Barrie Frost

Barrie Frost (* 3. Juni 1938 in Nelson (Neuseeland); † 4. Oktober 2018 in Kingston) war ein neuseeländisch-kanadischer Psychologe und emeritierter Professor für Psychologie, Biologie and Physiologie an der Queen’s University in Kanada.

Leben

Seine Eltern waren Alfred Frost and Jessie (geb. Collett) Frost. Er besuchte von 1953 bis 1956 an seinem Geburtsort das Nelson College. Danach absolvierte er eine Ausbildung zum Grundschullehrer und schloss 1959 sein Lehrerexamen in Christchurch ab. Danach folgten 1961 ein Bachelor-Abschluss und 1964 ein Masterabschluss an der University of Canterbury. Anschließend zog er nach Sydney, wo er als Dozent an der University of Sydney tätig war. 1967 promovierte er unter der Betreuung von Werner Honig und Lorin Riggs (Brown University) an der Dalhousie University in Kanada. Als Postdoktorand im Labor von Gerald Westheimer an der University of California, Berkeley, wo er an unterschiedlichen Systemen wie den Augenbewegungen des Wasserflohs Daphnia pulex, der Einzelzell-Elektrophysiologie in der Retina und im Tectum von Amphibien sowie den Stäbchen-Zapfen-Interaktionen im menschlichen Sehsystem arbeitete. 1969 wurde er an das Psychologischen Institut der Queen’s University im kanadischen Kingston berufen. Hier blieb er (abgesehen von zahlreichen Forschungsaufenthalten im Ausland) bis zu seinem Lebensende tätig. 2004 trat er von seinen administrativen und Lehrtätigkeiten an der Universität zurück und wurde zum Professor Emeritus ernannt, blieb aber ungebrochen aktiv in seiner Forschungstätigkeit und führte Studien zum Wanderverhalten des Monarchfalters, den Mechanismen der Magnetorezeption bei Vögeln und zu den Navigationsstrategien nachtziehender Nachtfalter durch.

Werk

Sein Hauptinteresse galt der neurowissenschaftlichen Forschung, speziell dem Verständnis der Physiologie und Funktion des visuellen Systems. Er konzentriert sich auf die Frage, wie Bewegung im Gehirn verarbeitet wird und insbesondere darauf, wie die Bewegung von Objekten von der Bewegung des durch Augen-, Kopf- und Körperbewegungen erzeugten Bildes unterschieden wird. Er beschäftigte sich zudem mit den Sinnessystemen vieler verschiedener Vogelarten, aber auch von Wirbellosen und Säugetieren, einschließlich des Menschen. So veröffentlichte er Forschungsergebnisse zur Tiefenwahrnehmung bei Eulen, zur Berechnung des optischen Flusses bei Tauben und zur Eigenbewegungswahrnehmung beim Menschen.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt von ihm lag im Bereich des Hörens. Mithilfe zahlreicher Forschungsmethoden, darunter Einzelzellableitungen, computergenerierte Reize, Psychophysik und detaillierten mathematischen Analysen, haben er und seine Kollegen die neuronalen Mechanismen der Schalllokalisation, der auditiven Figur-Grund-Trennung sowie Ähnlichkeiten in den neuronalen Berechnungen für stereophones Hören und stereoskopisches Sehen untersucht. Dabei ist auch auf sein ingenieurtechnisches Können zu verweisen: Wenn er für Experimente Geräte benötigte, die nicht existierten, baute er sie selbst. Viele innovative Geräte in seinen Laboren wurden in Werkstätten der Queen’s University entwickelt, was ihm Projekte ermöglicht, die für viele andere Forscher unerreichbar sind.

Er hat außerdem an angewandten Projekten gearbeitet, dabei interessierte er sich für den Zusammenhang von taktiler Wahrnehmung und dem Hören und entwickelte einen „taktilen Vocoders“, ein Gerät, das Schall in ein Muster taktiler Empfindungen umwandelt, das wiederum von gehörlosen Menschen genutzt werden kann, um Schall, einschließlich gesprochener Sprache, zu erleben. Ein weiteres Forschungsprojekt betraf Studien zur Verbesserung der Beweglichkeit von Parkinson-Patienten. Er entwickelte auch multisensorische virtuelle Realitäten und Simulatoren für wissenschaftliche, pädagogische und industrielle Zwecke.

In seinen letzten Studien zeigten er und seine Kollegen, dass Bogong-Falter (aber auch Vögel und Schmetterlinge) das Erdmagnetfeld wahrnehmen und es in Verbindung mit visuellen Orientierungspunkten nutzen können, um ihr Flugverhalten zu steuern.

Ehrungen/Positionen

Privates

Er war verheiratet mit Virginia („Ginny“, geb. Peters) Frost; aus der Ehe stammten die Söhne Andrew, Tim und Hugh. Er starb im Providence Care Hospital in Kingston im Alter von 79 Jahren an Krebs.

Publikationen (Auswahl)

Monografien
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Dr. Barrie J. Frost auf Queens University, abgerufen am 29. Juni 2026.
  2. ↑ Barrie FROST Obituary auf legacy.com, abgerufen am 30. Juni 2026.
  3. ↑ Peter Shizgal: Honorary degree citation - Barrie J. Frost auf Concordia University, abgerufen am 30. Juni 2026.
  4. ↑ Barrie J. Frost Psychology. Visual neuroscientist who has pioneered research into how our brains see and hear, and how animals like monarch butterflies and seabirds navigate amazing distances auf science.ca, abgerufen am 30. Juni 2026.
  5. ↑ 2003 Donald O. Hebb Distinguished Contribution Award Winner: Dr. Barrie Frost auf csbbcs.org, abgerufen am 29. Juni 2026.
Personendaten
NAME Frost, Barrie
ALTERNATIVNAMEN Frost, Barrie J.
KURZBESCHREIBUNG neuseeländisch-kanadischer Psychologe und Hochschullehrer
GEBURTSDATUM 3. Juni 1938
GEBURTSORT Nelson
STERBEDATUM 4. Oktober 2018
STERBEORT Kingston