Barbara Jatta

Barbara Jatta (2018)

Barbara Jatta (* 6. Oktober 1962 in Rom) ist eine italienische Kunsthistorikerin und seit dem 1. Januar 2017 Direktorin der Vatikanischen Museen.

Herkunft

Barbara Jatta entstammt der apulischen Adelsfamilie Jatta aus Ruvo di Puglia, wo sich eine 1820 entdeckte bedeutende archäologische Fundstätte befindet. Die tonangebenden adligen Familien richteten sich dort im 19. Jahrhundert Privatmuseen ein. Das von ihrem Vorfahren, dem Juristen und Archäologen Giovanni Jatta († 1844), aus über 500 Fundstücken begründete Museum Jatta ist die einzige dieser Sammlungen, die bis heute besteht. Sie wurde 1991 verstaatlicht und wird im Archäologischen Nationalmuseum Jatta gezeigt. Hier liegen die Wurzeln der konservatorischen Familientradition.

Ihre aus römischem Adel stammende Mutter und ihre Schwester sind ebenfalls Konservatorinnen. Die aus Russland stammende Großmutter Assia Busiri Vici (1906–1989, geborene Gräfin Alexandra Olsuwjew) wirkte als namhafte Porträtmalerin in Rom; ihr Mann, Jattas mütterlicher Großvater Andrea Busiri Vici (1903–1989), war Architekt und Kunsthistoriker und kam aus einer römischen Architektendynastie. Ihr Cousin Andrea Busiri Vici (* 1960) ist der Exmann von Barbara De Rossi und arbeitet in der Filmbranche. Sie hat dasselbe Sternzeichen wie ihr Vorgänger, der ehemalige italienische Kulturminister Antonio Paolucci, die als harmoniebedürftig geltende Waage, womit sie die von beiden verfolgte, auf den Ausgleich der Interessen zwischen Denkmalschutz und den Bedürfnissen der Menschen im Hier und Jetzt bedachte konservatorische Herangehensweise erklärt.

Leben

Jatta absolvierte an der Universität Rom zunächst ein Studium der Kunstgeschichte, das sie 1986 mit einer Arbeit zur Geschichte der Grafik abschloss. Ein Jahr darauf erwarb sie ein weiteres Diplom in Archivkunde, Paläografie und Diplomatik. Sie absolvierte verschiedene Praktika in England, Portugal und den Vereinigten Staaten. 1991 wurde sie im Fach Kunstgeschichte promoviert.

Von 1981 bis 1996 war sie für das Istituto nazionale per la grafica in Rom als Konservatorin und in der Katalogisierung tätig. Ab 1994 unterrichtete sie das Fach Geschichte der grafischen Künste und Techniken (Storia delle tecniche e delle arti grafiche) an der Università degli Studi Suor Orsola Benincasa in Neapel. 2005 wurde sie Mitglied des Gruppo dei Romanisti.

Von 1996 bis 2016 leitete sie das Kabinett für Drucke in den Vatikanischen Museen. 2010 wurde sie von Papst Benedikt XVI. zur Kuratorin der Drucke in der Vatikanbibliothek ernannt. Sie kuratierte zahlreiche Ausstellungen und gehört den Kommissionen für die Erwerbungen und für die Ausstellungen der Vatikanische Bibliothek und der Vatikanischen Museen an. Seit Sommer 2016 war sie Vizedirektorin der Vatikanischen Museen; im Dezember 2016 bestimmte Papst Franziskus sie auf Vorschlag des bisherigen Direktors Antonio Paolucci, der die Museen seit 2007 leitete, zu dessen Nachfolgerin.

Am 18. Februar 2023 ernannte sie Papst Franziskus zur Konsultorin des Dikasteriums für die Kultur und die Bildung.

Barbara Jatta ist verheiratet mit dem Kinderarzt und Hochschullehrer Fabio Midulla und Mutter von drei Kindern.

Schriften

Monographien

Katalogbeiträge und Aufsätze

Als Herausgeberin

Einzelnachweise

  1. 1 2 Sandra Rivera: Barbara Jatta: la mujer detrás de los Museos Vaticanos. In: Milenio. 22. Februar 2017, abgerufen am 5. Dezember 2025 (spanisch).
  2. ↑ Maria Busiri Vici Jatta: Assia Busiri Vici Olsoufieff: ricordo di una grande artista russa divenuta romana. In: L’urbe 52. Jg. (1989), Heft 1/2, S. 39–42.
  3. 1 2 Paolo Conti: Barbara Jatta: «Aspetto il Papa in visita ai Musei Vaticani». In: Corriere della Sera. 1. Januar 2017, abgerufen am 5. Dezember 2025 (italienisch, Interview mit Barbara Jatta).
  4. ↑ Andrea Busiri Vici bei IMDb
  5. ↑ Barbara Jatta Print curator – Cabinet of Prints and Drawings of the Vatican Library. In: restauratorisenzafrontiere.com. Abgerufen am 22. Dezember 2016 (englisch).
  6. ↑ Nikolaus Bernau: Barbara Jatta Erstmals leitet eine Frau die Vatikanischen Museen. In: berliner-zeitung.de. 20. Dezember 2016, abgerufen am 22. Dezember 2016.
  7. ↑ Frau an der Spitze der Vatikanischen Museen. In: katholisch.de. 20. Dezember 2016, abgerufen am 22. Dezember 2016.
  8. ↑ Barbara Jatta auf der Webseite des Gruppo dei Romanisti.
  9. ↑ Oliver Meiler: Barbara Jatta. Museumschefin und neues Gesicht im Vatikan. In: Süddeutsche Zeitung, 31. Januar 2018, S. 4.
  10. ↑ Anne Preckel: Führungswechsel bei Vatikan-Museen: Neue Räume erschließen. In: Radio Vatikan, 23. Dezember 2016.
  11. ↑ Nomina di Consultori del Dicastero per la Cultura e l’Educazione. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 18. Februar 2023, abgerufen am 18. Februar 2023 (italienisch).
Personendaten
NAME Jatta, Barbara
KURZBESCHREIBUNG italienische Kunsthistorikerin
GEBURTSDATUM 6. Oktober 1962
GEBURTSORT Rom