| Ban Ying e. V.- Koordinations- und Beratungsstelle gegen Menschenhandel | |
|---|---|
| Rechtsform | eingetragener Verein |
| Gründung | 1988 |
| Sitz | Berlin (⊙) |
| Geschäftsstelle | Anklamer Str. 38 10115 Berlin |
| Zweck | Einsatz für die Rechte von Migrantinnen, die Erfahrungen von Gewalt, Ausbeutung oder Menschenhandel gemacht haben |
| Geschäftsführung | Parichat Pai |
| Website | www.ban-ying.de |
Ban Ying ist ein gemeinnütziger Verein in Berlin zur Beratung von Opfern von Menschenhandel. Gegründet wurde der Verein 1988 mit dem Fokus auf Frauen aus Thailand, die in Berlin vermehrt zur Prostitution gezwungen wurden. Der Name kommt aus dem Thailändischen und bedeutet „Haus der Frauen“. Aktuell betreibt Ban Ying eine Beratungs- und Koordinationsstelle gegen Menschenhandel sowie eine Zufluchtswohnung für Betroffene.
Der Verein Ban Ying wurde 1988 gegründet und unterstützte zunächst vorwiegend thailändische Frauen, die zur Prostitution gezwungen wurden, erstes Projekt war 1989 die Einrichtung einer Zufluchtswohnung. Im Folgejahr eröffnete die Beratungs- und Koordinationsstelle gegen Menschenhandel. Das Angebot wurde in der Folge auf Betroffene aus allen Herkunftsländern erweitert.
Ban Ying war 1999/2000 zusammen mit KOK gegen Menschenhandel eine von zwei deutschen NGO, die an den Verhandlungen der UN-Generalversammlung zur Palermo-Konvention teilnahmen.
Ban Ying setzt einen Beratungsfokus auf Angestellte in Diplomatenhaushalten, die angesichts ihrer Immunität nicht oder nur schwer juristisch belangt werden können. 2002 ergab eine Untersuchung Ban Yings, dass ca. 80 % der ca. 1.700 Hausangestellten der Diplomatenhaushalte in Deutschland aus den Philippinen stammen. 2003 führte der Verein eine bundesweite Umfrage in Beratungsstellen durch, um die Situation der Hausangestellten diplomatischer Vertreter erfassen zu können. In dieser wurden Arbeitsverhältnisse beobachtet, die von den rechtlichen Mindeststandards sehr weit entfernt waren. Im gleichen Jahr wandte sich Ban Ying angesichts der Ausbeutungsfälle an den UN-Ausschuss für die Beseitigung der Diskriminierung der Frau. Im Ergebnis wurde zwar keine Untersuchung eingeleitet, das Presseecho führte jedoch zu einer Reihe struktureller Verbesserungen, insbesondere sei in Deutschland durch das Außenministerium ein Mindestlohn von € 750,- zuzüglich Unterkunft, Verpflegung und Krankenversicherung für die Betroffenen eingeführt worden. In der Folge stießen mehrere von Ban Ying betreute Fälle auf breite öffentliche Aufmerksamkeit. Ban Ying geht von jährlich 5–10 neuen Fällen von Ausbeutung in Diplomatenhaushalten in Deutschland aus.
Ban Ying nahm an Kampagnen im Vorfeld der Fussball-WM 2006 in Deutschland teil und grenzte sich dabei teils explizit von den Positionen anderer Akteure ab. Gefordert wurde verantwortliches Verhalten von Freiern und Aufmerksamkeit für Anzeichen von Menschenhandel. Der Verein widersprach dabei den vor der WM transportierten Bildern von stark durch Menschenhandel geprägte Strukturen der Prostitution in Deutschland und einer undifferenziert zugeschriebenen Opferrolle an Frauen in der Prostitution.
Auf der Basis der Erfahrungen zur WM in Deutschland wurde 2008 die Kampagne „Moderne Sklaverei in Deutschland“ entwickelt. Diese hatte neben Zwangsprostitution auch weitere auf Menschenhandel basierende Ausbeutungsstrukturen zum Thema. Im Rahmen ihrer Mitgliedschaft am Runden Tisch gegen Menschenhandel zum Zweck der Arbeitsausbeutung im Land Berlin wurden die Beiträge von Ban Ying zu diesem Problemfeld besonders hervorgehoben.
Ban Ying stellt sich gegen die Gleichsetzung von Prostitution und Menschenhandel, wie sie von abolitionistischen NGOs vertreten wird. Damit spreche man Frauen die Kompetenz ab, entsprechende Entscheidungen zu treffen und stelle sie rechtlich auf die Stufe von Kindern.
Abgelehnt wird in diesem Kontext jegliche Kriminalisierung der Sexarbeit einschließlich der Freierkriminalisierung nach dem Nordischen Modell. Über die entmündigenden Implikationen hinaus führe der Ansatz in der Praxis zu steigender Repression insbesondere von Sexarbeitenden aus dem EU-Ausland.
Ban Ying fordert legale Arbeitsmöglichkeiten in der Sexarbeit, erweiterte Hilfsangebote und mehr Beratungsmöglichkeiten für Betroffene. Darüber hinaus könne Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung insbesondere durch die Gewährleistung sicherer Migrationswege und legaler Arbeitsmöglichkeiten bekämpft werden. Grundsätzlich lehnt Ban Ying jegliche Kriminalisierung von Migration ab.
Ban Ying ist Mitglied im KOK gegen Menschenhandel, in der Global Alliance Against Traffic in Women (GAATW) und in La Strada international.