davon ein Wohnhaus aus zwei rechtwinklig zueinander stehenden, zweigeschossigen Flügeln mit hochrechteckigen Fenstern sowie das Torgebäude.

Paul Clemen hielt den fünfgeschossigen Turm 1896 für den einzigen erhaltenen Teil der alten Anlage, „der aber im Äusseren ganz modernisiert ist“. Nach neuerer Darstellung stammt der heutige Turm dagegen vom Beginn des 19. Jahrhunderts und steht etwas westlich der Stelle, an der sich der ursprüngliche Mauerturm auf der Ecke der Stadtmauer befand. Anders als der weitgehend unveränderte Issumer Turm wurde der Bakenturm erheblich umgebaut. Maueranker am Wohnhaus nennen die Jahreszahl 1772.

Das Torgebäude erstreckt sich entlang der Rheinbabenstraße. Sein äußeres Portal ist rundbogig und hat einen geschweiften, abgetreppten Überbau. Über der Tür sitzt das Wappen der Familie von Heinsberg mit der Jahreszahl 1725.

Bei Renovierungsarbeiten im Haus Margaretenstraße 22 kamen Spuren einer Glaswerkstatt zum Vorschein. Dazu gehörte das Bruchstück einer farbigen Wappenscheibe der Familie Quadt, die offenbar vom Bakenhof dorthin zur Reparatur gegeben worden war.

Der Bakenhof ist in Privatbesitz und bewohnt.

Archivalien

Das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Rheinland, verwahrt unter der Signatur RW 1126 das Familienarchiv Linn, Baakenhof (1437–1877, 20 Einheiten). Zum Hof selbst enthält es Akten über Ländereien, Einkünfte und Einquartierungen aus den Jahren 1674 bis 1799 sowie zum Jagdrecht (1741–1769). Als Lehnsträger und spätere Besitzer des kurkölnischen Lehens nennt die Bestandsbeschreibung die Familien von Quadt, von Mylius, von Heinsberg und von Lüninck. Von den Lüninck ging der Hof an die Familie Raitz von Frentz über. Weil das kleine Archiv aus verschiedenen Provenienzen zusammengesetzt ist, betrifft es außer dem Bakenhof selbst auch Haus Reuschenberg bei Bürrig, Haus Pesch an der Wupper, den Grundbesitz der Familie Mylius in Siersdorf, die Häuser Schönwasser, Sollbrüggen und Neuenhofen bei Krefeld sowie Altarstiftungen in Bürrig, Düren, Köln und Uerdingen.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Denkmalliste der Stadt Krefeld, Stand 01/2011 (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive; PDF; 204 kB)
  2. 1 2 3 4 Informationen zum Bakenhof und zum Issumer Turm (Memento vom 12. November 2010 im Internet Archive)
  3. 1 2 Johanna Klümpen-Hegmans: Linn – Burg und Stadt. Vom Mittelalter zur Gegenwart. Arbeitsgemeinschaft Flachsmarkt, Krefeld 1993, ISBN 3-7948-0210-1, S. 84–85.
  4. 1 2 3 4 5 6 Bakenhof, kr-linn.de, abgerufen am 11. Oktober 2026.
  5. 1 2 3 4 5 6 7 H. Keussen: Das Backen-Haus in Linn. In: Die Heimath. Wochenblatt für Kunde der niederrheinischen Geschichte mit Einschluß der Sagen, Legenden, Gebräuche etc. Joh. Pet. Lentzen, Fischeln 1875, S. 116.
  6. 1 2 3 Bakenhof, alleburgen.de, abgerufen am 11. Oktober 2026.
  7. 1 2 3 4 5 6 Paul Clemen (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Städte und Kreise Gladbach und Krefeld (= Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Band 3, Abt. 4). L. Schwann, Düsseldorf 1896, S. 579–580 (Digitalisat).
  8. 1 2 Joseph Strange: Beiträge zur Genealogie der adligen Geschlechter. Heft 11. J. M. Heberle, Köln 1872, S. 87–88 (Digitalisat).
  9. 1 2 Ernst Heinrich Kneschke (Hrsg.): Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon. Band 4. Friedrich Voigt, Leipzig 1863, S. 281 (Digitalisat).
  10. 1 2 J. Fr. Lefranc, J. P. Lentzen: Geschichte der Pfarreien des Dekanates Crefeld (= Geschichte der Pfarreien der Erzdiöcese Köln). M.-Gladbach 1889, S. 371–372.
  11. ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser, 8. Jahrgang. Justus Perthes, Gotha 1858, S. 464 (Mylius) (Digitalisat).
  12. ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser, 8. Jahrgang. Justus Perthes, Gotha 1858, S. 407 (Lüninck) (Digitalisat).
  13. ↑ Genealogisches Handbuch des Adels, Freiherrliche Häuser Band XVI. C. A. Starke, Limburg an der Lahn, ISBN 3-7980-0700-4, S. 431–432.
  14. 1 2 Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser, 48. Jahrgang. Justus Perthes, Gotha 1898, S. 570 (Lüninck) (Digitalisat).
  15. ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser, 13. Jahrgang. Justus Perthes, Gotha 1863, S. 580 (Lüninck) (Digitalisat).
  16. 1 2 Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Rheinland, Bestand RW 1126 Familienarchiv Linn, Baakenhof (Backum), Bestandsbeschreibung, archive.nrw.de, abgerufen am 11. Oktober 2026.
  17. ↑ Familienarchiv Linn, Baakenhof (Backum), RW 1126, Landesarchiv NRW, auf archivportal-d.de

Koordinaten: 51° 20′ 7,4″ N, 6° 38′ 22,3″ O