Balf

Balf
Balf (Ungarn)
Balf (Ungarn)
Balf
Basisdaten
Staat: Ungarn Ungarn
Region: Westtransdanubien
Komitat: Győr-Moson-Sopron
Kleingebiet bis 31.12.2012: Sopron-Fertőd
Kreis: Sopron
Koordinaten: 47° 39′ N, 16° 40′ OKoordinaten: 47° 38′ 57″ N, 16° 39′ 48″ O
Fläche: 17,26 km²
Einwohner: 1.080 (2022)
Bevölkerungsdichte: 63 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+36) 99
Postleitzahl: 9494
Struktur und Verwaltung
Gemeindeart: Stadtteil

Balf ['bɒlf] (deutsch Wolfs, veraltet Sankt Wolfgang) ist ein Stadtteil der ungarischen Stadt Sopron, die im Kreis Sopron im Komitat Győr-Moson-Sopron liegt. Bis 1985 war Balf eine eigenständige Gemeinde. Im Jahre 2022 gab es im Ort 1080 Einwohner und 406 Wohnungen.

Geografische Lage

Balf liegt sieben Kilometer südöstlich des Stadtzentrums von Sopron am südwestlichen Ufer des Neusiedler Sees. Nachbargemeinden sind Kópháza, Fertőboz und Fertőrákos. Der Ort befindet sich am Rand des Nationalparks Fertő-Hanság.

Geschichte

Schon zur Römerzeit war der Ort durch seine Heil- und Mineralquellen bekannt. In einer Urkunde aus dem Jahr 1199 wurde der Ort erstmals unter dem Namen Farkasd erwähnt. 1378 wurde er in einer Schrift Bolf genannt, aus welchem sich wahrscheinlich der heutige Name entwickelt hat.

1910 lebten in der Gemeinde Wolfs 1393 Einwohner, von denen 1161 Deutsche (83 %) und 208 Ungarn (15 %) waren. Wie viele Dörfer im Umland von Ödenburg war auch die Bevölkerung von Wolfs ganz überwiegend evangelisch.

Bei der Volksabstimmung in Ödenburg 1921 stimmte die Mehrheit der Gemeinde Wolfs für eine Angliederung an Österreich. Aufgrund der ungarischen Stimmenmehrheit im gesamten Abstimmungsgebiet wurde die Gemeinde aber dennoch Ungarn zugeschlagen.

Im Zweiten Weltkrieg war die Gemeinde der Standort eines Arbeitslagers, welches vom November 1944 bis zum 31. März 1945 zur Unterbringung von Zwangsarbeitern und ca. 2.000 ungarischen Juden aus Budapest diente. Die Häftlinge wurden zum Bau des Südostwalls eingesetzt, der die bereits in Ungarn stehenden Truppen der Sowjetunion von einem Eindringen in das Großdeutsche Reich abhalten sollte. Das Lager überlebten nur wenige der Insassen, da Menschen ermordet wurden, sobald sie vor Hunger, Erschöpfung oder Krankheit nicht mehr arbeitsfähig waren. Das bekannteste Opfer des Lagers Balf war der jüdische Autor Antal Szerb.

Am 28. März 1945 wurde das Lager Balf wegen der herannahenden Front evakuiert, die verbleibenden Insassen wurden zu einem Fußmarsch in Richtung des Konzentrationslagers Mauthausen in der Nähe von Linz gezwungen.

Am 31. März 1945, direkt am Vorabend der Osterfeiertage, wurden die meisten der im Dorf verbliebenen Juden – etwa 180 Männer und Frauen – von einer SS Feldgendarmerieeinheit in einem Panzergraben am Rande des Dorfes erschossen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Großteil der deutschen Bevölkerung deportiert.

Söhne und Töchter der Gemeinde

Sehenswürdigkeiten

Infrastruktur

In Balf gibt es mineral- und schwefelhaltige Heilquellen. So entstand hier ein Heilbad, welches hauptsächlich zur Behandlung von orthopädischen und neurologischen Krankheitserscheinungen dient. Weiterhin spielt der Obst- und Weinbau eine wichtige Rolle.

Verkehr

In Balf kreuzen sich die Landstraßen Nr. 8518 und Nr. 8526. Der am südwestlichen Rand des Ortes liegende Bahnhof Balf-Fürdő an der Eisenbahnstrecke von Sopron nach Győr ist seit Dezember 2012 nicht mehr in Betrieb. Es bestehen Busverbindungen nach Sopron und Kópháza sowie über Hidegség, Hegykő und Fertőd nach Sarród. Der Neusiedler-See-Radweg führt durch Balf.

Bilder

Literatur

Commons: Balf – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. 1 2 Magyarország helységnévtára: Sopron. Központi Statisztikai Hivatal, abgerufen am 14. Juni 2026 (ungarisch).
  2. ↑ Magyar Statisztikai Közlemények, 1910. Évi népszámlálása. A népesség főbb adatai községek és népesebb puszták, telepek szerint (Budapest 1912), S. 44–45