Barbelo-Gnostiker

Als Barbelo-Gnostiker (lateinisch Gnosticorum Barbelo „Barbelo der Gnostiker“, „Gnostiker-Barbelo“) bezeichnet man Vertreter einer Ausrichtung innerhalb des Gnostizismus. Diese Ausrichtung ist ab dem Beginn des 2. Jahrhunderts nachweisbar und verschmolz die Lehren Valentins mit orientalischem Dualismus und alttestamentlichen, christlichen und apokryphen Motiven.

Etymologie

Die Etymologie von Barbelo ist ungewiss. Möglicherweise leitet sich der Begriff aus dem Hebräischen von „Barbhe Eloha“ („in der Vier ist Gott“) her, eine andere Erklärung bezieht den Namen auf Baal. Barbelo bezeichnet ein weibliches Äon (Emanation der höchsten Gottheit) des Gnostizismus, das die höchste Stellung besitzt und eine Art Weltenmutter darstellt.

Der Begriff Barbelo (bzw. Barbeloth, Barthenos, Barbero) kommt bei mehreren gnostischen Gruppierungen vor, so bei den Nikolaiten, Sethianern, Phibioniten, Stratiotikern, Levitikern, Borboriten, Koddianern, Zakchäern und Barbeliten. In apologetischer Absicht wird er bei Irenäus, Epiphanius von Salamis und Theodoret erwähnt.

Quellen

Die wichtigsten Informationen über die Barbelo-Gnostiker gehen auf Epiphanius von Salamis zurück, der im Jahr 335 in Ägypten mit einer gnostischen Sekte in Berührung kam. Nachdem er sich eine Zeit lang von diesen Lehren begeistern ließ, wandte er sich schließlich entsetzt von ihnen ab, und diffamiert viele Mitglieder namentlich beim Bischof der Stadt. Achtzig Mitglieder werden daraufhin aus der Kirche ausgeschlossen. Später schildert Epiphanius Lehre und Praktiken der Barbelo-Gnostiker aus seiner subjektiv-ablehnenden Haltung.

Inhaltliche Kennzeichen

In der Barbelo-Gnosis gibt es, wie in allen gnostischen Strömungen, das oberste Göttliche, das unerkennbar und unerreichbar ist, während die Schöpfung durch ein weibliches Prinzip, die Barbelo, verursacht wird. Sie repräsentiert die höchste Gottheit in ihrem weiblichen Aspekt und besitzt viele Aspekte der gnostischen Sophia. Die Barbelo ist weder eine „Person“, noch eine Götterfigur, sondern ein vor-schöpferisches Prinzip der Gottheit und somit Grundlage für alle folgende Schöpfung.

In mehreren der in Nag-Hammadi gefundenen Schriften wird die Barbelo thematisiert:

Im Judasevangelium sagt Judas zu Jesus: „… Du kommst aus dem ewigen Reich Barbelos …“

Aus den Nag-Hammadi-Schriften wissen wir heute, dass diesen Gnostikern zufolge der gesamte materielle Daseins-Bereich des Menschen inklusive der getrennten Geschlechtlichkeit und der Sexualität, zusammen mit weiteren Maßnahmen, Versuche Jaldabaoths (des Demiurgen oder Schöpfergotts) darstellen, den Menschen so zu binden, dass dieser ihn (Jaldabaoth) nicht in seinem Denken übersteigen kann und infolgedessen nicht zu seiner ursprünglich angelegten Göttlichkeit aufsteigen kann.

In der Barbelo-Gnosis ist der Mensch durch das Vergessen an die materielle Daseins-Ebene gebunden. Sobald er sich innerlich dem Geist des Lebens zuwendet (welcher niemals verdammt, sondern danach strebt, den Fehler der Sophia, die Schöpfung Jaldabaoths wieder aufzuheben), steht seinem Aufstieg zum Licht nichts mehr entgegen (siehe auch die Erlösung im Johannes-Apokryphon).

Christliche Polemik

Die orthodox-christliche Polemik unterstellte den Barbelo-Gnostikern diverse Ausschweifungen und Abartigkeiten, u. a. im Panarion des Epiphanius von Salamis. Solche entwürdigenden Vorwürfe gegenüber Andersdenkenden sucht man in den gnostischen Nag-Hammadi-Schriften hingegen vergebens; in den Schriften, die der Barbelo-Gnosis zuzuordnen sind, wird allenfalls argumentativ oder durch Gegenüberstellung auf alttestamentliche Lehren eingegangen.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

Lüdemann & Janßen bezieht sich auf die in der Literaturliste angegebene Bibel der Häretiker.

  1. ↑ Hans Leisegang: Die Gnosis, Leipzig, 1924, 5. Auflage, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart, 1985, ISBN 3-520-03205-8, (Kröners Taschenausgabe 32), Kapitel V, Die Barbelo-Gnostiker, S. 186
  2. ↑ Hans Leisegang: Die Gnosis, Leipzig, 1924, 5. Auflage, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart, 1985, ISBN 3-520-03205-8, (Kröners Taschenausgabe 32), Kapitel V, Die Barbelo-Gnostiker, S. 186
  3. ↑ Hans Leisegang: Die Gnosis, Leipzig, 1924, 5. Auflage, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart, 1985, ISBN 3-520-03205-8, (Kröners Taschenausgabe 32), Kapitel V, Die Barbelo-Gnostiker, S. 186 ff.
  4. ↑ Lüdemann & Janßen. S. 107.
  5. ↑ Lüdemann & Janßen. S. 230 ff.
  6. ↑ Lüdemann & Janßen. S. 454 ff.
  7. ↑ Lüdemann & Janßen. S. 460 ff.
  8. ↑ Lüdemann & Janßen. S. 499.
  9. ↑ Lüdemann & Janßen. S. 513.
  10. ↑ Lüdemann & Janßen. S. 535 ff.
  11. ↑ Lüdemann & Janßen. S. 572 ff.
  12. ↑ Lüdemann & Janßen. S. 604.
  13. ↑ Bernhard Siebert. S. 2.
  14. ↑ Epiphanius von Salamis: Panarion (Adversus Haereses) 15,16; 25,2ff.