Tandemhubschrauber

Bristol Belvedere der Royal Air Force, 1961 in Dienst gestellt.

Tandemhubschrauber bezeichnet eine Hubschrauber-Konfiguration, bei der in der Regel zwei gleich große Hauptrotoren verwendet werden, deren Gegendrehmomente (Giermoment) sich durch einen gegenläufigen Drehsinn ausgleichen. Ein Heckrotor ist damit entbehrlich und die volle Motorleistung steht dem Auftrieb zur Verfügung. Dies gilt grundsätzlich auch für Hubschrauber mit transversalen Rotoren (nebeneinander, meist an Auslegern) sowie den Flettner-Doppelrotor, die aber andere Flugeigenschaften aufweisen.

 Chinook Helikopter
Boeing Chinook Helikopter

Technik

Die Rotoren sind in Flugrichtung hintereinander angeordnet, wobei die hintere der beiden Rotorebenen stets höher als die vordere ist. Durch die Koppelung beider Rotoren über ihre Antriebswellen ist für ihren synchronen Lauf bei allen Betriebszuständen gesorgt. Die Rotoren sind weiterhin so angesetzt, dass sie in der Draufsicht ineinander kämmen, also nie zwei Blätter übereinander stehen, und sich daher bei Schlagbewegungen nicht berühren können.

Die Bauart verlangt einen Mindestachsabstand der beiden Rotoren von mehr als einer Blattlänge. Aus strömungstechnischen Gründen werden sie aber so weit voneinander angeordnet, dass sich die Rotorebenen meist nur wenig überdecken. Zwangsläufig ergibt sich daraus eine große Länge des Hubschraubers.

Bei Hubschraubern mit einer Gesamtmasse unter neun Tonnen wird das Heckrotorkonzept eindeutig im Vorteil gesehen, bis etwa dreißig Tonnen Startmasse werden die beiden Systeme etwa gleichwertig gesehen, während bei schwereren Hubschraubern die Tandemausführung klare Vorteile besitzt. Dabei kommen folgende Vor- und Nachteile der Tandem-Bauweise gegenüber einem konventionellen Haupt- bzw. Heckrotorsystem zum Tragen:

Vorteile

Nachteile

Steuerung

Die Steuerung erfolgt wie bei Einzelrotoren durch Taumelscheiben in den beiden Rotorköpfen:

Typen

Der erfolgreichste Hersteller von Hubschraubern mit Tandemrotoren ist bis heute Boeing-Vertol mit zwei Modellen, die in zivilen und militärischen Ausführungen gebaut wurden:

Weitere verbreitete Tandem-Hubschrauber waren daneben:

Tandem-Modellhubschrauber

Auch als Modellhubschrauber kommen Tandemhubschrauber zum Einsatz. In der Regel entsprechen diese konstruktiv grundsätzlich den manntragenden Exemplaren; in der Praxis werden jedoch meist statt Wellenantrieben als Verbindung der Rotorgetriebe die leichter verfügbaren Zahnriemen verwendet, die ebenfalls eine Synchronisation der Rotoren sicherstellen. Aus Schwerpunktsgründen wird der Antriebsmotor meist mittig zwischen den Hauptrotoren angeordnet. Bei den in jüngster Zeit eingesetzten Indoor-Fertigmodellen mit Tandem-Koaxialrotoren wird von den Konstruktionsprinzipien insofern abgewichen, als dass durch die Drehzahlsteuerung (jeder Einzelrotor wird von einem eigenen Elektromotor angetrieben, also vier Motoren insgesamt) mit festem Blattanstellwinkel (Fixed pitch) Anpassungen erforderlich sind. Hier wird oft der Abstand der Hauptrotoren so groß gewählt, dass diese mangels Überschneidung nicht synchronisiert werden müssen. Auch abweichende Steuerungsmodi (z. B. Nicksteuerung durch zyklisches Vorwärtssteuern statt der Pitch-Differenzierung) sind hier möglich. Technisch bemerkenswert an diesen Leichtmodellen ist, dass diese konstruktive Grundprinzipien verknüpfen (Koaxialrotoren in Tandemanordnung), welche in der manntragenden Luftfahrt bisher in dieser Kombination nicht realisiert wurden.

Siehe auch

Literatur